Neuauflage des Nissan X-Trail : Die Zeichen der Zeit

Mit dem dritten Nissan X-Trail verlassen die Japaner den Pfad des schrotigen Budget-Geländewagens. Weniger ist mehr, ist das Motto. Was für die Motoren gilt, gilt allerdings auch für den Preis.

Patrick Broich
Glatt gebügelt: Die Ecken und Kanten hat der Nissan X-Trail 2014 großteils verloren.
Glatt gebügelt: Die Ecken und Kanten hat der Nissan X-Trail 2014 großteils verloren.Foto: Hersteller

Nissan X-Trail steht für Geländewagen durch und durch. Schon der Modellname verrät, was hinter dem Konzept eigentlich steht: Allradkompetenz pur. Und die Optik macht selbst Unbedarften klar, dass dieser Nissan keine Lifestyle-Kutsche für die Flaniermeile sein will. So war es zumindest bisher. Doch die Zeiten ändern sich, wie die Einführung des dritten Nissan X-Trail beweist. Plötzlich ist der Allrounder mit Frontantrieb erhältlich; plötzlich kommt er mit schneidig-moderner Optik daher, plötzlich ist er eben ein weichgespültes SUV. Das ist keineswegs schlimm, aber man muss es wissen. Man muss aber auch wissen, dass der jüngste Nissan freilich immer noch Allradantrieb haben kann. Auch die 4x4-Variante fährt in der Grundeinstellung allerdings mit nur einer angetrieben Achse, schließlich erhöhen unnötige Schleppmomente bei griffiger Fahrbahn nur den Spritverbrauch. Bei Bedarf erlaubt der Japaner eine feste 50:50-Verbindung, um schwierige Passagen abseits befestigter Straßen zu meistern. Dass er es mit der Kraxelfähigkeit dennoch nicht ganz so ernst meint, zeigt die Abwesenheit einer Geländereduktion.

Offroader pur war gestern, der neue Nissan X-Trail vereint Dinge wie Komfort, Technik und Wirtschaftlichkeit. So gibt es zur Zeit nur den bekannten Diesel mit 1,6 Litern Hubraum und 96 kW/130 PS. Damit gewinnt der Japaner keine Straßenrennen, ist aber ordentlich motorisiert und lässt den Fahrer auch auf der Überholspur am Berg nicht hängen. Wenn 320 Newtonmeter Drehmoment an den Antriebswellen zerren, ist der Vortrieb durchaus spürbar im Kreuz; dabei bleibt der Commonrail-Selbstzünder im Tonfall stets zurückhaltend, so dass Gespräche unter den Insassen kein Problem sind. Hohe Drehzahlen benötigt der kultiviert laufende Vierzylinder übrigens nicht, was einer schaltfaulen Fahrweise entgegenkommt. Mit einem gemittelten Verbrauch von 5,3 Litern (Allradversion) muss sich das SUV keinesfalls verstecken und vermeidet Verdruss an der Tankstelle. Später soll der ebenfalls aus diversen Nissan-Modellen bekannte 1,2-Liter-Benziner samt Aufladung als Alternative zum Diesel eingeführt werden. Ein mildes Fahrwerk unterstützt übrigens den Komfort auf der Langstrecke: Selbst aggressive Verwerfungen gelangen nur deutlich entschärft in die Fahrgastzelle. Ein um rund acht Zentimeter gewachsener Radstand macht das Verweilen in der zweiten Reihe auch für groß gewachsene Mitfahrer zum angenehmen Erlebnis - üppige Beinfreiheit ist hier selbstverständlich. Alleine in der optionalen dritten Reihe muss man sich deutlich einschränken - aber wer reist dort schon weit.

Preissenkung im Vergleich zum Vorgänger

Straffe Sitze mit hinreichend ausgeprägter Kontur sollen die Insassen selbst einige hundert Kilometer bei Laune halten. Darüber wurde auf Praxistauglichkeit geachtet: So bietet der Kofferraum einen innovativen doppelten Ladeboden mit ausgeklügelten Staumöglichkeiten. Getrost verzichten sollte man auf die als Sonderausstattung erhältlichen Lederpolster; stoffbespannte Stühle passen irgendwie besser zur sachlichen Innenarchitektur, die weniger durch ihre sparsam installierten Dekors als durch eine ausgeprägte Knöpfchenflut auffällt. Verspielte Naturen werden ihre Freude daran haben - allerdings steigt man nach kurzer Eingewöhnung auch ohne Informatik-Studium durch. Zwei TFT-Schirme untermauern den aktuellen Stand der Technik. Neben dem klassischen Monitor auf der Mittelkonsole für Navi und Co. sitzt zwischen den Rundskalen ebenfalls ein hochauflösendes Farbdisplay. Von hier aus lassen sich unter anderem die zahlreichen Assistenten steuern. Vom Auffahr-Warner inklusive automatischem Bremssystem über Müdigkeitserkennung bis zur Verkehrszeichenerfassung ist optional alles an Bord. Sogar bewegte Objekte hinter dem Fahrzeug (zum Beispiel unachtsame Menschen) werden von der Kamera erfasst und rufen Warntöne hervor.

LED-Hauptscheinwerfer runden die Technologie-Offensive ab. Mindestens 26 550 Euro möchte der Händler für den Nissan X-Trail haben. Damit kann er das schicke SUV preiswerter anbieten als den Vorgänger. Selbst die Allradvariante bleibt mit 2000 Euro Aufpreis noch immer unterhalb des alten Modells, das nicht unter 31 250 Euro zu haben war. Allerdings war dieses mit einem Leistungsspektrum zwischen 150 und 174 PS auch in einem anderen Fahrwasser unterwegs. Bleibt zu hoffen, dass Nissan hier noch eine Schippe drauflegen wird, um künftig - die 130 PS-Basis ist ja zweifellos berechtigt - auch die Kunden mit dem Leistungsniveau des Vorgängers bedienen zu können. Denn bei allem Respekt vor Wirtschaftlichkeit: Ein mittelgroßes SUV hat immer auch etwas mit Emotionen zu tun - und dazu gehört nun einmal auch appetitlicher Motorenbau. Beim kleineren Nissan Juke geht es doch auch.

Die großen Vier hängen alle ab
Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamtes 2013, um zu erkennen: Der Wolfsburger war auch im letzten Jahr Liebling der deutschen Autokäufer, führte die Statistik mit 244 249 Verkäufen segmentübergreifend mit weitem Abstand an. Auch auf den folgenden Plätzen landen erwartungsgemäß die großen Hersteller.Weitere Bilder anzeigen
1 von 46Foto: promo
04.02.2014 14:18Der VW Golf als Verkaufsschlager - statt Leser-Votings braucht es da nur einen Blick auf die Neuzulassungsstatistik des...

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

1 Kommentar

Neuester Kommentar