Navigationsgeräte für Motorradfahrer : Spezialisten besser und sicherer als Smartphone

Für eine gelungene Motorradtour braucht es vor allem eins: eine schöne Strecke. Moderne Navigationsgeräte, die speziell auf die Bedürfnisse von Bikern zugeschnitten sind, helfen dabei, kurvige und landschaftlich reizvolle Straßen zu finden.

Fabian Hoberg
Lotse mit Kurvengarantie: Navis für Biker wie dieses von TomTom nutzen spezielles Kartenmaterial und andere Software.
Lotse mit Kurvengarantie: Navis für Biker wie dieses von TomTom nutzen spezielles Kartenmaterial und andere Software.Foto: dpa

Die Stimme im Ohr rät freundlich, aber bestimmt zum Abbiegen. Hinauf ins Gebirge, auf eine schöne Strecke mit vielen Kurven und Serpentinen. Gerade bei Motorradfahrern ist der Weg oft das Ziel, und dabei kann die verknitterte Straßenkarte unter Umständen im Tankrucksack versteckt bleiben. Spezielle Navis für Motorräder machen es möglich.

„Der Markt an Navigationsgeräten für Motorräder ist überschaubar“, sagt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Neben Marken wie Garmin und Tomtom bieten auch Blaupunkt und Becker Navis an, die auf die Bedürfnisse von Motorradfahrern zugeschnitten sind. „Navigationsgeräte sollten zwar vor allem zuverlässig navigieren, aber auch einfach zu bedienen sein - und zwar mit Handschuhen“, sagt Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz).

Auswahl von Routenoptionen ist wichtig bei Motorrad-Navis

Eine weitere Besonderheit an den Motorradnavis ist die Möglichkeit, verschiedene Routenoptionen auszuwählen, wie Thomas Henkel vom Navigationshersteller Tomtom erläutert. „Da lassen sich kurvenreiche oder hügelige Strecken sowie Rundtouren einstellen.“ Und meist lassen sich die Routen auch vorab am Computer planen und ins Gerät importieren. So kann neben der kürzesten oder schnellsten Route auch eine besonders schöne Motorradstrecke mit vielen Kurven, wenig Autobahnen und ein paar netten Bikertreffs gespeichert werden.

Gut im Blick: Die Halterung für das mobile Navi sollte dafür sorgen, dass der Blick auf die Instrumente frei bleibt.
Gut im Blick: Die Halterung für das mobile Navi sollte dafür sorgen, dass der Blick auf die Instrumente frei bleibt.Foto: dpa

Damit das funktioniert, nutzen die Hersteller anderes Kartenmaterial als bei Autonavis. Denn die Autonavigation hat in der Regel das Ziel, dem Fahrer die schnellste Strecke zu berechnen, mit Schwerpunkt auf Autobahnen und Bundesstraßen. Außerdem bieten manche Navis Funktionen eines Bordcomputers: Kontrolle über Wartungsintervalle, Inspektionen oder den Reifendruck, der über spezielle Sensoren überwacht werden kann.

Sprachnavigation auf den Helm ist der Vorteil von Motorrad-Navis

Kuschefski sieht auch sonst große Vorteile bei Navigationsgeräten. „Sie lenken deutlich weniger ab als das Kartenlesen. Insbesondere dann, wenn die Routenführung durch Sprachanweisung über Helm-Lautsprecher erfolgt.“ Dann könne der Blick stets auf den Verkehr gerichtet bleiben. Auch Bente rät zu einem Navi mit Sprachanweisung. „Dauernd auf den Bildschirm zu schauen, ist nicht besonders sicher. Der Blick gehört immer auf die Straße“, sagt er.

Ein spezieller Helm ist für die Nutzung der Sprachführung nicht unbedingt nötig, viele Headsets lassen sich in den Helm integrieren und über Bluetooth mit dem Navi verbinden. Damit kann der Pilot Ansagen und - mit zusätzlich gekoppelten Geräten - auch Telefongespräche und Musik empfangen. Motorradfahrer sollten eine Verbindung via Bluetooth dem Klinkenstecker vorziehen. „Auch wenn die Klinke klein und das Kabel dünn ist - bei einem Unfall können sie schwere Schäden verursachen“, warnt Bente.

Probefahrt mit Navi ist empfehlenswert

Vor dem Kauf sollten Motorradfahrer nicht nur mit dem Navi eine Proberunde drehen, sondern auch mit einem neuen Helm. „So sehen Biker, ob der Helm passt und ob sie mit der Sprachanweisung klar kommen“, erklärt Bente. Denn die Abbiegehinweise unterscheiden sich je nach Anbieter.

Total angesagt: Navis mit Sprachführung sind sicherer, weil Motorradfahrer den Blick auf der Straße lassen können.
Total angesagt: Navis mit Sprachführung sind sicherer, weil Motorradfahrer den Blick auf der Straße lassen können.Foto: dpa

Nicht nur die Software ist anders als bei mobilen Navis für Auto, auch die Hardware: Die Gehäuse sind wasserdicht nach Norm IPX7, wesentlich robuster und mit Handschuh bedienbar. „Die Gehäuse sollten nicht nur gegen Regen geschützt sein, sondern auch gegen Treibstoffspritzer und UV-Strahlung“, sagt Berna Celik-Rymdzionek, Produkt-Managerin bei Garmin. Hochwertige Motorradnavis seien mit einem speziellen Bildschirm ausgestattet, der nicht reflektiert und dank seines hohen Kontrastes gute Lesbarkeit bei geringem Stromverbrauch bietet.

12-Volt-Anschluss für lange Fahrten

Die eingebauten Akkus halten oft für bis zu vier Stunden automatische Navigation. Für eine lange Tour sollten die Geräte über einen 12-Volt-Anschluss verfügen. Der wird entweder direkt an die Batterie angeschlossen oder besser noch, über die Zündung. Einige Hersteller bieten im Cockpit auch 12-Volt-Anschlüsse für externe Geräte an. Wichtig ist die richtige Halterung fürs Gerät, damit es weder den Blick auf die Straße beeinträchtigt, noch auf die Instrumente - allzu große Monitore sind dabei eher hinderlich. „Die Bedienung der Instrumente darf ebenfalls nicht behindert werden“, sagt Bente. Problematisch sei ein langer Tragearm: Durch starke Vibrationen verschwimme die Darstellung am Monitor.

Gut getroffen: Navis für Motorradfahrer sollten sich wie dieses vin Garmin mit Handschuhen bedienen lassen.
Gut getroffen: Navis für Motorradfahrer sollten sich wie dieses vin Garmin mit Handschuhen bedienen lassen.Foto: dpa

Bente empfiehlt, beim Kauf auf ein lebenslanges Kartenupdate zu achten. So bleiben die Strecken immer aktuell. Um Kosten zu sparen, sollten sich Käufer vorher überlegen, wo sie später fahren wollen: Gehen die Motorradtouren nicht über die Landesgrenzen hinaus, lässt sich mit Kartenmaterial nur für Deutschland Geld sparen.

Manche Motorrad-Navis lassen sich mit Smartphone koppeln

Viele Motorradfahrer möchten unterwegs nicht auf ihr Handy verzichten, weshalb die Vernetzung mit dem Smartphone auch für Motorradnavis immer wichtiger wird. Garmin bietet ein Gerät an, das die Koppelung des Handys über Bluetooth erlaubt. So kann der Fahrer über das Navi telefonieren, aktuelle Verkehrs- sowie Wetterinfos erhalten oder den MP3-Player des Telefons steuern.

Davon, das Smartphone selbst als Navi zu nutzen, rät Jürgen Bente ab. Es sei zu klein, und das Display lässt sich im Sonnenlicht nur schwer ablesen. Außerdem besteht das Risiko, dass der Akku des Telefons längere Touren nicht durchhält. „Die Bilddarstellung und die Sprachanweisung sind nur ein Kompromiss“, sagt er. Die Handys dienen nur als letzte Lösung, falls das Navi mal nicht funktionieren sollte. Dann hilft auch die Straßenkarte aus Papier - ganz klassisch im Tankrucksack. (dpa)

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