Motorradsport : Freud und Leid auf zwei Rädern

Mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt die Saison. Die vernünftigen Sportmotorradfahrer testen sich und ihre Maschinen auf der Rennstrecke und Privat-Rennfahrer, wie Thomas Schönfelder, haben einen Sommer voller Höhepunkte vor sich.

Die Stimmung war gedämpft Ende März am Hockenheimring. Viele Privatfahrer fanden sich an diesem Wochenende ein, um zum ersten Mal in diesem Jahr ein echtes Training absolvieren zu können. Darauf haben sie lange gewartet. Einige Wintermonate sind ins Land gegangen, in denen nur geschraubt und getüftelt werden konnte. Kein wirklicher Ersatz für Männer, die echte Adrenalin-Stöße gewohnt sind. Dementsprechend war die Enttäuschung groß, nach einem verregneten Samstag des ersten Trainingswochenendes des Jahres. "Eine Stunde konnte ich fahren, aber die Strecke war nicht richtig abgetrocknet", sagt der 39-jährige Thomas Schönfelder. "Zu gefährlich, um richtig zu trainieren." Nicht nur wegen der Sicherheit, sondern auch wegen des teuren Materials.

Thomas Schönfelders Leidenschaft begann schon in seiner Jugend. Angefangen vom Mofa über die klassische Achtziger bis zu seinem ersten Motorrad durchlebte er die bekannten Stationen eines Zweirad-Fans. Doch irgendwann reichte der Kick einer Straßenmaschine nicht mehr und die Vernunft brachte den in Marburg geborenen, heute in Kassel lebenden Hessen dazu, sein Können auf der Rennstrecke zu testen. Mit einer Yamaha RD 350 ging es Mitte der neunziger Jahre zum ersten Mal auf einen Rundkurs und der Virus ließ ihn seitdem nicht mehr los. Seitdem konnte er beachtliche Erfolge verzeichnen.

Privatfahrer investieren viel

Die Rennstrecke ist die einzige Umgebung, in der die Leistung heutiger Sport-Motorräder noch halbwegs sicher abgerufen werden kann. Im Gegensatz zum normalen Straßenverkehr stehen hier keine Bäume, keine Leitplanken und vor allem fahren keine PKWs. Stürze gibt es dennoch, doch vom "Ritt ins Kiesbett" bleiben in aller Regel nur ein paar blaue Flecken und Schürfwunden zurück. Die größte Gefahr geht dabei von der eigenen Maschine aus, die den Fahrer beim Sturz verletzen kann.

Trotzdem zahlen Privatfahrer wie Thomas Schönfelder einen hohen Preis für ihr außergewöhnliches Hobby. Der Winter ist die Zeit fürs Schrauben. Da die Kasse knapp ist muss an den Maschinen alles so gut es geht optimiert werden. Ab März ist er dann mit seinen Freunden auf den mitteleuropäischen Rennstrecken unterwegs. Zusammenarbeit ist ein Muss für die Hobbypiloten, denn nur so können sie sich die Ausflüge auf die Rennstrecken überhaupt leisten. Übers Jahr sind die Fahrer 16 bis 18 Wochenenden auf der Piste. Trainieren, kleinere Rennen oder Höhepunkte, wie das 24-Stunden-Rennen von Oschersleben oder Schönfelders persönliches Highlight, die Tourist Trophy auf der "Isle of Man", der kleinen Insel in der irischen See.

Zum sechsten Mal auf der Isle of Man

Das bekannteste und wahrscheinlich auch verrückteste Straßenrennen der Welt feiert in diesem Jahr seinen hundertsten Geburtstag. Daher ist es ein ganz besonderes Jubiläum für die kleine, motorsportverrückte Insel. Schönfelder fährt bereits zum sechsten Mal mit und verpasste seit 2001 nur eine Ausgabe, um seine Ausbildung abzuschließen. 2003 absolvierte er die Techniker-Schule, denn dieses Hobby lässt sich nur mit einem Beruf verwirklichen, der ihm finanziell etwas den Rücken frei hält. Als Maschinenbautechniker bei einem Automobilzulieferer verdient er sich seinen Lebensunterhalt.

Solche Wettkämpfe wie die Tourist Trophy auf der Isle of Man, so nennt sich das Rennen offiziell, zu absolvieren ist nur mit Sponsoren möglich. Zwei Wochen Urlaub und etwa 5000 Euro muss Schönfelder dennoch drauf legen, um bei dem Klassiker an den Start gehen zu können. Die Firma Abbco und der ADAC unterstützen ihn dabei und sorgen dafür, dass das finanzielle Risiko nicht zu hoch wird. Denn neben Reisekosten kommen noch Startgebühren, Sprit und Ersatzteile hinzu. Der Bonus der Veranstalter für ein erfolgreich absolviertes Rennen fängt da nur den kleinsten Teil der Kosten auf.

Heiratsantrag auf der Isle of Man

Auch das Privatleben musste lange hinter dem Rennsport zurück stehen. Es gibt nur wenige Frauen, die sich auf ein solches Hobby einlassen und die Begeisterung dafür teilen können. Neben dem Schrauben und dem Rennsport muss sich Schönfelder auch körperlich für die Strapazen auf dem Zweirad fit halten. Kraft- und Ausdauertraining mehrmals die Woche, da bleibt wenig Zeit für gemütliche Abende in Zweisamkeit. Mit seiner Lebensgefährtin Simone hat er aber die passende Begleiterin gefunden. Sie fährt jedes Jahr mit auf die Insel und hilft als Crew-Mitglied. Im letzten Jahr bekam sie von Thomas Schönfelder dafür das wohl schönste Geschenk, einen Heiratsantrag. In diesem Jahr soll die Hochzeit statt finden. Natürlich auf der Isle of Man. Vorbereitet ist alles und zwischen den Rennen der Tourist Trophy wollen die beiden sich das "Ja"-Wort geben.

Die Rennsaison beginnt für Schönfelder übrigens bereits am Osterwochenende. Dann stehen die 1000-Kilometer von Hockenheim an. Eines der Vorbereitungsrennen für die Isle of Man, denn jeder Rennfahrer muss pro Jahr mindestens sechs Rennen absolvieren, um nachzuweisen, dass er noch nicht eingerostet ist. Am Sonntag meinte es der Wettergott etwas besser mit Zweiradenthusiasten und bescherte der Crew einige schöne Trainingsstunden. Bei strahlenden Sonnenschein konnte Schönfelder und seine Kollegen einige Runden absolvieren. Am Ostersonntag wird es dann ernst mit dem Rennen auf dem Hockenheimring. Der erste Höhepunkt einer ganz besonderen Saison für ihn. 

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