Mittelklasse-Duell : Peugeot 407 HDi 170 gegen Ford Mondeo 2.0 TDCi

Ford und Peugeot bieten in der Mittelklasse Limousinen an, die sich sehen lassen können Aber wie schlagen die sich im Alltag? Wir vergleichen den Mondeo 2.0 TDCi mit dem 407 HDi 170.

Ingo Reuss
172557_0_831f68ca
Sportlich: Der Neue. Ford Mondeo. -Foto: Ford

Ford zielt mit dem neuen Mondeo in Richtung Premium-Segment: Die Mittelklasse-Limousine reift zu einem dynamischen Auto, das sportliche Fahreigenschaften und Agilität bietet. Seit Mitte Juni liefert Ford den rundum gewachsenen Mondeo gleich in drei Karosserievarianten aus. Die Stufenhecklimousine 2.0 TDCi tritt im Test gegen den Peugeot 407 HDi 170 an, der durch den starken Diesel und die umfangreiche Platinum-Ausstattung brilliert.

Der Mondeo der dritten Generation ist schon optisch ein großer Sprung nach vorn. In der Außenlänge wächst die Limousine auf 4,84 Meter. Sie hat jetzt ganz nebenbei in der Länge den 1998 eingestellten Scorpio, das damalige große Ford-Modell, eingeholt. Das Plus schlägt sich auch innen nieder, bringt vorn und hinten viel Beinfreiheit und Schulterbreite. Im Gepäckabteil lassen sich 550 Liter verstauen. Auffallend beim etwas kürzeren Peugeot 407 (Länge: 4,68 Meter) ist die große, flach geneigte Frontscheibe. Die gewölbte Dachlinie fällt hinten ab, dadurch wird der Einstieg in den auch enger geschnittenen Fond erschwert. Kleiner als beim Mondeo präsentiert sich der Kofferraum mit 407 Liter Volumen; außerdem verkraftet die Peugeot-Limousine weniger Zuladung.

Im Ford Mondeo ist die Armaturentafel übersichtlich gestaltet, Materialien und Stoffe wirken gediegen, nur an der lackierten Holzimitation der Mittelkonsole scheiden sich die Geister. Drei Bedienebenen (Touchscreen, Lenkradbereich und Drehschalter) erleichtern den Umgang. Die straff gepolsterten Sitze geben guten Seitenhalt.

Peugeot 407
Durchzugsstark: Der Peugeot 407 HDi hat 170 PS unter der Haube. -Foto: Promo


Der Fahrer findet sich schnell zurecht, was sich vom Peugeot 407 nicht unbedingt sagen lässt. Bei der Bedienung stören hier die vielen Knöpfe in der Mittelkonsole. Auf die hellen Instrumente muss sich der Fahrer erst einstellen. Optisch wirken die Kunststoffoberflächen und sonstigen Materialien aber ansprechend. Was den Fahralltag angeht: Beim 407 können die vorderen Karosserieabschlüsse besonders schlecht erkannt werden.

Die beiden Kontrahenten treten hier mit kräftigen Turbodieselmotoren an. Im Mondeo 2.0 TDCi arbeitet ein 140 PS starker Selbstzünder, noch stärker ist der 2,2-l-HDi mit Biturbo im Peugeot 407. Er leistet 170 PS und 370 Newtonmeter Drehmoment (Mondeo 2.0 TDCi: 320 Newtonmeter). Dank des kräftigen Motors fährt der 407 folglich vorne weg: Er beschleunigt schneller, zieht in der Elastizität kräftiger durch und erreicht die höhere Endgeschwindigkeit. Allerdings gönnt er sich auch den größeren Schluck aus seinem 66-Liter-Tank. Mit 7,9 Liter auf 100 Kilometer waren es im Test durchschnittlich 0,7 Liter mehr als beim Mondeo 2.0 TDCi. Daraus resultiert zusammen mit dem größeren Tankvolumen des Kölners eine größere Reichweite.

Nicht unbedeutend sind zudem die Unterschiede in der Laufkultur. Der Franzose gibt sich besonders kultiviert. Auf Gaspedaldruck legt er sich gewaltig ins Zeug und ist zudem drehfreudig. Das Sechsganggetriebe könnte sich allerdings präziser schalten lassen. Der Mondeo-Diesel fährt sich nicht so sportlich wie der 407. Zu diesem Eindruck trägt auch eine leichte Anfahrschwäche und die in hohen Touren eingeschränkte Drehfreudigkeit bei.

Auf kurvenreichen Straßen ist der Mondeo das handlichere Fahrzeug. Beides sind moderne Fronttriebler, doch im Grenzbereich neigt der Peugeot eher zum Untersteuern. Daran ändert auch die durchaus straffe Fahrwerksabstimmung des 407 nicht viel. Auf einige Unebenheiten könnte die Federung geschmeidiger reagieren. Mancher wünscht sich beim 407 einerseits eine leichtgängigere Lenkung, andererseits verhält sich das Fahrzeug bei hohen Geschwindigkeiten geradeaus sehr spurtreu. Die Ford-Lenkung empfinden einige Fahrer als zu leichtgängig, auf Fahrbahnrillen reagiert sie bisweilen unnötig nervös.

Harmonisch steckt der Mondeo Fahrbahnwellen weg, besonders dann, wenn das adaptive Fahrwerk für 965 Euro Aufpreis gewählt wird. Dabei reicht eine der drei Abstufungen aus: In der Einstellung „Normal“ passt der Kompromiss zwischen komfortabel und agil am besten.

Der Mondeo ist umfangreich ausgestattet. Bereits die Einstiegsversion umfasst das Ford-Bedienkonzept HMI und das verbesserte Protection-System IPS. Details wie Klimaanlage, Bordcomputer, ESP, Bremsassistent und aktive Kopfstützen sind ebenfalls serienmäßig. Beim beliebten Ausstattungspaket „Trend“, das fast die Hälfte der Kunden ordert, kommen unter anderem Zweizonen-Klimaautomatik, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Lederlenkrad und Nebelscheinwerfer dazu. Die Ghia-Version bietet unter anderem noch Lederbezüge und Sitzheizung. Trotzdem ist der 407 in der Platinum-Version noch edler ausgestattet. Hier finden sich sogar CD-Radio und Xenonscheinwerfer.

In der Ghia-X-Ausstattung verlangt Ford 30 400 Euro für den Mondeo 2.0 TDCi. Exakt 1300 Euro mehr werden für den etwas stärker motorisierten und im Platinum-Paket besonders üppig ausgestatteten Peugeot 407 HDi 170 fällig.

Der neue Mondeo zielt in vielen Disziplinen in Richtung Premium-Limousinen der Konkurrenz aus München, Ingolstadt und Stuttgart. Doch der Weg dahin ist nicht so einfach. Denn auch Wettbewerber wie Volkswagen positionieren ein vergleichbares Modell wie den Passat inzwischen auf einem sehr hohen Produktniveau. An dieser Entwicklung können die Kölner nicht vorbei und versuchen es nach dem Motto „Premium zu Ford-Preisen“.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben