Neuauflage : Ford Focus: Facelift besser als bei Michael Jackson

Optisch aufgefrischt, technisch größtenteils der Alte: Wie ist Fords Kompaktem sein Facelift bekommen?

Wolfgang Gomoll
Ford Focus 2008
Viel Mondeo: Vor allem in der Front sieht man die Ähnlichkeiten des Ford Focus mit dem großen Bruder, Mondeo. -Foto: Ford

Im Leben einer Auto-Modellreihe gibt es meistens nach etwa drei bis vier Jahren eine Zäsur. Dann wird sie nämlich im Rahmen einer Modellpflege aufgefrischt. Sie erhält ein Facelift, wie es neudeutsch heißt. Beim Ford Focus, der 2004 eingeführt wurde, ist es jetzt soweit. Doch das Ford-Marketing packt die große Verbal-Keule aus und will von einer simplen Überarbeitung nichts wissen – von einem ganz neuen Ford Focus ist die Rede. Immerhin seien 1100 Teile beim Modell, das ab dem 23.Februar 2008 beim Händler steht, verändert worden.

Ford Focus 2008
Das Heck des neuen Focus gibt sich in der Titanium-Version sehr sportlich. -Foto: Ford

Äußerlich lässt der Kompaktwagen diesen Worten auch ausdrucksstarke Taten folgen. Das Design ist deutlich dynamischer als bisher. Vor allem die Front ist stark verändert und dem Ford Mondeo wie aus dem Gesicht geschnitten. Der trapezförmige untere Teil der Frontschürze und die spitz zulaufenden, tief in die Karosserie reichenden Scheinwerfer frönen Fords neuer Formensprache, die schon im Stand Bewegung ausdrücken soll. Neue Heckleuchten und eine wuchtigere, in Wagenfarbe lackierte Heckschürze runden den Auftritt ab.

Der Innenraum wurde ebenfalls überarbeitet. Die Rundinstrumente liegen in tieferen Röhren, in der getesteten Titanium-X-Version zieren Chromapplikationen die Armaturen und deren Zeiger. Alles wirkt solider, schaut auch besser aus als bisher, aber wirklich hochwertig ist das Interieur nicht. Das können andere besser. Die Hartplastik-Elemente könnten ein besseres Griffgefühl bieten, das Kunstleder-Lenkrad ist zu dünn. Dafür bieten die Sitze Seitenhalt und eine angenehme Sitzposition ist schnell gefunden. Auch hinter groß gewachsenen Fahrern kann man hinten bequem sitzen.

Das ist nichts Neues, denn der Radstand ist mit 2.64 Metern unverändert. Ebenso wie das gut abgestimmte Fahrwerk. Es ist sportlich straff mit genügend (Rest-)Komfort. Nur wirklich grobe Schläge kommen spürbar beim Fahrer an. Die elektro-hydraulische Servolenkung ist angenehm direkt, ohne zu nervös zu wirken. Der bekannte 136-PS-TDCI-Dieselmotor macht richtig Freude. Trotz seines bulligen Drehmoments von 320 Newtonmeter ist seine Kraftentfaltung gewohnt harmonisch. Die Overboost-Funktion erhöht das Drehmoment kurzfristig um 20 Nm.

Im Frühjahr 2008 folgen dann interessante Neuerungen: Der Ford Focus Econetic ist die Kölner Antwort auf VWs Blue-Motion-Offensive. Veränderungen an Karosserie und Reifen sollen im Zusammenspiel mit Leichtlauf-Getriebeöl, das alleine eine Verbrauchsminderung um 0,2 l/100 km bringen soll, die Verbrauchswerte des 109-PS-Diesels deutlich senken. Ergebnis ist laut Ford ein CO2-Ausstoß von 115 g/km. Ganz billig wird die Umweltspar-Variante allerdings nicht. Sie soll etwa 21 000 Euro kosten. Für 500 Euro weniger ist das Flexi-Fuel-Modell, das mit einem beliebigen Mischverhältnis von Super und Bio-Ethanol (E85) betankt werden kann, zu haben. Auch Erdgas-Fans kommen beim Focus weiterhin auf ihre Kosten.

Ford Focus 2008
Solide, aber nicht wirklich wertig: Der Innenraum des Focus in der Titanium X Ausstattung. -Foto: Ford

Ebenfalls im Frühjahr wird auch das gemeinsam mit Zulieferer Getrag entwickelte „Powershift“-Doppelkupplungsgetriebe im Focus für zusätzlichen, fast ruckelfreien Fahrspaß sorgen. Zwei Getriebeeinheiten werden kombiniert. Eines ist für die Gänge eins, drei und fünf zuständig und das andere für die Schaltstufen zwei, vier und sechs. Auf einen Drehmomentwandler wird verzichtet.

Dagegen gibt es das nützliche, so genannte Easy-Fuel-System bei allen Modellen serienmäßig. Es verhindert das Betanken mit falschem Kraftstoff. Zusätzlich sind eine manuelle Klimaanlage, beheizbare Außenspiegel, ESP und ein CD-Radio bei der Version „Style“ (ab 16 500 Euro) ohne Aufpreis an Bord.

 Bleibt nur noch die Frage, ob der Focus neu oder doch „nur“ das Resultat einer umfangreichen Modellpflege ist. Letzteres ist der Fall: Die grundlegende Technik bleibt trotz aller optischen Veränderungen unverändert. Es ist wie bei Michael Jackson. Auch der hat ja schon mit mehreren Facelifts versucht, sich optisch attraktiv zu halten, blieb aber im Inneren derselbe. Aber das ist ja bei den Qualitäten und dem ordentlichen Preis-Leistungs-Verhältnis des Focus nicht unbedingt schlecht – zumal ihm sein Facelift besser bekommen ist als dem Popstar.

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