Beteiligung bei MV Agusta : Daimler steigt aufs Zweirad

Audi hat es mit Ducati vorgemacht, Daimler zieht wohl nach: Der Autobauer wird sich wahrscheinlich an dem italienischen Motorradbauer MV Agusta beteiligen. Es könnte um künftige Hybridfahrzeuge gehen. Aber wahrscheinlich auch um verletzten Stolz.

"Brutale": MV Agusta gilt als einer der radikalsten Hersteller von sportlichen Motorräder. Aber die Innovationskraft der Motorradschmiede aus Varese in Norditalien ist ebenfalls unbestritten.
"Brutale": MV Agusta gilt als einer der radikalsten Hersteller von sportlichen Motorräder. Aber die Innovationskraft der...Foto: dpa

Daimler steht einem Insider zufolge kurz vor dem Einstieg beim traditionellen italienischen Motorradbauer MV Agusta. Die Gespräche über den Kauf eines Anteils von 20 bis 25 Prozent seien weit fortgeschritten, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete unter Berufung auf Mailänder Finanzkreise, der Abschluss einer Vereinbarung sei zu 90 Prozent sicher. Die Einigung mit dem Rennstallbesitzer, der Modelle wie "Brutale" oder "Rivale" verkauft, sei Ende kommender Woche zu erwarten. Die Stuttgarter sollen dafür mindestens 30 Millionen Euro bezahlen.

Ein Daimler-Sprecher erklärte, das Unternehmen wolle sich zu Spekulationen nicht äußern. Auch MV Agusta lehnte eine Stellungnahme ab. Die Diskussion drehe sich noch um Synergieeffekte und um Fragen des Marketing, sagte der Insider weiter. MV Agusta sei an einem Partner aus der Industrie gelegen, der die Expansion des Unternehmens im Ausland unterstützen könne. Bei Daimler ist es nach Ansicht von Analysten vor allem die Liebe zum Motorsport, die den Vorstand des in der Formel 1 aktiven Autokonzerns für die Zweiräder mit feuerroter Verkleidung begeistert. Zudem könnte die Übernahme der italienischen Motorradschmiede Ducati durch die Volkswagen-Tochter Audi vor zwei Jahren Mercedes angestachelt haben, denn die Sportwagentochter AMG hatte bis dahin mit Ducati kooperiert.

Spielerei oder Strategie?

"Nachdem Audi sich Ducati geschnappt hat, scheint Daimler nicht nachstehen zu wollen. Daher holt man sich womöglich ebenfalls eine Motorrad-Marke ins Portfolio“, sagte Christian Ludwig, Analyst vom Bankhaus Lampe. Doch habe dies wohl keinen strategischen oder technologischen Hintergrund, sondern sei eher Spielerei. Know-how könnte Agusta mit seinen Drei-Zylinder-Motoren zur Antriebstechnik für Elektroautos oder Hybridmotoren beisteuern, sagte ein anderer Analyst, der nicht namentlich genannt werden wollte. Wegen der schärferen Klimaschutz-Vorschriften für die Pkw-Hersteller in der Europäischen Union wird mit Hochdruck an sparsamen Motoren gearbeitet. Daimler will bis 2017 zehn neue Hybridfahrzeuge, die mit der Kombination von Verbrennungs- und Elektromotor fahren, auf den Markt bringen. "Aber ich halte das auch für Spielerei - wichtiger ist, ob Daimler seine Kosten nachhaltig senken kann", sagte er mit Blick auf die Geschäftszahlen zum dritten Quartal, die am Donnerstag bekannt gegeben werden. Erste Spartenergebnisse hatte Daimler bereits vergangene Woche veröffentlicht.

Agusta war 1945 aus dem von Giovanni Agusta gegründeten Flugzeugbauer hervorgegangen, der während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt worden war. Seit 1992 gehört das Unternehmen der Familie Castiglioni. Firmenchef Giovanni Castiglioni hatte im Sommer 2013 erklärt, einen Börsengang ins Auge zu fassen. Das werde auch noch immer für 2016 angestrebt, erfuhr Reuters weiter. Der Einstieg von Daimler würde daran nichts ändern. (rts)

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