Elektro-Roller Unu im Test : Reizvoller Roller

Teuer, aufwändig, unpraktisch? Der Elektro-Roller Unu will mit Vorurteilen aufräumen - und zeigen, dass E-Mobility auch bezahlbar sein kann. Im Test kann der Münchener punkten - auch wenn etwas zu konsequent gespart wurde.

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Klassiker als Vorbild: Der Unu hat unverhohlen Ähnlichkeiten mit einer Vespa.
Klassiker als Vorbild: Der Unu hat unverhohlen Ähnlichkeiten mit einer Vespa.Foto: promo

Da steht er, frech, bunt und farbenfroh. Unu heißt der Elektro-Roller, der unverhohlen Ähnlichkeiten mit einer Vespa hat und nicht nur den deutschen Markt aufmischen will. Elias Atahi und Pascal Blum, zwei Studenten aus München, wollen mit ihrem Elektro-Roller den Stadtverkehr revolutionieren. Die Idee: Im Rahmen eines schlanken aufgestellten Startups Elektromobilität bezahlbar zu machen.

Neu ist die Idee des Rollers nicht. Aber die beiden 25-Jährigen fanden die derzeit auf dem Markt erhältlichen E-Roller zu teuer und zu hässlich. Und bezahlbar ist er tatsächlich, der Unu. Schon für 1699 Euro ist der Unu zu haben. In seiner schwächsten Variante freilich, da hat er einen Antrieb mit 1000 Watt. Für die 2000-Watt-Variante werden 2199 Euro fällig und mit 3000 Watt kostet er 2799 Euro. Damit  ist er tatsächlich ein Preisbrecher auf dem Markt. Der Unu ist so immerhin günstiger als viele E-Bikes und das Gros der Konkurrenz.

Bosch und Panasonic mit an Bord

Gute Gründe, mit dem Unu mal ein paar Runden mit dem Hipstergefährt zu drehen. Schlagzeilen haben Atahi und Blum bereits einige produziert. Selbst die BBC war schon da und im Internet ist der Roller Kult. Das lockt auch Investoren. Ein Geldgeber vom Silicon Valley unterstützt die beiden, Branchengrößen wie Bosch und Panasonic sind an Bord und selbst die EU und der Freistaat Bayern bezuschussen das Projekt. Auf uns wartet der Unu wartet frisch geladen und startklar vor der Tür. Strom getankt wurde oben in der Wohnung an der normalen Haushaltssteckdose. Hier zeigt sich einer der großen Vorteile des Vespaverschnitts. Unter der Sitzbank sitzt eine Batterie mit einem Gewicht von acht Kilogramm, die einfach abgestöpselt und mitgenommen werden kann.

Bei Bedarf finden auch zwei solche Akkus hier Platz und erhöhen die theoretische Reichweite von 50 auf bis zu 100 Kilometer. Mit dem Tragegurt lassen sich die Packs im gebürstetem Aluminium ganz gut transportieren. Einer bleibt meist im Roller, der andere kann über Nacht oder während der Arbeit geladen werden. Ohnehin ist nicht vorgesehen, dass beide Batterien gleichzeitig zur Verfügung stehen. Das Kabel, das den gespeicherten Strom zum Elektromotor an der Hinterachse transportiert muss umgesteckt werden, wenn Akku Nummer eins der Saft ausgeht.

Ein wenig zu viel gespart

Für die City und die meisten innerstädtischen Pendlerstrecken dürfte eine Batterie ohnehin ausreichen. 50 Kilometer beträgt die Reichweite mit einem Energiepack. Das reicht für die meisten Tage aus. Weniger ausreichend ist der Platz. Die Sitzbank ist breit und bequem, das macht schon mal einen guten Eindruck. Allerdings ist der Unu von seinen Abmessungen (1,70 Meter Länge, 1,03 Meter hoch) her eher für Menschen mit Normmaß gedacht. Für einen 1,90 Meter großen Fahrer ist der Abstand zwischen Sitzbank und Lenkrad gerade so noch im grünen Bereich.

Gestartet wird der Unu über einen Dreh am Schlüssel und es bleiben, wie üblich bei Elektrofahrzeugen, jegliche akustische Lebenszeichen aus. Allerdings hat der Unu auch keinerlei LED oder ähnliche Dinge, die bezeugen würden, dass es Leben gibt in diesem Roller. Das ist vielleicht dann doch ein bisschen viel gespart. Die Anordnung der Schalter und des Beschleunigungsgriffs auf der rechten Seite orientiert sich an den gängigen Standards der Zweiradbranche. Das vereinfacht sicherlich die Bedienung, zumindest für Kunden, die bereits Erfahrung mit motorisierten Zweirädern haben.

Hipstergefährt: Im Internet ist der Unu schon Kult.
Hipstergefährt: Im Internet ist der Unu schon Kult.Foto: promo

Der Unu rollt flott an - zu Beginn

Rechts am Griff gedreht und der Unu surrt los. Das Fahrgeräusch ist bei diesem Roller so gut wie nicht vernehmbar. Es verwundert kaum, dass auf EU-Ebene früher oder später wohl eine Vorschrift für Geräusche von Elektrofahrzeugen erlassen wird. Man stelle sich tausende Unus auf unseren Straßen vor, die völlig geräuschlos vor sich hinsurren. Dazu noch die von der Bundesregierung erwünschte Million Elektroautos. Das Leben als Fußgänger wäre ein sehr gefährliches und die Evolution kann den Menschen dann doch nicht so schnell umprogrammieren.

Unser Unu hat die mittlere Motorvariante verbaut, die 2000 Watt auf die Hinterachse bringt. Drehmoment  liegt natürlich wie bei allen E-Motoren von der ersten Umdrehung voll an. Belastet mit dem Gewicht eben des 1,90-Menschen rollt der Unu zwar flott an, aber jenseits der 30 Stundenkilometer wird es zäh. Auf 45 km/h Spitze ist der Roller ausgelegt und die erreicht er im flachen Berlin auch recht zuverlässig. Am Mehringdamm werden es dann eher 35 km/h bergauf und Richtung Mitte rollt er auch mal knapp über 50. Auf stark befahrenen Straßen wünscht man sich doch manchmal etwas mehr Power, aber das Grundprinzip dieses E-Rollers ist eben in der Führerscheinklasse B (Pkw) oder A1 (Zweiräder bis 11 kW) zu bleiben. Bei der Versicherung ein Kennzeichen geholt und es kann losgehen. Wird der Unu bestellt, der Vertrieb erfolgt ausschließlich über Internet, dann steht der Roller auch in sechs bis acht Wochen mit Kennzeichen vor der Tür.

Die Energiekosten sind reizvoll

Das ist wohl auch eines der stärksten Argumente für den Unu neben dem Preis. Nach 14 Tagen Probefahrten, vor allem auf dem Weg ins Büro und wieder zurück lässt sich dem Unu seine Alltagstauglichkeit nur bestätigen. Neben den knappen Abmessungen, die für kleinere Menschen kaum ein Problem sein werden gibt es noch einen Haken. Das Netzteil, mit dem der Akku eben auch mal im Büro geladen werden kann (fünf bis sechs Stunden bis zur vollen Ladung) ohne Diskussionen mit dem Chef über den Stromverbrauch führen zu müssen, ist ausgesprochen unhandlich und es ist laut.

Liegt es nebst zu ladendem Akku-Pack im Büro, dann nervt der Transformator mit konsequentem Lüftergeräusch unablässig. Da sollten die Gründer sich doch mal nach einem neuen Lieferanten umsehen. Zwei Jahre Garantie bekommt der Unu mit auf den Weg. Die umschließt auch die 29-Ah-Batterie, für die eine Lebensleistung von mehr als 50000 Kilometer angegeben wird. Dann soll sie noch 70 Prozent der ursprünglichen Kapazität speichern können. Die Energiekosten werden mit 70 Cent pro 100 Kilometer angegeben. Das ist reizvoll. Gebremst wird der Unu vorne durch Scheibenbremsen und hinten mit einer Trommel. Maximal 150 Kilogramm darf der Roller schultern.

Nachdem Elias Atahi und Pascal Blum in den ersten beiden Jahren für ihr Projekt viel Opfer bringen mussten, neben chronischem Geldmangel auch jede Menge Arbeit, scheint ihnen jetzt der Durchbruch zu gelingen. Die Gründer wollen im kommenden Jahr ins benachbarte Ausland expandieren, eventuell sogar in die USA. Produziert wird nur auf Anfrage und der Vertrieb findet ausschließlich im Internet statt. Probefahren geht dennoch. In München, Frankfurt, Köln und auch in Berlin werden Testfahrten über Modeläden abgewickelt. Nach den Schlagzeilen der letzten Wochen dürfte dort durchaus Betrieb sein.

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