Mittelklassewagen : Unser Reich der Mitte

E-Klasse und 5er sind die prominentesten Vertreter in einem Segment, in dem sich Importeure nach wie vor schwertun.

Heiko Haupt
Blick in die Zukunft.
Blick in die Zukunft.Foto: dpa-tmn

Ein Auto wie eine E-Klasse von Mercedes ist mehr als ein reines Fortbewegungsmittel: Es hat Symbolcharakter und steht auch dafür, dass der Besitzer es geschafft hat. Er kann sich zwar noch kein richtiges Luxusmobil leisten, hat aber die Niederungen herkömmlicher Mittelklasseautos wie eines VW Passat oder Opel Insignia verlassen. Weil solche Autos zwischen Luxus und der Mitte liegen, werden sie allgemein auch obere Mittelklasse genannt. Doch obwohl sie immer noch Statussymbole sind, hat ihre Beliebtheit in jüngster Zeit etwas gelitten. Was die Hersteller nun mit einigen Neuheiten ändern wollen.

 „In den letzten Jahren musste die obere Mittelklasse Federn lassen“, bestätigt der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Das liege zum einen daran, dass neue Karosserieformen wie die SUV den klassischen Limousinen Konkurrenz gemacht haben. Auf der anderen Seite hat im Zuge der Abwrackprämie vermutlich auch mancher den einige Jahre alten Benz behalten, und lieber als Zweitwagen für die Familie einen neuen Kleinwagen angeschafft.

 Insgesamt hat die obere Mittelklasse in Deutschland laut Dudenhöffer meist einen Marktanteil von etwa fünf Prozent. Die tatsächlichen Zahlen zeigen die nachlassende Beliebtheit allerdings recht deutlich: Im Jahr 2006 waren es noch 200 709 Neuzulassungen, 2008 dann nur noch 160 746, und 2009 war mit 141 402 der bisherige Tiefpunkt erreicht.

 In diesem Jahr werden die Zahlen nach aktuellen Prognosen aber wieder steigen – auf rund 160 000. Grund dafür sind vor allem zwei Neuerscheinungen. Da ist zum einen die schon seit einer Weile erhältliche, aber immer noch recht junge, neue Generation der E-Klasse, die für einige Nachfrage sorgt. Außerdem ist gerade erst im März der neue 5er von BMW zu den Händlern gekommen. Nach der Limousine wird vermutlich im September außerdem die traditionell Touring genannte Kombi-Version folgen. Für den Erhalt der Nachfrage im kommenden Jahr dürfte dann Audi sorgen: 2011 wird die nächste Generation des A6 erwartet.

  Ohnehin ist die obere Mittelklasse in Deutschland in erster Linie eine Sache der deutschen Hersteller. Bei den klassischen Limousinen liegt ihr Marktanteil bei etwa 85 Prozent in diesem Segment, so Dudenhöffer. Nimmt man noch die modernen Varianten in Form der Limousinen mit coupéhafter Dachlinie hinzu, dann sind es sogar 93 Prozent. Diese Modelle haben sich mittlerweile etabliert, so dass auch hier Neuheiten zu erwarten sind.

 Als Vorreiter dieser viertürigen Coupés gilt der Mercedes CLS. Dessen gleichnamiger Nachfolger wird wohl 2011 etwas vergrößert erscheinen. Schon für Ende 2010 wird der Audi A7 erwartet – der soll nach offizieller Aussage die Lücke zwischen A6 und A8 schließen, gliedert sich aber vom Design her vor allem in die Gruppe der Fahrzeuge nach Vorbild des CLS ein.

 Die Importeure spielen in der oberen Mittelklasse auch weiterhin nur eine Nebenrolle. Das bedeutet allerdings nicht, dass von ihnen nichts Neues zu erwarten ist. Allerdings steht hinter mancher Neuheit noch das eine oder andere Fragezeichen. Das gilt vor allem für die Marke Saab, deren Zukunft nach Meinung einiger Experten mittlerweile gesichert ist – während andere einen Fortbestand trotz neuer Investoren nicht für sehr wahrscheinlich halten.

 Ein neues Fahrzeug für die Kunden der oberen Mittelklasse steht bei Saab aber bereit: Die zweite Generation des Saab 9-5 ist fix und fertig entwickelt und soll nun zu den Händlern kommen. Rein technisch basiert der 9-5 auf einer verlängerten Plattform des Insignia von Opel. Er ist gut fünf Meter lang. Auch in Frankreich wurde immer wieder versucht, ernsthafte Konkurrenten für die obere Mittelklasse zu etablieren. Allerdings mit kaum nennenswertem Erfolg. In absehbarer Zeit will zumindest Peugeot noch einmal durchstarten. Auf dem Genfer Automobilsalon im März wurde daher die Studie „5 by Peugeot“ präsentiert. Die gilt als Ausblick auf ein künftiges Top-Modell der Marke. Das wiederum dürfte aber nicht nur den bisherigen 607 ablösen, mit der wahrscheinlichen Bezeichnung 508 gilt die Serienversion gleichzeitig als Nachfolger des kleineren Mittelklassemodells 407. Wenn es mit der knapp fünf Meter langen Limousine also in der oberen Mittelklasse nicht klappt, dann ja vielleicht zumindest in der „normalen“ Mittelklasse.

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