Mitsubishi : Beautycase und Rückenschmeichler

Wie eine Testfahrt auch ablaufen kann: Eine Reise von München nach Berlin im Mitsubishi Colt CZC Cabrio.

Wolfgang Gomoll

La Principessas erstes Urteil, als sie von unserem Gefährt für die Reise nach Berlin hört, ist deutlich und nicht nachsichtig: „Waaas, ein Colt Cabrio? Das ist doch so ein Kleinwagen. Da passt ja nicht einmal mein Beauty Case rein!" knurrte meine bessere Hälfte ins Telefon. Auch Erklärungsversuche, dass der ein Testwagen und sicher nicht schlecht sei, werden mit einem: „Mir egal“ beiseite gewischt. Als sie nach einer ebenso mürrischen wie einsilbigen Verabschiedung auflegt, schwant mir Böses.

Erst recht, als mir der Blick auf den Routenplaner verrät, dass es von München aus bis zum Ziel exakt 587 Kilometer sind. Na, das kann ja heiter werden. Exakt 587 000 Meter Genörgel. Doch es gibt kein Zurück. Das Zimmer ist gebucht, die Freunde warten.

Am Tag der Wahrheit – sprich der Abfahrt – sammelt das Colt CZC Cabrio aber doch die ersten Pluspunkte. Der 460-Liter-Kofferraum (bei geschlossenem Dach) schluckt das aus zwei mittelgroßen Taschen bestehende kleine Reisegepäck meiner Freundin. Sogar meine Sporttasche hat noch Platz. Diese Glanzleistung wird mit einem kurzen „na immerhin" abgetan, gefolgt von einem „besonders schön ist der aber nicht“. Ein resigniert gemurmeltes „alles Geschmacksache“ meinerseits – bringt natürlich keine Meinungsänderung.

Doch die Kritik hat sich nach wenigen Kilometern angesichts des großzügigen Platzangebots für Fahrer und Beifahrer schnell verflüchtigt (im Fond schaut die Sache schon wieder ganz anders aus, da passen nur Kleinkinder rein). Allerdings nur, um einer weiteren Platz zu machen. Einer, der angesichts der normativen Kraft des Faktischen wenig entgegenzusetzen ist: Ab einer Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometern ist es selbst bei geschlossenem Dach im Innern aufgrund der Windgeräusche derart laut, dass Unterhaltungen bald ermüdet abgebrochen werden müssen, da das laute Sprechen an den Kräften zehrt. Für Frischluftfans nur ein weiterer Grund, möglichst schnell oben ohne zu fahren.

Und wenn es um das Fahren geht, ist das Colt Coupé Cabrio, so sein voller Name, ganz weit vorne dabei. Der 1,5-Liter-Turbo-Motor ist eine kräftige Drehorgel, die das 1,2-Tonnen-Gefährt ambitioniert nach vorne wuchtet. Das muss auch die Kritikerin auf dem Beifahrersitz eingestehen: „Der geht ja ziemlich gut.“

Den Preis für den Spaß zahlt man dann allerdings an der Tankstelle. Der Turbo ist ein ziemlicher Schluckspecht und genehmigt sich bei Vollgas-Autobahn-Etappen schon mal einen kräftigen Schluck aus der Pulle. Dann wird die Zwölf-Liter-Marke locker geknackt. Im Zusammenspiel mit dem kleinen 47-Liter-Tank führt das zu häufigen Aufenthalten an der Raststätte. Die haben aber auch einen angenehmen Nebeneffekt. Sie heben die Laune der Mylady. Denn dann sind eine Zigarette, ein Kaffee und der Besuch auf dem stillen Örtchen drin.

Vor der Schlosskirche zu Wittenberg, an deren Pforte Martin Luther seine 95 Thesen nagelte, ist Ihro Gnaden erneut milde gestimmt. „Mir geht es richtig gut. Der Rücken tut kein bisschen weh und ich bin Nullkommanull verspannt.“ Solch huldvollen Worte lassen mich wieder optimistischer in die Zukunft unseres Kurzurlaubs blicken. Dem hervorragenden Fahrwerk und den langstreckentauglichen Sitzen des Colt CZC sei Dank.

Diese Vorzüge zeigen sich auch auf den Alleen und Landstraßen Brandenburgs. Egal ob kurze harte Schläge oder lange Bodenwellen. Der Mitsubishi steckt alles mit einer Gelassenheit weg, die man von einem 3,88-Meter-Auto nicht erwartet hätte. Garniert wird das mit einer Agilität, die gerade bei kurvigen Strecken wirklich Freude bereitet. Vor allem mir – auch wenn ich mal nicht gefahren bin. „Richtig wendig, der Kleine“, schallt es dann freudig vom Fahrersitz. Das Laune-Thermometer meiner Liebsten steigt weiter.

Den Zenit erreicht die Stimmung aber erst, als der Mitsubishi mit versenktem Verdeck vor uns steht: „Also offen schaut der Colt echt gut aus.“ „Wusste ich's doch“, denke ich. Aber ich verkneife mir jede Äußerung und quittiere den Sinneswandel mit einem freundlichen Lächeln. Der Tag ist gerettet und das gedankliche Auto-Test-Notizheft randvoll. Was will man noch mehr?

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