Neuauflage : Turin feiert den neuen Fiat Cinquecento

Ein Kultobjekt aus den fünfziger Jahren feiert Wiederauferstehung: Pünktlich zum 50. Geburtstag präsentierte Fiat den neu aufgelegten 500, stilsicherer auch Cinquecento genannt. Die "Knutschkugel" aus der Nachkriegszeit kommt im Retro-Look, aber mit neuer Technik zu den Händlern.

Fiat 500
Die Knutschkugel im neuen Gewande: die Neuauflage des Fiat 500. -Foto: Fiat

TurinMit einer Riesenfete hat der Turiner Fiat-Konzern den Nachfolger des legendären "Cinquecento" präsentiert - und das pünktlich zum 50. Geburtstag der weltberühmten "Knutschkugel". Fast 20 Jahre lang, von 1957 bis 1976, ging der berühmte Wagen vom Band und war lange Zeit das Auto für Jedermann in Italien - Symbol des Wirtschaftswunders "alla Italiana". Der "Neue" ist mit einer Länge von 3,55 Metern und einer Breite von 1,65 Metern auch nur unwesentlich größer als der "Alte". Allerdings ist er mit seinen rund 100 PS etwas schneller als der weltbekannte "Teddybär": Der erste Cinquecento hatte gerade einmal 13 PS.

Zwar hatte sich das Autohaus bereits 1992 mit einem neuen Fiat 500 auf den Markt gewagt, jedoch ohne großen Erfolg. Das brandneue Modell ist hingegen ganz im Retro-Look gehalten und lässt nostalgische Gefühle aufkommen. Experten meinen deshalb, der Erfolg sei vorprogrammiert: "Es ist zu befürchten, dass der neue 500 den Smart vom italienischen Markt verdrängen wird", sagte Christoph Stürmer, Autoexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut Global Insight, der Financial Times Deutschland. Gebaut wird der Cinquecento zusammen mit Fords neuem Ka in Polen.

Fiat 500 soll der italienische iPod werden

Fiat 500
Mit dem Design sind die Italiener nahe an dem Original geblieben. Der 500 wird sich unterhalb des Panda in die Modellpalette...Foto: Fiat

Zur Feier in Turin ließ Fiat 7000 Gäste aus 63 Ländern einfliegen, 15 Chartermaschinen wurden eingesetzt, berichteten italienische Medien. Unter anderem kamen mehrere Minister sowie Promis aus Film, Fernsehen und Sport zur Präsentation. "Ich möchte, dass Fiat wie Apple bei den Computern wird. Und der Fiat 500 wird unser iPod sein", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. An der Mailänder Börse stieg die Aktie auf ein neues Jahreshoch und notierte am Morgen bei 23,05 Euro

Der "Fünfhunderter", der bis 1976 insgesamt 3,8 Millionen Mal gebaut wurde, ist viel mehr als ein Stück Autogeschichte. Er wurde zum Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg Italiens - plötzlich war auch für Normalitaliener ein Auto erschwinglich. Nicht einmal drei Meter war die "scatoletta" (das Schächtelchen) lang, gerade mal 1,30 Meter breit - da musste man einfach zusammenrücken und kam sich näher. Eine ganze Generationen von Italienern schaut noch heute fast wehmütig und voller Zartgefühl jedem "Cinquecento" hinterher - in dem Auto hat sie ihre ersten Liebesabenteuer erlebt. Manch einer fragt sich im Nachhinein, wie er das in der Enge geschafft hat.

Immer noch 600.000 Original-Cinquecento unterwegs

Fiat 500
Von Außen im Retro-Look, aber innen Technik von heute. In Italien soll der in Polen gebaute Kleinwagen vor allem dem Smart Kunden...Foto: Fiat

Längst ist der 500er zum Sammlerobjekt, zum Kultgefährt geworden. Noch immer kurven schätzungsweise 600.000 Italiener mit dem Zweizylinder von anno dazumal durch die Gassen. Vor ein paar Jahren drohte ihnen in Rom und anderen Städten das Aus. Der Grund: mangelnde Sicherheit und Umweltverschmutzung. "Ade lieber 500, du stinkst zu sehr", schrieb eine römische Zeitung weinerlich.

Ein alter Fiat 500 verschmutze die Luft so stark wie 300 moderne Kleinwagen zusammen, monierten Umweltschützer. Andere warnten, das bisschen Blech biete keinen Schutz, es gebe keine Knautschzone, von Sicherheitsgurten ganz zu schweigen. Aber als sich die Nostalgiker unter den Automobilisten zu Wehr setzten, hatten die Politiker ein Einsehen.

Liebhaberwerte von 4000 bis 5000 Euro

Also fahren sie noch, die kleinen Dinger - immer wieder bei der Carrozzeria (Werkstatt) penibel vom Rost befreit und liebevoll restauriert. Wer heute einen funktionierenden alten "Cinquecento" haben will, muss mindestens 4000 oder 5000 Euro hinlegen, viel mehr als damals vor 50 Jahren.

Jetzt will Fiat den Mythos des "Cinquecento" fürs heutige Geschäft nutzen: Klein, fein und ein bisschen knubbelig ist auch der Nachfolger. Allein die feierliche Präsentation des Neuen - verbunden mit einem nostalgischen Blick zurück - ließ sich das Turiner Autohaus laut italienischer Medien zwölf Millionen Euro kosten. 7000 Gäste waren für das Riesenfest geladen. 3,55 Meter lang und 1,65 Meter breit - auch in der neuen Version muss man zusammenrücken. Nur die inneren Werte sind etwas anders: Bis zu 100 PS hat der Neue, der erste "Cinquecento" hatte gerade mal 13. Und er bringt es auf 180 Stundenkilometer - die erste "kleine Schachtel" schaffte maximal 85. (mit dpa)

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