Fahrbericht: Der BMW Maxiscooter C Evolution im Test : Aufgeladen für die Straße

Der erste seiner Art: Der BMW Maxiscooter ist der einzige im Premiumsegment mit Elektroantrieb - funktioniert das? Im Test überrascht das Fahrgefühl - und ein spezielles Feature.

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Komfortabel: Schalten und Kuppeln entfällt natürlich, und das erhöht den Fahrspaß.
Komfortabel: Schalten und Kuppeln entfällt natürlich, und das erhöht den Fahrspaß.Foto: Promo

„Krass das Teil, total irre.“ Das war der Kommentar eines ebenfalls motorradfahrenden Kollegen, nachdem er eine Runde mit dem Elektroroller C Evolution gefahren war. Im Mai hat BMW den ersten elektrisch angetriebenen Maxiscooter im Premiumsegment vorgestellt. Aber wie fährt sich das „Teil“ im Berliner Stadtverkehr?
Fußgänger reagieren in der Regel erschreckt auf den geräuschlosen E-Roller, ob in der belebten Kreuzberger Bergmannstraße oder in der Schmargendorfer Caspar-Theyß-Straße. Wenn Fußgänger nichts hören, laufen viele ohne zuvor zu schauen auf die Straße. Da nützt auch kein verärgertes Kopfschütteln oder Fluchen unterm Helm, wie das Motorradfahrer bei unachtsamen Fußgängern gerne mal machen.

Der Scooter fällt nicht nur durch seine Geräuschlosigkeit auf. Fast jeder Autofahrer beäugt den Roller an der Ampel. Denn die Farbkombination von Weiß und „Electric green“ sticht einfach ins Auge. Und dann kommt der Antrieb. Das maximale Drehmoment beträgt 72 Newtonmeter, das über den gesamten Drehzahlbereich bis 4500/min zur Verfügung steht. Der Maxiscooter erreicht eine Leistung von 11 kW (15 PS) und eine Spitzenleistung von 35 kW (47,5 PS). Damit lässt sich ordentlich fahren. Es macht Spaß, verdutzte Porschefahrer beim Ampelstart zu ärgern. Denn der C Evolution spurtet in nur 2,7 Sekunden von 0 auf 50 km/h, in 6,2 Sekunden auf 100 km/h. Auch manch anderes motorisiertes Zweirad kommt da nicht mit.

Reine Fahrstrecke, Restladung, Leistungsspitze und verbrauchte Gesamtleistung - das Display zieht immer wieder den Blick an.
Reine Fahrstrecke, Restladung, Leistungsspitze und verbrauchte Gesamtleistung - das Display zieht immer wieder den Blick an.Foto: Markus Mechnich

100 Prozent Aufladung für 100 Kilometer Reichweite

Der C Evolution bringt in der Stadt Fahrspaß. Der 265 Kilogramm schwere Roller fühlt sich bei der Fahrt leichter an, als er in Wirklichkeit ist. Im Vergleich selbst zu einigen Motorrädern ist das ein strammes Gewicht. Schalten und Kuppeln entfällt natürlich und das erhöht den Fahrspaß. Und ein besonderes Feature gefällt ungemein: eine graue Taste mit der Aufschrift R am Lenker. Wird diese Taste länger gedrückt und am Gas-, Verzeihung, Stromgriff gedreht, fährt der Evolution im Schritttempo rückwärts. Das hilft beim Rangieren aus oder in eine Parklücke.

Aber: Der Blick fällt regelmäßig auf das digitale Cockpit, deutlich öfter als beim „normalen“ Motorradfahren. Dort ist die Anzeige der reinen Fahrstrecke, die Restladung, die Leistungsspitzen und die verbrauchte Gesamtleistung zu sehen. 100 Prozent Aufladung ergeben 100 Kilometer Reichweite, steht in der Anzeige. Und das heißt rechnen: gute acht Kilometer von zuhause bis zur Arbeitsstelle, retour 16. Einmal die Avus fahren sind rund neun Kilometer, in die City West zurück, kommt man auf 18 Kilometer. Bei einem Ausflug ins Umland sind schnell 40 Kilometer zusammen. Die Spitzengeschwindigkeit erreicht der Scooter auf der Autobahn laut Tachoanzeige bei 127 km/h.

Fahrspaß: Der 265 Kilogramm schwere Roller fühlt sich bei der Fahrt leichter an, als er in Wirklichkeit ist.
Fahrspaß: Der 265 Kilogramm schwere Roller fühlt sich bei der Fahrt leichter an, als er in Wirklichkeit ist.Foto: Markus Mechnich

Der "Eco Pro"-Modus macht keinen Spaß

Auf der Rückfahrt schielt man unweigerlich auf die Energiereserven. Noch 47 Kilometer Restreichweite. Die vier Fahrmodi werden durchgeschaltet. Rekuperation, also die Rückgewinnung von Energie ist angesagt. Der C Evolution lässt zwischen den Modi Sail, Eco Pro, Dynamic oder Road wählen. Im Modus Sail wird nicht rekuperiert, der Evolution rollt ohne Bremswirkung. Im Fahrmodus Dynamic ist die volle Beschleunigung an starke Rekuperation gekoppelt und im „Eco Pro“-Modus sind Beschleunigung und Energieentnahme begrenzt.

Dieser Modus macht im Stadtverkehr keinen Spaß. Wer es darauf anlegt, den Speicher leerzufahren, wird im gut lesbaren Farbdisplay stufenweise gewarnt: Sinkt der Akku-Stand auf 20 Prozent, leuchtet eine gelbe Warnlampe. Bei 15 Prozent wechselt die Farbe der Akku-Anzeige von Grün auf Gelb, wird dann irgendwann orange und endet als rot blinkender Punkt.Auf die Anzeige ist Verlass. Wenn eine Restreichweite von fünf Kilometern angezeigt wird, sind auch noch fünf Kilometer drin.

Pfriemelige Angelegenheit: Das Ladegerät ist in einem Staufach rechts unterhalb des Cockpits verstaut.
Pfriemelige Angelegenheit: Das Ladegerät ist in einem Staufach rechts unterhalb des Cockpits verstaut.Foto: Markus Mechnich

Unschlagbar praktisch

Nach eineinhalb Stunden Laden war die Batterie wieder zu 60 Prozent gefüllt, nach fast vier Stunden völlig aufgeladen. Die Batterie wird über das integrierte Ladegerät entweder an einer normalen Haushaltssteckdose oder an einer Ladesäule geladen. Das Ladegerät ist in einem Staufach rechts unterhalb des Cockpits verstaut. Das ist gar nicht so einfach, denn der Platz ist begrenzt. Eine pfriemelige Angelegenheit. Und liegt das Gerät im Stauraum unterm Soziussitz, passt kein Helm mehr hinein.

Im Stadtverkehr ist der E-Scooter unschlagbar praktisch. Mit einer Nennleistung von nur 11 kW darf der Roller mit der alten Pkw-Führerscheinklasse 3, sofern vor dem 1. April 1980 erworben, gefahren werden – und mit der neuen Klasse A1. Allerdings dürfte der Preis von 15 000 Euro für Führerscheinneulinge eine hohe Hürde sein.

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