Neuauflage der Alfa Romeo Giulietta : Auf eine Runde mit der Schönen

Alfa Romeos Giulietta hört auf einen großen Namen, der auch eine Bürde ist. Auch deshalb wollen die Italiener jetzt vieles besser machen. Vor allem, was die Qualität angeht.

Martin Lewicki
Die Verbesserung der inneren Werte stand bei dieser Modellpflege im Pflichtenheft. Armaturenbrett und Sitze bieten auch optische Reize.
Die Verbesserung der inneren Werte stand bei dieser Modellpflege im Pflichtenheft. Armaturenbrett und Sitze bieten auch optische...Foto: Hersteller

Petrus hat es nicht gut gemeint mit uns. Es ist wolkenverhangen und regnet in Strömen als wir in Mailand ankommen, um Alfas neue Giulietta Probe zu fahren. Also nichts wie rein in das wohlige Cockpit und rauf auf die Autobahn. 150 Kilometer nahezu geradeaus bei strömendem Regen, Nebel und anbrechender Dunkelheit. Na das wird ja ein Spaß.

Gegen das Wetter ist nichts zu machen. "Hinnehmen und das Beste draus machen", lautet die Devise. Das Julchen von Alfa Romeo, oder besser bekannt als Giulietta, wurde etwas aufgehübscht und modernisiert. Rein äußerlich gesehen ist sie so jung geblieben, wie in den Jahren zuvor. Sie hat nur ganz dezentes Make-up bekommen – und das ist auch gut so: Eine neue Chromeinfassung des Scudetto genannten Kühlergrills, eine modifizierte Einfassung der Nebelscheinwerfer, drei neue Metallic-Lackierungen und ebenso viele zusätzliche Felgendesigns verleihen ihr mehr Frische, ohne den markigen Charakter zu verwässern. Die Giulietta gehört ohnehin zu den auffälligsten und schönsten Erscheinungen in ihrer Klasse.

Apropos verwässern: Der Licht- und Regensensor funktioniert während unserer verregneten Testfahrt einwandfrei. Und das war nicht immer so. Später in der Pressekonferenz wird darauf hingewiesen, dass Alfa nun auch Autos für die Bedürfnisse der nordeuropäischen Kunden baut. Regen, Kälte und Dunkelheit machen der Alfa Romeo Giulietta und ihren Passagieren jedenfalls nichts mehr aus. Hinter dem Augenzwinkern des Pressesprechers verbirgt sich aber viel mehr, als nur italienischer Humor. Denn bei Alfa wurde einiges unternommen, um insbesondere die Giulietta wettbewerbsfähig zu halten und das Qualitätsniveau zu steigern. Insbesondere bei der Geräuschdämmung wurde viel Optimierungsarbeit geleistet. So ist die Giulietta nicht nur auf der Landstraße in ihrem Element, sondern kann auch lange Autobahnetappen souverän absolvieren, ohne die Insassen mit lauten Abroll- und Windgeräuschen zu nerven. Laut Alfa sind bislang schon 98 Prozent aller Giulietta-Käufer mit ihrem Auto zufrieden. Und in den ersten drei Jahren oder während der ersten 90.000 Kilometer müsse kein anderes Fahrzeug so selten zur Wartung wie die Alfa Romeo Giulietta. Das liegt sicherlich auch an den großzügigen Wartungsintervallen, die nur alle 35.000 Kilometer beim Diesel anfallen.

Schickes Design, Nachteile in der Praxis

Die Qualität ist auch im Innenraum sicht- und fühlbar. Bereits die Türen fallen überraschend satt ins Schloss. Das Cockpit wirkt mit seinem optisch leichten Armaturenträger in zweifarbiger Ausführung besonders luftig. Zudem ist er teilweise weich aufgeschäumt, was sich angenehm anfühlt. An anderen Stellen wie den Türen und der Mittelkonsole ist zwar Hartplastik verbaut, aber zumindest mit einer leicht aufgerauten Struktur, die sich besser anfühlt, als die üblichen Hartplastiksorten. Beim Design macht den Italienern sowieso keiner etwas vor. In der aktualisierten Version nimmt man Platz auf neu geformten Vordersitzen, die nicht nur mehr Seitenhalt bieten, sondern dank perforiertem Leder und neuem Schnitt auch ein echter Blickfang sind. Das schicke Leder "Venere" ist in schwarz, rot und braun für die Versionen QV, Veloce und Turismo erhältlich und veredelt sogar die Querspange des Cockpits, was sonst erst in der Oberklasse üblich ist.

Optisch hat sich nicht allzu viel getan. Es bleibt bei leichten Retuschen am hübschen Blechkleid.
Optisch hat sich nicht allzu viel getan. Es bleibt bei leichten Retuschen am hübschen Blechkleid.

Ergonomisch gesehen ist die Giulietta dafür etwas legerer gestaltet. Bei langen defensiven Autobahnetappen stört die harte Armauflage in den Türen. Auch das rechte Knie findet keine besonders angenehme Ruheposition an der Mittelkonsole. Kleine Wasserflaschen passen von der Höhe nicht in die dafür vorgesehene Ablage in der Mittelkonsole neben dem Sitz, wenn man als Fahrer gleichzeitig die Mittelarmlehne benutzen möchte. Und das Lenkrad könnte ruhig etwas filigraner sein. Eine perfekte Sitzposition war zwar noch nie das Spezialgebiet von Alfa, aber mittlerweile findet man auch mit 1,85-Meter Körpergröße eine akzeptable Sitzhaltung. Allerdings touchiert bei dieser Größe auf der Rücksitzbank bereits das Haupt leicht den Dachhimmel. Die Kniefreiheit hinten ist gerade noch ausreichend, ebenso wie der Kofferraum mit seinen 350 Litern Standardvolumen.

Spaß mit Vernunft, das ist die neue Giulietta

Doch wie so oft geht es bei Alfa nicht um Ergonomie und objektive Messwerte, sondern um das subjektive Fahrgefühl. Es gehe um den Fahrspaß "von Kurve zu Kurve", erklärt uns Alfa. Also stürzen wir uns eine kleine Bergabfahrt der Gemeinde Gavi in der norditalienischen Region Piemont hinunter. Und tatsächlich macht es mit der Giulietta enorm viel Spaß. Trotzt des dicklichen Lenkrads lässt sie sich schön dirigieren und exakt um die Kurve zirkeln. Das Fahrwerk scheint wie gemacht für die anspruchsvollen Straßen Italiens, wo die Kurven spitzer und unvorhersehbarer sind als anderswo in Europa. Das Aufschaukeln ist für Giulietta kein Thema. Die italienische Leichtfüßigkeit unterstützt der von uns gefahrene neue Dieselmotor 2.0 JTDM. Mit 150 PS und klassenbesten 380 Newtonmetern hat er mit der Giulietta ein leichtes Spiel. Ob auf der Autobahn oder bergiger Landstraße zieht er souverän durch das gesamte Drehzahlband und macht häufiges Schalten überflüssig – auch wenn es Spaß macht. Laut Datenblatt geht es in 8,8 Sekunden von Null auf Hundert und danach bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 210 Stundenkilometern.

Gerüstet für den Wettbewerb: Alfa Romeos Giulietta will neue Kunden in Nordeuropa begeistern. Fotos: promo
Gerüstet für den Wettbewerb: Alfa Romeos Giulietta will neue Kunden in Nordeuropa begeistern. Fotos: promo

Der moderne 2-Liter-Diesel, der bis zu acht Mal pro Takt einspritzt und die Euro-6-Norm erfüllt, scheint eine ideale Verbindung aus Leidenschaft und Vernunft: Kräftig wenn es sein muss, sparsam wenn man will und dabei immer schön kultiviert mit leicht sportlichem Unterton. Im realitätsfernen EU-Mix soll er sich mit 4,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer begnügen. Wir erreichten bei konstanten Autobahngeschwindigkeiten zwischen 130 und 140 Stundenkilometern knapp über 6 Liter auf 100 Kilometer. Ansonsten reicht das Leistungsspektrum beim Diesel von 105 bis 170 PS. Die Benziner starten ebenfalls bei 105 PS und enden bei sportlichen 235 PS im 1.8 TBi. Die Preise für die ab sofort erhältliche italienische Schönheit des Jahrgangs 2014 beginnen bei 19.250 Euro. Der von uns gefahrene 2.0 JTDM kostet mindestens 25.900 Euro. Am Ende unserer verregneten und nebligen Testfahrt waren wir überrascht, wie unprätentiös und allürenfrei sich die Giulietta fährt, ohne langweilig zu sein. Es fällt einem nicht schwer, sie gern zu haben.

Die großzügige Dame
Die Fachwelt staunte, als Alfa Romeo auf dem Turiner Autosalon sein neustes Modell vorstellte. Ein Mittelklasse-Modell von zeitloser Schönheit, aber dennoch kantig und sportlich. Ein gewagter Wurf für die Marke, die sich bis dahin kaum in Sachen Design hervortat.Weitere Bilder anzeigen
1 von 33Foto: Hersteller
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Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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