Motorradfahren nach dem Winter : Langsam in die Saison starten

Sicher ist sicher: Nach der Winterpause muss man sich erst wieder ans Motorradfahren gewöhnen und sollte kurze und weniger anspruchsvolle Strecken wählen.

Fabian Hoberg, dpa
Wieder in die Gänge kommen. Ein Fahrsicherheitstraining kann helfen, nach der Winterpause wieder ein Gefühl für die Maschine zu bekommen.
Wieder in die Gänge kommen. Ein Fahrsicherheitstraining kann helfen, nach der Winterpause wieder ein Gefühl für die Maschine zu...Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Nach einer halben Stunde schmerzt der Rücken, die Handgelenke werden langsam taub, und der Kopf brummt. Motorradfahren ist Sport. Wer sich vor dem Saisonstart nicht vorbereitet, wird schon nach wenigen Kilometern spüren, dass er untrainiert ist. Bei den ersten Sonnenstrahlen aufs Motorrad springen und Gas geben – das ist vor allem eins: sehr gefährlich. Mit ein paar Übungen vor der ersten Fahrt fällt der Start in die neue Saison leichter. Deshalb raten Experten zu gezieltem Training. Ganz gleich, ob es mit schleifendem Knie über die Rennstrecke geht oder sonntags im Schleichtempo zum nächsten Ausflugslokal: Motorradfahren will geübt sein.

Denn dabei reagiert der Körper wie beim Hochleistungssport: Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur steigen. Am Helm zerrt der Wind, drückt auf Nacken und Schulter, die linke Hand greift ständig am Kupplungshebel, die rechte dreht sich mit dem Gasgriff. „Wer nicht im Herbst und Winter Sport in seinen Alltag integriert hat, wird bei der ersten Fahrt schnell überfordert“, sagt Diana Sprung vom ADAC. Nach der monatelangen Pause sei es sinnvoll, es am Anfang langsamer angehen zu lassen. „Der Start in die Motorradsaison ist, wenn auch verkürzt, mit den ersten Fahranfängen vergleichbar.“ Sie rät: Etwas Zeit nehmen, um wieder zu lernen. Wer vor der ersten Tour seinen Körper trainiert, habe es deutlich leichter und fahre sicher.

Der ADAC rät zum ausgewogenem Cardio-Training wie im Fitnessstudio oder beim Joggen. Auch Nacken, Schulter, Hüfte und Oberschenkel sollten durch Krafttraining gestärkt werden. Empfehlenswert: ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining, etwa ein Zirkeltraining. Mountainbiker, Skifahrer, Schlittschuhläufer und Jogger trainieren automatisch die fürs Biken wichtige Muskulatur. Und nicht nur die, sondern auch den wichtigen Gleichgewichtssinn. Spezielles Unterarmtraining und Handtraining kräftigt die nötigen Muskeln und Bewegungsabläufe fürs Kuppeln, Bremsen und Gasgeben.

Meiste Verletzungen zum Saisonstart

Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) rät zu einem Sicherheitstraining, egal ob für Anfänger oder routinierte Fahrer. Das sei nicht nur nützlich, um wieder in den Fahrfluss zu kommen, sondern auch, um dazuzulernen und das Können zu verbessern.

Ähnlich sieht das Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR): „Bei vier Monaten Pause ist es wie bei anderen Sportarten: Man kann nicht erwarten, dass der Fahrer sofort alle Bewegungsabläufe drin hat und wieder topfit ist.“ Der DVR, ACE, ADAC, Dekra und andere Clubs bieten Kurse vom Basis- bis hin zum Perfektionstraining an. Hilfreich zum Start in die Saison seien aber auch Fahrübungen auf einem Parkplatz. „Im Endeffekt profitieren alle Verkehrsteilnehmer davon“, sagt Bente.

Die meisten schwer verletzten Fahrer bekommen die Chirurgen nach dem Saisonstart im Frühjahr auf den Tisch. „Wenn der Winter hart war und übergangslos ein warmes Wochenende kommt, fehlt die Vorbereitungszeit für die Fahrer“, sagt der Dortmunder Unfall-Chirurg Stahl.

Nach Daten des Statistischen Bundesamts sank die Zahl der Motorrad- und Mopedunfälle mit Verletzten von Januar bis November 2015 bundesweit zwar um 1386 auf 42 878. Allerdings stieg die Zahl der Todesopfer in dem Elf-Monatszeitraum um drei Prozent: 2014 kamen 667 Menschen bei Motorradunfällen ums Leben, 2015 waren es 687.

Biker, die im Winter hauptsächlich im Auto saßen, müssen wieder daran denken, dass sie auf dem Zweirad keine Knautschzone haben. Deshalb rät Bente zu einem früheren Bremsen: „Lieber fünf Meter zu früh bremsen als ein Meter zu spät.“ Auch Autofahrer gewöhnen sich erst wieder langsam an die Zweiradfahrer, ihre Beschleunigungskraft und ihre schmale Silhouette. Dagegen helfen zumindest optisch auffällige und kontrastreiche Bekleidung mit Leuchtstreifen.

Zu Beginn kurze Strecken

Während den ersten Touren sollten es die Fahrer nicht übertreiben: Bei kurzen und weniger anspruchsvollen Strecken kommt der Biker leichter ins flüssige Fahren. „Ein behutsames Herantasten an Schräglagen ist hilfreich, das über den Winter verblasste Gefühl dafür wieder aufzufrischen“, sagt Kuschefski. Nach rund einer Stunde Fahrt halten zehnminütige Pausen mit ein paar Gymnastikübungen die Gelenke geschmeidig und fördern gleichzeitig die Konzentration. Bei Touren an kühlen Frühlingstagen schützen Thermounterwäsche, dicke Socken und Innenhandschuhe vor Kälte - und Konzentrationsverlust. Denn Kälte und Wind zehren an der Kondition. Für die Koordinationsfähigkeit beim Motorradfahren seien deshalb warme Gliedmaßen wichtig.

Ganz wichtig: der Helm. Das Visier muss sauber und kratzfrei sein. Lässt es sich nicht mehr reinigen, gehört es ausgetauscht. Wenn ein Helm bei einem Unfall getragen wurde, sollte er – unabhängig von dem äußeren Zustand – unbedingt ersetzt werden. Auch wenn Motorradhelme kein Verfallsdatum haben: Spätestens nach acht bis zehn Jahren sollte ein neuer Helm den Kopf zieren.

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