Nach Unfall : Auf gutem Wege wieder nach Hause

Natürlich rechnet keiner mit einem Unfall im Urlaub. Aber was, wenn es doch passiert? Wir erzählen, was dem Berliner Heinrich Otterpohl widerfuhr – und wie ihm ein Automobilclub half

Kerstin Heidecke
ADAC
Der ADAC hilft bei der ungeplanten Rückreise. -Foto: ddp

Es sieht ziemlich martialisch aus, dieses Gestell. Wie eine Ritterrüstung schließt sich ein Kunststoffkorsett um den Brustkorb von Heinrich Otterpohl. Ein Metallring um seinen Kopf – fixiert mit Schrauben in der Schädeldecke – verläuft über Stahlstreben bis zu diesem Spanner-Konstrukt. Aber der sogenannte Fixateur, den Heinrich Otterpohl nun seit gut vier Monaten trägt, rettet sein Leben. Und seine Gesundheit. Gemeinsam mit einigen Schutzengeln, an die er inzwischen fast wieder glaubt. Vom Kinn an hätte Heinrich Otterpohl gelähmt sein können – für immer. Etliche Male waren Hals- und Brustwirbel sowie mehrere Rippen gebrochen. Dass er bald wieder fast der Alte sein wird, verdankt er der Beherztheit seiner Frau, einigen griechischen und deutschen Ärzten. Und nicht zuletzt dem Ambulanzdienst des ADAC.

Der 21. Februar war einer seiner ersten Urlaubstage auf der griechischen Insel Tassos. Gemeinsam mit seiner Frau Hannelore hat Heinrich Otterpohl hier ein kleines Ferienhäuschen. Zwei Wochen lang wollte der 62-jährige Kaufmann ausspannen. Doch zuvor sollte der Birnbaum im Garten beschnitten werden. Woran er sich heute noch erinnert, ist, dass er ziemlich weit oben von einem Ast abrutschte, mit der Stirn auf den Boden aufschlug und einen Knacks spürte. Dann verlor er das Bewusstsein.

Als seine Frau ihn irgendwann am Boden fand, blutete er stark, war aber ansprechbar. „Ich sah sofort, dass seine Pupillen nicht gleichmäßig liefen. Da war mir klar, entweder ist etwas mit dem Gehirn oder mit der Wirbelsäule.“ Hannelore Otterpohl weiß noch genau, wie sie um Hilfe schrie. Aber niemand hörte sie, keiner der Nachbarn war zu Hause. „Auf dieser kleinen Insel ist es nicht so, dass mal schnell ein Notarzt oder die Feuerwehr vorbeikommen“, sagt Hannelore Otterpohl. Weil sie eine Verletzung der Wirbelsäule befürchtete, fixierte die gelernte Medizinisch-technische Assistentin den Hals ihres Mannes – mit zwei zusammengerollten Frotteetüchern und einem darum geschlungenen Gürtel.

Heinrich Otterpohl schaffte es bis zum Auto. So ging es in einer halbstündigen Fahrt zur Notfallstation auf der Insel, von dort per Fähre zur Neurochirurgie in die Klinik auf dem Festland, wo es sogar einen deutschsprachigen Arzt gab. Inzwischen hatte Hannelore Otterpohl auch die ADAC-Notrufstation angerufen, „damit mein Mann gut nach Hause kommt“. Von da an konnte Hannelore Otterpohl aufatmen: „Die haben sich um alles gekümmert, immer wieder nachgefragt, ob wir noch etwas brauchen. Die ADAC-Ärztin hielt engen Kontakt zum behandelnden Klinik-Arzt, damit entschieden werden konnte, wann mein Mann reisefähig ist.“ Heinrich Otterpohl hatte etliche Berstungsbrüche in Hals- und Brustwirbeln, die operiert werden mussten. Dann bekam er den Fixateur, den er anfangs – wie alle Patienten – nur schwer und mit Medikamenten aushielt. Nach knapp zwei Wochen war es so weit. Mit dem ADAC-Ambulanz-Flugzeug ging’s zurück nach Tegel. Und von dort direkt ins Benjamin-Franklin-Klinikum nach Steglitz.

Inzwischen sitzt Heinrich Otterpohl wieder am Kaffeetisch seiner Zehlendorfer Wohnung. Auch E-Mails seiner Kollegen hat er schon beantwortet. Und in wenigen Tagen kommt der Fixateur ab. Er kann es kaum erwarten: „Endlich wieder im Liegen schlafen und nicht halb sitzend mit einem dicken Nackenkissen!“ Dann steht noch ein umfangreiches Reha-Programm bevor, damit seine Muskulatur wieder aufgebaut wird. Er braucht sich nicht mehr sorgen, dass er gelähmt sein wird. „Es kamen viele glückliche Umstände zusammen; dass meine Frau so schnell reagiert hat, dass es vor Ort eine gute neurochirurgische Klinik gab. Aber darauf kann man sich nicht verlassen.“ Und genesen möchte man ohnehin am liebsten zu Hause.

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