Tipps für Schlechtwetter-Biker : Sicher Motorradfahren im Regen

Hartgesottene Biker lassen sich durch Wind und Wetter nicht vom Motorradfahren abhalten. Doch gerade bei Regen und nassen Straßen erfordert die Tour auf dem Zweirad besondere Umsicht - Tipps für Schlechtwetterbiker.

Fabian Hoberg
Nicht zum Nachahmen: Solche Schräglagen wie hier beispielsweise Moto3-Fahrer bei der Qualifikation im Regen zeigen, sind nicht empfehlenswert - schon gar nicht bei hohem Tempo. Foto: dpa
Nicht zum Nachahmen: Solche Schräglagen wie hier beispielsweise Moto3-Fahrer bei der Qualifikation im Regen zeigen, sind nicht...Foto: dpa

Die Sonne scheint, der Asphalt ist griffig, die Landstraße lädt zum Kurvenfahren ein - optimale Bedingungen für Motorradfahrer. Doch plötzlich: Regen. Für Biker ändert sich dann eine Menge. Keine Blechhülle schützt vor der Witterung, elektrische Scheibenwischer gibt es nicht, und auf zwei Rädern kann rutschiger Untergrund schnell zu kritischen Situationen führen.

Achtung vor Gullys und Fahrbahnmarkierungen

Insbesondere nach langer Trockenheit kann sich durch einen kurzen Schauer ein gefährlicher Schmierfilm bilden, warnt Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). Der hat ähnlich schlechte Reibwerte wie nasses Kopfsteinpflaster oder eine Schneedecke. „Mit einem runden Fahrstil fährt man aber recht sicher“, sagt er. Und Sicherheit gibt Selbstvertrauen. Nicht unerheblich, denn, so Bente: „Angst ist ein schlechter Beifahrer.“ „Bei Regen empfiehlt sich grundsätzlich eine angepasste Fahrweise“, sagt auch Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Die Feuchtigkeit mache sich vor allem bei den maximal möglichen Schräglagen und Kurvengeschwindigkeiten sowie in der Länge des Bremswegs bemerkbar.

Das Risiko eines Sturzes ist dabei nicht überall gleich groß. „Insbesondere Fahrbahnmarkierungen und Gullydeckel werden schnell rutschig. Wer mit geringer Schräglage darüber fährt, wird aber selten Probleme bekommen“, sagt Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BvdM). Er empfiehlt fahren ohne abruptes Bremsen und Beschleunigen. In Senken und Tunneln sei zudem langsames Fahren angesagt - dort können tiefe Pfützen warten, die das Risiko von Aquaplaning mit sich bringen.

Wer bei Regen einen behutsamen Fahrstil pflegt, kommt sicher um die Kurven. Foto: dpa
Wer bei Regen einen behutsamen Fahrstil pflegt, kommt sicher um die Kurven.Foto: dpa

Zwar kommen Motorräder erst bei etwas höheren Geschwindigkeiten als Pkw in den Aquaplaning-Bereich, weil die Reifen eine runde Form haben und sich nicht so schnell ein Wasserkeil davor aufbauen kann. Doch je höher der Wasserpegel, desto mehr sollte die Geschwindigkeit reduziert werden. „Absteigen würde ich erst, wenn die Sicht dermaßen eingeschränkt ist, dass eine vorausschauende Fahrweise nicht mehr möglich ist und man von anderen Verkehrsteilnehmern nicht mehr wahrgenommen wird“, sagt Kuschefski.

Wichtige Vorsichtsmaßnahmen

Auf den Bremsscheiben kann sich jedoch bei längerer Regenfahrt ein dünner Wasserfilm bilden. Er verzögert dann das Ansprechverhalten der Bremse. „Wer ab und zu leicht an der Bremse zieht, trocknet die Scheiben zwischendurch“, sagt Lenzen.

Sich selbst schützen Motorradfahrer am besten mit einer Regenkombi oder einem Gore-Tex-Anzug. Neben einer Vielzahl von wasserdichten Textilkombis gibt es auch solche, die über der Lederkleidung getragen werden. „Darüber hinaus sollten Hände und Füße vor Nässe und Kälte geschützt werden, sofern die Handschuhe und die Stiefel nicht schon wasserdicht sind“, sagt Achim Kuschefski. Er empfiehlt eng anliegende Überzieher, die nicht stören. „Bei Regen kühlt der Fahrer schnell aus. Bei längeren Touren empfehlen sich deshalb öfter Pausen zum Aufwärmen“, sagt Michael Lenzen.

Bei Nässe ist die Schräglage durch die geringe Haftung begrenzt. Wer sich wie gewohnt in die Seite hängt, landet schnell auf dem Asphalt. Foto: dpa
Bei Nässe ist die Schräglage durch die geringe Haftung begrenzt. Wer sich wie gewohnt in die Seite hängt, landet schnell auf dem...Foto: dpa

Besonders wichtig ist bei Regen und Gischt eine gute Sicht. „Weder das Visier noch die Brille dürfen beschlagen“, sagt Kuschefski. Daher sollten Motorradfahrer zu speziellen Anti-Beschlag-Visieren oder Visieren mit Doppelscheibe greifen. Praktisch sind auch spezielle Gummilippen am Handschuh, die wie ein Scheibenwischer die Tropfen vom Visier schieben. „Wichtig ist, dass die Fahrer auch bei Regen locker auf dem Motorrad sitzen und nicht verkrampfen“, sagt Lenzen, dann könne die feuchte Fahrt sogar Spaß machen.

Eine gute Ausrüstung ist die halbe Miete

Das sieht auch DVR-Mann Bente so: „Motorradfahren bei Regen ist nicht jedermanns Sache, obwohl es mit den richtigen Klamotten Spaß machen kann.“ Er empfiehlt, insbesondere bei längeren Touren immer eine separate Regenkombi einzupacken. Schließlich könne sich das Wetter jederzeit ändern. Eine separate Kombi schützt zudem besser vor wirklich starker Nässe. Zwar sei in funktionaler Motorradbekleidung meist eine Klimamembran eingearbeitet, die atmungsaktiv ist. „Doch bei Starkregen werden die Anzüge nass und schwer. Die Fahrer kühlen dann langsam aus“, sagt er.

Wer auf der Suche nach Regenkleidung ist, sollte sich laut Bente in Fachzeitschriften informieren und unbedingt eine Anprobe im Fachhandel machen. Nur so können Biker den passgenauen Sitz überprüfen. „Wichtig ist die Funktion. Vor allem am Hals darf es nicht reinregnen“, sagt Bente.

Neben der Ausrüstung des Fahrers, spielt im Regen auch noch die des Motorrads eine Rolle: Moderne Maschinen sind dank ABS und Traktionskontrolle prädestiniert für solche Bedingungen. Darüber hinaus gibt es bei modernen und leistungsstarken Maschinen den Fahrmodus „Rain“, der die Motorleistung drosselt und das Motorrad insgesamt sanfter ans Gas gehen lässt - und damit die Beschleunigungskraft an die Witterungsverhältnisse anpasst. (dpa)

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