Mobilitätsprojekt "Carzapp" : Teilen und schützen

Ein Berliner Startup hat eine neue Plattform für privates Carsharing entwickelt. Damit kann der private Pkw nicht nur geteilt, sondern auch vor Diebstahl geschützt werden.

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Ausgezeichnet. Das Team von Carzapp, rechts die beiden Gründer Lünstedt und Sachdeva. Am Donnerstag bekamen sie einen Preis von „Deutschland - Ein Land der Ideen“.
Ausgezeichnet. Das Team von Carzapp, rechts die beiden Gründer Lünstedt und Sachdeva. Am Donnerstag bekamen sie einen Preis von...Foto: promo

Warum müssen für Carsharing immer neue Autos auf die Straße gestellt werden? Diese Frage stellte sich Oliver Lünstedt während er vor zwei Jahren seine Diplomarbeit über das Thema Elektromobilität schrieb. "Warum vernetzt man nicht die Fahrzeuge, die schon auf der Straße stehen", fragte sich Lünstedt. So entstand die Idee für Carzapp, einer Plattform für privates Carsharing.

Damit er seinen Plan in die Tat umsetzen konnte, brauchte der Wirtschaftsingenieur allerdings technische Hilfe. Zurück in Berlin, studiert hat er in Karlsruhe, machte sich Lünstedt auf die Suche nach einem IT-Experten. Fündig wurde er in Sahil Sachdeva an der TU Berlin. Der gebürtige Inder, der Elektrotechnik und technische Informatik studiert hat, steuerte sein umfangreiches Wissen bei und so starteten die beiden Gründer im Sommer 2012 ihr Unternehmen.

Zappkit: Diebstahlschutz und Ortungshilfe

Die Idee von Carzapp ist vielleicht nicht neu, die technische Umsetzung allerdings schon. Gemeinsam entwickelten sie das Zappkit. "Wir haben überlegt, wie wir die Fahrzeugübergabe so einfach machen können, wie bei Car2go oder Drivenow", sagt Lünstedt. Dazu haben sie eine Box entwickelt, die es ermöglicht, ein Auto über ein Smartphone per GPS zu orten, zu öffnen und gegen Diebstahl zu sichern. Sogar ein Beschleunigungssensor hat das Zappkit, das bei jedem Fahrzeug mit Zentralverriegelung eingebaut werden kann. "Nur älter als 20 Jahre dürfen die zu vermietenden Fahrzeuge nicht sein", sagt der Gründer. "Sonst macht die Versicherung nicht mit."

Grundsätzlich sind die Autos während der Fahrt vollkaskoversichert. Auch gegen Diebstahl schützt die Box, die nur von ausgewählten Werkstätten montiert wird. "Wir haben Kunden, die unsere Technik ausschließlich als Diebstahlschutz nutzen", sagt Lünstedt. Auch in dem Fall ist Carzapp kein schlechtes Angebot. Einmalig 199 Euro kostet der Einbau und monatlich fällt eine Servicegebühr von 19 Euro an. Dafür ist das Fahrzeug mit GPS zu orten und bei einem Einbruchsversuch wird ein stiller Alarm an die Servicezentrale von Carzapp gesendet. Bei Kunden, die ihr Auto vermieten möchten, werden die Gebühren verrechnet. Der Anbieter kann über die Service-Plattform im Internet die Mietgebühren und die Zeiten festlegen, an denen das eigene Auto anderen zur Verfügung steht.

"100 000 Fahrzeuge bis 2020 vernetzt"

Der Wettbewerb unter den Anbietern soll langfristig die Preise drücken. Die Mieter finden die Autos über eine Smartphone-App und schalten sie auch damit frei. Beide Seiten werden nach jedem Mietvorgang bewertet. So sollen gute Anbieter und gute Mieter bevorzugt und schlechte gebrandmarkt werden. Wer sich dauerhaft daneben benimmt, der wird von Carzapp ausgeschlossen. Das Unternehmen behält neben der monatlichen Servicepauschale von den Mieteinnahmen 30 Prozent als Provision, der Rest geht an den Vermieter.

Die beiden Firmengründer Sachdeva und Lünstedt wurden in dieser Woche als Preisträger von der Initiative "Deutschland - Ein Land der Ideen“ gekürt. Damit ist die große Zielmarke von Lünstedt ein Stück näher gerückt sein. "Bis 2020 wollen wir deutschlandweit 100 000 Fahrzeuge vernetzt haben. Das würde eine Million Pkw ersetzen", träumt der Gründer. Für unsere Städte wäre dieser Erfolg ein Segen.

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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

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