Mitsubishi Outlander : Der gemütliche Familienfreund

Der neu gestaltete Mitsubishi Outlander ist ein SUV vom alten Schlag: robust und alltagspraktisch – und mit inneren Qualitäten.

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Fällt in der SUV-Masse garantiert auf. Der Outlander ist der erste Mitsubishi mit der neuen Designsprache Dynamic Shield.
Fällt in der SUV-Masse garantiert auf. Der Outlander ist der erste Mitsubishi mit der neuen Designsprache Dynamic Shield.Foto: Rainer Ruthe

Jeder dritte in Deutschland verkaufte Mitsubishi ist ein Outlander. Dennoch war er bislang mehr so der unscheinbare Onkel im Hintergrund, der alles richtet. Ein ehrliches SUV vom alten Schlag. Ein Praktiker ohne große Ausstrahlung. Das ist nun anders: Er ist der erste Mitsubishi mit der neuen Designsprache Dynamic Shield, die schrittweise bei allen Autos dieser Marke eingeführt werden soll. Die erste Überraschung: Das aufgefrischte SUV sieht aus wie ein völlig neues Auto! Über 100 Punkte sollen „angefasst“ worden sein. Dabei haben sich die Japaner allerdings größere Eingriffe ins Blech erspart,   denn die hätten neue und damit teure Werkzeuge erfordert. Dafür hat sich unterm Blech viel getan. Doch reicht das, um im Kreis dieser beliebten Gattung vorn mitspielen zu können? Die Frage beantwortet unser Praxistest mit dem Mitsubishi Outlander 2.2 DI-D 4WD Top, der fast 40000 Euro kostet – und der einige Überraschungen parat hält.

AUSSSEN UND INNEN

Das neue Gesicht fällt in der Masse der SUV garantiert auf. Es wirkt sehr amerikanisch. Zwei große bumerangförmige Chromspangen beherrschen die Front, verleihen dem Auto Breite und Präsenz. Für Modernität sorgen die LED-Hauptscheinwerfer, über die der Outlander ab der Ausstattungslinie "Plus" verfügt. Die Seitenschweller haben – wie beim Audi Q7 – eine Metallleiste bekommen,  die für eine gestrecktere Silhouette sorgt. Und auch das Heck kommt jetzt stattlicher daher, weil die nun geteilten Rückleuchten das Auto in die Breite ziehen, und die stärker strukturierte Heckklappe auch hier optische Dynamik ins Spiel bringt.

Innen wurden Mittelkonsole und Vierspeichenlenkrad neu gestaltet. Klavierlack Akzentleisten und Chrom bringen Glanz in die Hütte. Allerdings scheinen viele Knöpfe nach wie vor wie zufällig verteilt zu sein. Ebenfalls neu ist das Navigationssystem, es reagiert nun etwas schneller, lässt sich jedoch erst nach einer gewissen Eingewöhnung auch vernünftig bedienen.

SITZEN UND LADEN

Das Gestühl, im Top-Modell serienmäßig mit  Leder bezogen,  erweist sich selbst auf längeren Touren als kommoder Unterbau, allerdings mangelt es den Vordersitzen etwas an Seitenhalt. Macht aber nichts, denn zum Kurvenräubern taugt das große SUV ohnehin nicht so richtig.

Die zweite Reihe umzuklappen, gestaltet sich als umständliche Angelegenheit. Das geht nicht, ohne vorher die fast 400 Seiten dicke Betriebsanleitung an der passenden Stelle studiert zu haben. Erst wenn alle Hebelchen richtig umlegt, die Schlösser der Sicherheitsgurte an den korrekten Positionen ablegt worden sind, lässt sich die Bank flach legen. Aber dafür ist die Ladefläche auch topfeben. Eine tolle Sache ist die Möglichkeit, beim Siebensitzer die Sitze in Reihe zwei und drei so umzulegen,  dass ein „Doppelbett“ entsteht – für die große Pause zwischendurch. Oder für eine romantische Nacht.

Doch der Outlander gibt sich auch in anderer Hinsicht als praktischer Familienfreund. Sind alle sieben Sitze aufgestellt, bleibt hinter ihnen noch immer ein Raum von etwa 36 Zentimeter Tiefe und 1,3 Meter Breite. Bleiben die hinteren Notsitze säuberlich im Boden verstaut,  wächst der Raum auf gut einen Meter Tiefe und 1,3 Meter Breite an. Ganz praktisch ist die Möglichkeit, die Rückbank um 27 Zentimeter verschieben zu können. Nutzt man den Outlander nur mit zwei aufgestellten Sitzen, lassen sich bis zu 1,9 Meter lange Gegenstände transportieren. Die Ladekante ist mit 72 Zentimetern zwar recht hoch, aber typisch für diese Autogattung. Leider hat die Hecklappe es nach wie vor nicht eilig: Bei der elektrischen Variante (Serie im Top-Modell) benötigen die E-Motoren noch immer endlos scheinende 13 Sekunden für den kompletten Schließvorgang.

Innen wurden Mittelkonsole und Vierspeichenlenkrad neu gestaltet.
Innen wurden Mittelkonsole und Vierspeichenlenkrad neu gestaltet.Foto: Rainer Ruthe

FAHREN UND TANKEN

Der mit 2,2 Liter Hubraum ungewöhnlich hubraumgroße Selbstzünder mag es gemütlich. Er ist kein Freund höherer Drehzahlen wie beispielsweise der Mazda-Diesel im CX-5. Aber die braucht man im Mitsubishi gar nicht. Die Höchstleistung liegt bereits bei niedrigen 3500 Umdrehungen pro Minute an. Bei 3000 Touren fährt der Outlander im sechsten Gang auf der Autobahn Tempo 180,   die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 km/h. Und bei Tempo 150 dreht sich die Kurbelwelle lässige 2900 Mal in der Minute. Schon knapp über Leerlaufdrehzahl zieht er los. Zwischen 1750 und 2500 Touren liegt das maximale Drehmoment von 380 Newtonmeter in einem recht schmalen Bereich an. Da heißt es früh hoch schalten, wie beim Lkw. Die Kupplung braucht etwas strammere Waden und zugleich viel Gefühl. Denn sie benötigt einen kräftigen Druck, greift jedoch sehr früh. Die Sechsgangschaltung arbeitet präzise, aber mit hörbarem Klacken und vermittelt ein etwas knorriges Schaltgefühl. Zum Glück muss die Hand nur selten zum Schalthebel greifen,  denn der ebenso durchzugsstarke wie elastische Diesel erlaubt gemütliches schaltfaules Fahren. Da sind wir schon beim Thema gemütlich. Auch der überarbeitete Outlander hat seine bauartbedingte Behäbigkeit nicht verloren. Er ist eben fürs entspannte Fahren gedacht und gemacht. Und das kann er jetzt noch besser. Nun lässt er sich mit der neuen elektromechanischen Lenkung genauer ums Eck zirkeln und so präziser dirigieren. Ein steiferer Fahrwerksquerträger, ein vergrößerter Dämpferdurchmesser an der Hinterachse sowie Federn und Stoßdämpfer mit geänderten Kennungen machen es möglich.

Er ist das ideale Familienauto der besonderen Art für lange Autobahnstrecken ohne Stress. Quasi vom Wesen her ein hoch gebockter Kombi im Abenteueranzug mit viel Platz für Kind und Kegel sowie mit hoher Fahrsicherheit dank intelligentem Allradantrieb. Der Fahrkomfort ist gut, auf schlechten Straßen verhindern allerdings die serienmäßigen 18-Zoll-Räder ein geschmeidigeres Abrollen.

Als segensreich für die Haushaltshaltskasse erweist sich die Genügsamkeit des großen Selbstzünders. Der muss immerhin einen beladen zwei Tonnen schweren Brocken bewegen. Die 5,3 Liter, die Mitsubishi angibt, sind ein frommer Wunsch. Bei Landstraßentempo waren es 6,7 Liter pro 100 Kilometer, im Schnitt der gut 2000 Kilometer Testfahrt,  inklusive einiger flotterer Autobahnstrecken, sind es am Ende schließlich 7,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer geworden. Mithin 1,9 Liter mehr als versprochen.

HÖREN UND SEHEN

Über 40 Fahrzeugbereiche haben sich laut Mitsubishi die Entwickler vorgeknöpft und geräuschoptimiert. Der Outlander bekam unter anderem Lärm isolierende Scheiben vorne und im Heck verpasst. Dazu kommen verbesserte Dichtungen und eine stärkere Motorraumverkleidung. Und das kann man hören, indem man (fast) nichts hört! Zu dieser Symphonie der Stille trägt auch die erhöhte Steifigkeit der Karosserie bei, die mit einem höheren Anteil an hochfesten Stählen erreicht wurde. Nebenbei verbessert sie natürlich auch noch das Fahrverhalten. Der Diesel birgt zwei Wesen in sich. Im Leerlauf und bei niedrigen Geschwindigkeiten in der Stadt meldet er sich schon hörbar zu Wort. Nicht nervend, aber eben als Selbstzünder erkennbar. Auf der Autobahn ist dann ab Tempo 130 so gut wie gar nichts mehr von ihm zu hören. Da benimmt er sich akustisch so wie ein kultivierter Benziner. Da überdecken die hörbaren aber nicht störenden Windgeräusche, dass er fröhlich am Leben ist. Das gilt auch für die im TOP-Modell serienmäßige Beschallungsanlage vom Spezialisten Rockford Fosgate mit 710 Watt. Die acht im Wagen verteilten Lautsprecher können sich samt im Kofferraum verstecktem 25-Zentimeter-Subwoofer genüsslich austoben – und Konzertsaal-Atmosphäre ins Auto zaubern.

Anders als die modischen Crossover ist der Outlander auch bei der Rundumsicht ein SUV vom alten Schlag – mit einer Übersichtlichkeit,  die man heutzutage nicht häufig findet. Beim rückwärtigen Einparken hilft die sehr gute serienmäßige Rückfahrkamera. Und nach vorn schlägt der Outlander eine regelrechte Lichtschneiße, denn die serienmäßigen Voll-LED-Hauptscheinwerfer zeigen, was moderne Lichttechnik kann.

WÄHLEN UND ZAHLEN

Der geneigte Kunde hat die Wahl zwischen Front- und Allradantrieb, vier Ausstattungslinien und fünf oder sieben Sitzen an Bord. Allerdings gibt es auch einige Ungereimtheiten. Die Benziner kommen grundsätzlich als Fünfsitzer. Wer die beiden hinteren Notsitze haben will, muss einen Diesel wählen. Oder anders herum. Wer einen Diesel wählt, bekommt grundsätzlich einen Siebensitzer.  Und will er die sechs Gänge nicht selbst sortieren, dann wird ihm für günstige 1800 Euro eine stufenlose CVT-Automatik offeriert. Doch, und jetzt kommt es, die gibt es ausschließlich mit Allradantrieb und Dieselmotor! Und wer das günstige Fahrerassistenzpaket (radargestützter Abstandstempomat, Auffahrwarnsystem und Spurhalteassistent) für 1400 Euro haben möchte, muss die 1800 Euro teure CVT-Automatik dazu buchen.

In puncto Ausstattung ist die von uns getestete Top-Version wirklich top: Von LED-Scheinwerfern und Navigationssystem über heizbare Ledersitze bis hin zum Glasschiebedach und zu elektrischer Heckklappe bringt sie serienmäßig extrem viele Nettigkeiten mit, die das Autoleben im Mitsubishi angenehmer und sicherer, bei der Konkurrenz aber oft um mehr als 10000 Euro teurer machen.

GUTES UND SCHLECHTES

Der Outlander lässt sich nun spürbar handlicher bewegen. Für das gnadenlose Kurvenräubern ist dieses geräumige Familien-SUV ohnehin nicht ausgelegt. Sein Revier ist vielmehr, vor allem in der von uns getesteten 150 PS starken Diesel-Version mit sieben Sitzen (ab 31.490 Euro für den Fronttriebler und ab 33490 Euro für den Allradler), das komfortable Abspulen langer Distanzen. Und das kann der Outlander nun noch besser. Er ist eben ein Reiseauto der besonderen Art.

Allerdings ist es wenig familienfreundlich, wenn wichtige Sicherheitssysteme an bestimmte Ausstattungen gebunden werden. Und wenn der Diesel-Siebensitzer mit Frontantrieb nicht in der Top-Version angeboten wird. Rainer Ruthe

 

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