Mitsubishi Colt : Weil Effizienz relativ ist

Ein Kleinwagen wie der Colt braucht keinen Diesel, findet Mitsubishi – und wirft den Selbstzünder gleich ganz aus dem Programm

Eric Metzler
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Nicht, dass der kleine Colt so bedeutend wäre. Er ist einer von vielen im wichtigen und deswegen hart umkämpften Kleinwagen-Segment. Und doch macht er jetzt Geschichte: Mitsubishi reagiert als erster Hersteller auf den veränderten Markt und kickt den Colt-Diesel aus dem Programm. Für diesen wohlüberlegten Schritt nutzen die Japaner den Modellwechsel an diesem Wochenende: Der Colt geht in seine sechste Generation.

Dass der Selbstzünder dabei auf der Strecke bleibt, hat mindestens drei Gründe. Den ersten nennt Mitsubishi nicht so gerne, weil er hausgemacht ist: Das bisher verfügbare Aggregat wäre nur mit erheblichem finanziellem Aufwand Euro-5-fähig zu machen. Die beiden anderen Gründe sind strategischer und konsumpolitischer Natur: Der Preisvorteil von Diesel zu Benzin liegt derzeit bei fünf Cent; zwischenzeitlich tendierte er gegen Null. Warum bitte sollte man einen höheren Anschaffungspreis für den Diesel zahlen? Dazu in Zeiten, wo jeder Euro mehr auf der Ausgabenseite die Goldwaage knarzen lässt. Ohnehin hat sich längst herumgesprochen, dass sich Diesel selbst bei Preisdifferenzen zum Benzin von 20 Cent erst bei Laufzeiten oberhalb der 20 000 Kilometer amortisieren – eine Marke, die die wenigsten Kleinwagen in Berlin erreichen dürften. Unterm Strich spielt Mitsubishi mit seiner Entscheidung gegen den Diesel den Vorreiter – nur eine Frage der Zeit, wann andere in diesem Segment nachziehen werden. (Dass Diesel in höheren Klassen eine Zukunft haben, ist eine andere Geschichte – siehe Q5 rechts)

Wer den asiatischen Mut mit dem Kauf eines neuen Colt belohnen will, hat drei Benziner zur Auswahl. Der kleinste fällt mit zwei besonderen Zahlen aus dem üblichen Raster: Der Basis-Colt 1.1 hat nur drei Zylinder und kostet neuntausendneunhundertneunzig Euro. Dafür gibt es ein Maschinchen, wie es auch im Smart zu Ehren kommt. Im Colt reicht das für Alltagsfahrten durch die flache Stadt. Sobald Steigungen ins Spiel kommen, werden den Fahrgästen die Grenzen aufgezeigt. Am oberen Ende der Palette rangiert der 1.5 mit seinen 150 PS. Nach unserem Fahreindruck kann der zwar nicht mit ähnlich starken Turbomotoren anderer Hersteller mithalten (Mini, Peugeot). In Verbindung mit der fahrwerksoptimierten Version „Rallieart“ springt aber durchaus eine manierliche Portion Fahrspaß heraus (ab 19 990 Euro). Als guten Kompromiss zwischen Preis und Leistung empfehlen wir den 1.3-Liter. Den gibt es zwar nicht in der kargen Basisversion wie den 1.1, sondern erst ab der Ausstattungslinie „inform“. Da kostet er dann 500 Euro mehr als ein gleich bemusterter 1.1, ermöglicht aber ein ausgeglicheneres Fortkommen und rechtfertigt so den Aufpreis.

Mitsubishi rühmt den Colt zwar als „Neue Generation“, wendet damit aber einen rhetorischen Trick an, den Mercedes beim aktuellen SL etabliert hat. In beiden Fällen handelt es sich nicht um grundlegende Neuentwicklungen, sondern um gründliche Überarbeitungen. Die sind beim Colt vor allem optischer und geräuschdämmender Natur. Komplett neu, aber nicht unbedingt schöner ist die Front. Der mächtige Kühler trägt jetzt das Gesicht des kürzlich vorgestellten Mittelklasse-Sportlers Lancer. Während es dem aber gut steht, verrutschen am Colt die Proportionen. Das fällt besonders auf, wenn man einen weißen Colt mit schwarzem Grill im Rückspiegel sieht. In Verbindung mit den merkwürdig unentschlossenen Scheinwerfern, die teils gerade und teils rund geformt sind, ergibt sich ein sonderlich verkniffenes Bild. Ob Mitsubishi damit seinem propagierten Ziel näher kommt, mehr Sportlichkeit zu vermitteln, möge anhand der Fotos jeder selbst entscheiden.

Komplett erneuert hat man den Innenraum. Dass die Designer im Hause Mitsu bishi ein Händchen für glatte Flächen und saubere Bedienelemente haben, wissen wir seit dem Outlander. Aber leider wissen wir von Grandis und Co. auch, dass andere bei der Materialauswahl mehr Lebenserfahrung einbringen: Die allseitig verwendeten, harten Kunststoffe sind extrem kratzempfindlich. Das können selbst Testautos mit nur tausend Kilometern auf dem Tacho nicht verbergen. Eine Stärke des Colt ist seine Flexibilität: Es gibt ihn mit drei und mit fünf Türen. Letzterer bietet eine deutlich bessere Rundumsicht. Hinten hat man für einen Kleinwagen ungewöhnlich viel Beinfreiheit. Wer laden muss, kann die Rückbank teilen und mit einem Handgriff flachlegen. Da das auch mit dem Beifahrersitz funktioniert, kann man zum Erstaunen umstehender Clio-Fahrer bequem Regalstollen bis 2,20 Meter Länge heimschaffen – vorausgesetzt man nimmt Laken zur Hilfe, um das sensible Armaturenbrett zu schonen.

Die sogenannten Cleantec-Modelle, die mit Start-Stopp-Automatik und anderen verbrauchsoptimierenden Details aufwarten, kommen erst 2009. Zwar sind die aktuellen Motoren mit CO2-Werten zwischen 130 und 161 g/km keine Dreckschleudern. Aber man hätte es ja mal mit der umgekehrten Reihenfolge probieren können – warum also nicht gleich die Sauberstaffel?

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