90 Jahre BMW Motorrad : "Ein hochemotionales Produkt"

Seit 90 Jahren baut BMW Motorräder, seit mehr als 40 Jahren in Berlin Spandau. Zum Festakt warf man bei BMW einen Blick zurück und auf das neue Geburtstagsmodell R Nine T.

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Motorrad-Produktion im BMW-Werk in Spandau. Seit mehr als 40 Jahren werden hier Zweiräder gebaut. Foto: Promo
Motorrad-Produktion im BMW-Werk in Spandau. Seit mehr als 40 Jahren werden hier Zweiräder gebaut.Foto: Promo

Ein interessierter Autofahrer kann sich einem Motorrad annähern, seine komplexe Technik oder das Design auf zwei Rädern begutachten. Die Leidenschaft für Zweiräder aber ist individuell und nur spürbar, wenn man selbst fährt. "Motorrad ist ein hochemotionales Hobbyprodukt", sagte BMW-Motorradvorstand Stephan Schaller bei der Präsentation der neuen R nineT in München. "Damit kann man Schräglagen-Adrenalin bekommen oder auch begeistert Alpenpässe fahren." Diese "Passion" treibe den Konzern seit 90 Jahren an, sagte Schaller beim Festakt "90 Jahre BMW Motorrad" im BMW-Museum in der bayerischen Landeshauptstadt.

Am 28. September 1923 präsentierte BMW auf der Automobilausstellung in Berlin das erste eigene Motorrad, die von Max Friz konstruierte R 32. Die Zeitschrift "Motorwagen" schrieb damals über das Gesamtkonzept mit Boxermotor, Wellenantrieb und Doppelschleifenrohrrahmen vom "Höhepunkt der gesamten Ausstellung." 50 Motorräder von dem Typ gibt es noch weltweit. Peter Nettesheim, ein amerikanischer Sammler mit einer der größten Sammlungen historischer BMW-Motorräder, hat die älteste noch bekannte R 32 mit der Nummer "22", die zurzeit im BMW-Museum ausgestellt ist. Nettesheim ist ein echter Motorradfreak. In seinem privaten Museum auf Long Island hat er lückenlos alle Modelle von 1923 bis 1973 ausgestellt. „Und ab 1973 habe ich die wichtigsten Modelle“, sagte Nettesheim. Und es steht für ihn außer Frage, dass auch die Weltneuheit, die BMW R nineT, einen "guten Platz in meinem Museum bekommt."

Motorradproduktion seit 1969

Nach dem Zweiten Weltkrieg startete BMW die Produktion wieder mit der R 24 in München. Aus Berlin wurden damals Teile geliefert. In den fünfziger Jahren brach das Motorradgeschäft wegen der größer werdenden Pkw-Produktion europaweit ein. 1969 wurde die Motorradproduktion komplett nach Berlin verlagert. Die Krise war durch einen Imagewandel Ende der 60er Jahre überwunden: Das Motorrad wurde nicht zuletzt durch den Kult-Film „Easy Rider“ zum Freizeitgerät. Und die BMW-Modelle, die bis 1969 nur schwarz mit etwas weiß auf dem Markt waren, wurden mit der Produktionsverlagerung nach Berlin "bunt", wie Schaller sagte.

Ende der siebziger Jahre startete BMW mit der R 80 G/S im Segment der großen Reiseenduros. Es folgte in den achtziger Jahren die K 100-Baureihe: Vierzylinder mit elektronischem Motormanagement und Benzineinspritzung. 1988 präsentierte BMW mit der K 1 das weltweit erste Motorrad-ABS. Die Boxermotoren wurden modernisiert. 1993 präsentierte BMW die F 650, die erste BMW mit Kettenantrieb. 2005 stellte der Konzern die beiden neuen Reihenzweizylinder-Modelle F 800 S und F 800 ST vor. Und dann wagte sich BMW erstmals auf sehr schnelles Terrain. Mit dem Supersportler S 1000 RR ging der Konzern in harten Wettbewerb mit der Konkurrenz aus Japan und Italien. Nur ein Jahr nach Markteinführung schaffte es BMW mit der S 1000 RR weltweit auf Platz zwei.

Ausbau des Werkes 2011

2010 kamen die Tourenmodelle K 1600 GT und K 1600 GTL, beides mehr als 300 Kilogramm schwere Sechszylinder, auf den Markt. Und ein Jahr später kamen die ersten Maxi-Scooter C 600 Sport und 650 GT nach technischen Anfangsproblemen zu den Händlern. Und im kommenden Frühjahr ist die Markteinführung der R nineT geplant.

Zum Geburtstag ein Motorrad: Die neue BMW R NineT. Foto: Hersteller
Zum Geburtstag ein Motorrad: Die neue BMW R NineT.Foto: Hersteller

Als im Mai 2011 das zweimillionste Motorrad im Spandauer Werk vom Band lief, lobte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) während eines Festaktes das "Bekenntnis von BMW zum Standort Berlin". Es beweise, „welche Qualität hier geleistet wird“. Rund 2,8 Millionen Motorräder sind in der 44-jährigen Geschichte des Spandauer Werks gefertigt worden. Schraubten 1969 noch 400 Mitarbeiter pro Tag 30 Motorräder zusammen, sind heute in dem Werk 1900 Mitarbeiter beschäftigt; im Motorradbereich sind es rund 1600 Mitarbeiter. In Spitzenzeiten rollen täglich bis zu 600 Maschinen aus den Hallen, pro Jahr sind es rund 108 000 Motorräder. Rund 280 Sonderausstattungen können Kunden bei den Modellen auswählen. "Bis zu neun Tagen vor Auslieferung können wir noch auf individuelle Wünsche eingehen", sagte Marc Sielemann, seit 2012 Leiter Produktion von BMW Berlin. Aber auch die BMW-Automobilproduktion baut auf Komponenten aus Berlin: 2012 wurden in Spandau rund 5,7 Millionen Bremsscheiben für alle Serien-Pkw gefertigt.

Wachstum im Berliner Werk

BMW setzt weiterhin auf das Werk in Spandau. Der Konzern hatte in den vergangenen zehn Jahren rund 300 Millionen Euro in den Standort investiert. 2011 wurde mit sieben Millionen Euro eine Produktionshalle umgebaut. "Das Werk Berlin bleibt Produktionsstätte für alle BMW-Motorräder. Ein Indiz dafür ist der Flächenzukauf", sagte Werksleiter Sielemann dem Tagesspiegel. Im November 2012 kaufte BMW 39 000 Quadratmeter Fläche dazu. Vermutlich wird auf dem Areal die Logistik ausgeweitet. Die gesamte Grundstücksfläche beträgt rund 217 000 Quadratmeter. "Berlin werden wir immer brauchen. Und wir wachsen in Berlin", bekräftigte auch BMW-Motorradvorstand Schaller. Die BMW Group unterhält derzeit 29 Produktionsstätten in 14 Ländern. Mehr als 200 Millionen Euro investiert der Konzern in den Aufbau eines neuen Werkes in Brasilien. Dort werden seit 2010 am Standort Manaus Motorräder vornehmlich für den südamerikanischen und amerikanischen Markt produziert. Ein weiteres Werk soll nach Tagesspiegel-Informationen 2014 in Thailand eröffnet werden.

BMW hat im Motorradmarkt deutschlandweit im Segment über 500 Kubik einschließlich Scooter einen Marktanteil von 25,3 Prozent, bei den Maschinen über 750 Kubik einen Anteil von rund 32 Prozent. Weltweit hält BMW mit der Motorradsparte einen Anteil von 12,2 Prozent. Der neue Elektroroller C Evolution, der auf der IAA 2013 vorgestellt wurde, soll im Mai 2014 in Serie gehen. "Wir setzen auf urbane Mobilität, aber auch auf neue Segmente", sagte Schaller. Der Konzern wolle in Asien, Nord- und Südamerika expandieren und "in China dabei sein, wenn der Motorradmarkt dort anspringt."

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