Neuauflage des Nissan Leaf : Mit Lernerfolg

Er ist ein Pionier der Elektromobilität, weil er als erstes Serienmodell Praxisnutzen mit grünem Antrieb sinnvoll verbunden hat. Nun kommt die zweite Auflage mit verbesserter Technik zu den Kunden.

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Stromer, die zweite Version: Der Nissan Leaf hat wichtige Pionierarbeit geleistet. In der zweiten Auflage sind wurden wesentliche Punkte verbessert.
Stromer, die zweite Version: Der Nissan Leaf hat wichtige Pionierarbeit geleistet. In der zweiten Auflage sind wurden wesentliche...Foto: Hersteller

Daran sollten sich andere Hersteller, vornehmlich die deutschen, mal ein Vorbild nehmen: Die zweite Generation des Nissan Leaf bietet mehr Auto für weniger Geld. 29 690 Euro kostet nun der günstigste Leaf. Das sind über 4000 Euro weniger als beim allerdings besser ausgestatteten Vorgängermodell.

Wichtiger noch: Auch die Technik bekam einen Schub. Mehr als 100 Verbesserungen sollen es sein. Die (theoretische) Reichweite steigt im Sommer von 175 auf 199 Kilometer; im Winter sind es 75 Kilometer weniger. Dabei sind der 80 kW (109 PS) starke E-Motor wie auch die 24 Kilowattstunden große Lithium-Mangan-Batterie nahezu unverändert geblieben, die Akkus sind in 48 Modulen vor der Hinterachse untergebracht. Nissan hat die Reichweite auf schlaue Weise verlängert, indem die gespeicherte Energie effizienter genutzt wird. So bringt die neue Nase neben einem frecheren Aussehen einen geringeren Luftwiderstand. Auch die neue Heizungs- und Klimaanlage, die jetzt nach dem Wärmepumpenprinzip fungiert, benötigt 70 Prozent weniger Strom als früher. Das freut den Autor besonders, denn im nasskalten Januar 2012 fror er im Vorgängermodell des Leaf heftig, weil nach dem Einschalten der Heizung sofort 30 Kilometer von der Restreichweite fehlten – und sich Angst breit machte, saft- und kraftlos liegen zu bleiben. Also lieber frieren als liegen bleiben?

Das Ladekabel lässt sich nun verriegeln und eine Leuchte hilft beim "Tanken" in der Nacht.
Das Ladekabel lässt sich nun verriegeln und eine Leuchte hilft beim "Tanken" in der Nacht.Foto: Hersteller

Geblieben ist die sehr angenehme Art, sich elektrisch vorwärts zu bewegen: leise, geschmeidig, souverän – und gelassen. Kein Schalten stört die Fahrt, denn es gibt ja keine Gänge. Nur wenn der stromsparende ECO-Modus gewählt worden ist, muss man sich erst an das stärkere Rekuperieren gewöhnen. Einfach ausgedrückt: Wenn man vom Gas geht oder auf einem Gefällestück unterwegs ist, lädt die Elektronik die Batterie auf. Als ob ein Geist für einen bremst. Doch sonst muss man sich überhaupt nicht umgewöhnen.

Leuchte fürs Tanken und Verriegelung gegen Langfinger

Die zweite Generation des Leaf ist nun ein echter Europäer geworden: straffer gefedert, präzisere Lenkung. So wie jedes gute andere Auto auch. Innen wich das frühere merkwürdige Beige einem seriös-edlen Schwarz, so wie es Europäer halt mögen. Dank neuer Sitze, die recht bequem sind, bietet der Fond 5,3 Zentimeter mehr Beinfreiheit, und jetzt passen die Schuhe unter die Vordersitze. Dazu gesellen sich sieben Außenfarben. Selbst an solche Kleinigkeiten hat man gedacht: Hinter der Ladeklappe für den Stromkabelanschluss sitzt nun eine kleine Leuchte, die im Dunklen das „Tanken“ erleichtert. Und jetzt lässt sich das Ladekabel zum Schutz gegen Langfinger sicher verriegeln.

Ladezeit: acht Stunden an der normalen Haushaltssteckdose; vier Stunden an einer neuen 32-Ampere-Station, die jedoch in Deutschland nicht erlaubt ist. Und an sogenannten Schnellladestationen dauert es nur 30 Minuten, bis die Batterie wieder zu 80 Prozent aufgeladen ist. Aber davon gibt es in Deutschland derzeit nur 24 Stück. Zum Vergleich: Im kleinen Estland findet man schon 124 dieser E-Säulen. Übrigens: 100 Kilometer elektrisches Fahren kostet je nach Stromtarif zwischen 2,30 und drei Euro und ist damit unschlagbar günstig.

Nissan fährt mit dem Leaf weiter voran in Sachen grüne Mobilität.
Nissan fährt mit dem Leaf weiter voran in Sachen grüne Mobilität.Foto: Hersteller

Musikliebhaber müssen im Topmodell Tecna beim Hören von Beethoven künftig nicht mehr wie gebannt auf die Reichweitenanzeige schauen: Die neue Bose-Soundanlage mit sechs Lautsprechern ist kleiner, leichter, benötigt nur noch die Hälfte an Strom, und klingt dennoch satt. Das erscheint im ansonsten extrem leisen E-Auto wie ein Extra-Genuss. Noch mal zum Anfang zurück: Der Leaf ist mit 58 000 Stück das meistverkaufte Elektroauto der Welt. Doch in Deutschland wurden im vergangenen Jahr gerade mal 512 Stück verkauft. Da stimmt doch was nicht, verehrte Bundesregierung. Eine Million Elektrofahrzeuge bis 2020?

Ein Blick in die Preisliste: Wer will, kann die Batterie leasen

Nissan gewährt seinen Kunden endlich eine Auswahl. Früher herrschte das Prinzip: ein komplett ausgestattetes Auto zum hohen Preis – oder nichts. Nun gibt es drei Versionen, dazu die Wahl, das Auto mit Batterie zu kaufen oder das Auto ohne Batterie zu kaufen und diese zu leasen. Damit fällt der Einstandspreis um 5900 Euro auf 23 790 Euro. Für 79 Euro im Monat kann der Akku für drei Jahre bei 12 500 Kilometer jährlicher Fahrleistung geleast werden. Die 32 690 Euro teure neue Acenta-Version (ohne Batterie 26 790 Euro) entspricht in etwa dem damals 33 990 Euro teuren Vorgängermodell. Und das 35 090 Euro teure Topmodell Tecna (ohne Batterie 29 190 Euro) bietet neuen, serienmäßigen Luxus wie Ledersitze, LED-Scheinwerfer, Bose Soundsystem und Einparkhilfe mit vier Kameras, die das Auto von oben zeigen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

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