Navigationsgeräte und Smartphones im Test : Unpünktlich und wenig aktuell

Ganz ordentlich, so könnte man das Ergebnis eines Test von vier Navigationsgeräten und acht Softwarelösungen für Smartphones zusammenfassen. Allerdings haben fast alle Probleme mit der Pünktlichkeit und mögen keine Dauerbaustellen.

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Smartphone oder Navigationsgerät? Die schlauen Telefone stehen den Navis in ihrer Funktionsvielfalt kaum mehr nach.
Smartphone oder Navigationsgerät? Die schlauen Telefone stehen den Navis in ihrer Funktionsvielfalt kaum mehr nach.Foto: ADAC

Muss es noch das große Navigationsgerät sein oder reichen mittlerweile auch die gängigen Softwarelösungen auf den verbreiteten Smartphones. Diese Frage stellen sich immer mehr Verbraucher, die ohnehin die Schlaumeier-Telefone stets spazieren tragen. Zumal, zumindest auf Android-Geräten, mit Google Maps eine recht ordentliche Lösung kostenfrei zur Verfügung steht. Gegen kleines Geld bieten dort auch etablierte Hersteller wie Garmin, Falk, Navigon oder TomTom ihre Lösungen an. Braucht es also noch ein eigenes Gerät um ans Ziel zu kommen.
Auch beim ADAC-Test wird die Frage nicht abschließend beantwortet, denn die Stand-Alone-Geräte haben durchaus ihre Vorteile. Sie arbeiten zuverlässiger, navigieren zielsicherer und sind einfacher in der Handhabung. Allerdings sind die Unterschiede nicht so gravierend. So muss schließlich jeder Kunde selbst entscheiden, ob er für 200 Euro und mehr ein richtiges Navi möchte oder mit der Smartphone-Lösung für wenig oder gar kein Geld leben kann.

Zeit ist relativ
Die gute Nachricht ist, dass es im Testfeld keine richtigen Ausfälle gab. Alle Systeme bringen ihre Kundschaft ohne größere Umwege ans Ziel. Allerdings teilen sich auch fast alle Geräte eine Schwäche: Sie nehmen es mit der Zeit nicht so genau. Besonders die Software Skobbler für das iPhone4 fiel hier negativ auf. Sie kennt offensichtlich keine Geschwindigkeitsbegrenzungen innerhalb von Ortschaften. Daher haben die angezeigten Ankunftszeiten wenig mit der Realität zu tun. Aber auch die meisten anderen Geräte lagen mit ihren Berechnungen eher daneben.

Das ist allerdings ein Makel, der zu verschmerzen sein dürfte.
Ärgerlicher kann eine andere Schwäche werden, die ebenfalls fast alle Geräte vorzuweisen hatten. Dauerbaustellen und Langzeitsperrungen hatten fast alle Geräte nicht auf dem Schirm. Das kann in der Praxis zu langwierigen Umwegen führen. Warum solche Behinderungen nicht in die Routenführung integriert werden, ist unklar. Denn Staus und aktuelle Verkehrsinformationen werden von einigen Systemen dennoch in die Navigation eingearbeitet.

Entscheiden oder geführt werden
Hier ist allerdings die Qualität unterschiedlich. Während der Testsieger, das Gerät GoLive 1015 von TomTom, die Infos direkt in die Routenführung einrechnete stellt Google Maps auf den Androidgeräten die Störung lediglich dar. Das muss zwar nicht immer ein Nachteil sein. Studien zeigen meist, dass es kaum Zeit spart Staus großräumig zu umfahren. Aber es braucht erhöhte Aufmerksamkeit um die richtige Entscheidung zu treffen und das Anlegen der neuen Route ist dann sehr umständlich.

Baustellen mögen die meisten Geräte im Test nicht so. Selbst wenn die Umleitungen seit Monaten bestehen sind sie der Software meist unbekannt.
Baustellen mögen die meisten Geräte im Test nicht so. Selbst wenn die Umleitungen seit Monaten bestehen sind sie der Software...Foto: ADAC

Nur wenige Lösungen haben die Prüfer geärgert. So müssen bei der Smartphone-Software von Falk viele Elemente extra nachgekauft werden Außerdem startete die App nicht zuverlässig, was in beiden Kriterien zu Abzügen führte. Die Apps von Skygic und Skobbler waren außerdem in der Darstellung eher gewöhnungsbedürftig. Beide zeigten grobe Fehler im Kartenmaterial. Aber das kann auch anderen passieren, wie Apple erst kürzlich mit seiner eigenen Maps-Software anschaulich demonstrierte. Seitdem der Apfelgigant die Karten-App für sein Betriebssysteme iOS 6 selbst in die Hand nahm liegen innerstädtische Bezirke von Berlin in Schöneiche. Das hätte sich das Brandenburger Tor auch nicht träumen lassen.

Die Ergebnisse im Überblick:

Die Ergebnisse des ADAC-Test im Überblick. (Klicken für Großansicht)
Die Ergebnisse des ADAC-Test im Überblick. (Klicken für Großansicht)Grafik: ADAC

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