Neue Fahrzeuge, mehr Tankstellen : Wasserstoff kommt in Serie

Geforscht wird seit vielen Jahren, aber in Serie ist der Wasserstoffantrieb noch nicht gekommen. Doch für die Hersteller rückt das Ziel langsam näher, auch wenn die Probleme mit der Produktion und dem Tankstellennetz bleiben. Die Vorteile, vor allem gegenüber den reinen Elektroautos, überwiegen allerdings.

Tanken wie bei den Verbrennern: Wasserstoff hat den, vielleicht entscheidenden, Reichweitenvorteil gegenüber reinen Elektroautos. Allerdings ist die Produktion des Treibstoffs nicht ganz sauber.
Tanken wie bei den Verbrennern: Wasserstoff hat den, vielleicht entscheidenden, Reichweitenvorteil gegenüber reinen Elektroautos....Foto: dpa

Seit Jahrzehnten gilt Wasserstoff für die Autoindustrie als interessanter Energieträger. Er macht Fahrzeuge mit Brennstoffzelle zu Saubermännern, weil aus dem Auspuff nur noch Wasserdampf entweicht. Kein Kohlendioxid, keine Stickoxide, keine Partikel werden in die Luft gepustet. Doch zu kaufen gibt es Wasserstoffautos bislang nicht, obwohl Hersteller wie Honda, Mercedes, Opel oder Toyota seit Jahren Testwagen auf den Straßen haben. Das soll sich bald ändern.

Toyota plant für 2015 die Markteinführung eines Autos mit Brennstoffzelle für Privatkunden - auch in Deutschland. Dann sollen die ersten 10 000 Exemplare einer Serienfassung Konzeptfahrzeugs Toyota FCV-R ausgeliefert werden. Irgendwo unter 100 000 Euro dürfte sich der Preis für die Limousine einpendeln, sagt Pressesprecher Dirk Breuer. Zu technischen Daten hüllt sich Toyota noch in Schweigen.

Hohe Reichweite, schnelles Tanken

Mit einem Forschungsfahrzeug, das sechs Kilogramm Wasserstoff in vier Tanks unter einem Druck von 700 bar an Bord hat, sind Testfahrer 650 Kilometer weit gekommen. Damit wäre das Hauptproblem der Elektromobilität gelöst: die Reichweite. Und selbst das Tanken ist kein stundenlanger Ladeprozess, sondern dauert nicht länger als bei einem Benzin- oder Dieselmodell.

Auch Wasserstoffautos werden von Elektromotoren angetrieben - sofern nicht ein Verbrennungsmotor wie beim BMW Hydrogen 7 zum Einsatz kommt. Sie funktionieren dennoch anders, als herkömmliche batteriebetriebenen E-Fahrzeuge. An Bord ist in aller Regel eine Brennstoffzelle, die wie ein kleines Kraftwerk den Strom für den Antrieb produziert. Dabei oxidiert der Wasserstoff durch Zuführung von Sauerstoff, wobei Wasser und Strom entstehen. So kann pro Tankfüllung Elektrizität für mindestens 500 Kilometer erzeugt werden. Es gibt also nicht den limitierenden Faktor Batterie, der bei E-Autos aktuell nur rund 150 Kilometern zulässt.

Mercedes B-Klasse F-Cell "vor 2020"

Angesichts solcher Vorteile ist die Brennstoffzelle in den Entwicklungsabteilungen der Automobilhersteller längst kein Geheimtipp mehr. Toyota forscht seit 1991 am Thema Wasserstoff, Nissan, General Motors und Opel sowie Ford mischen ebenfalls mit. Und Daimler begann in den 1980er Jahren mit der Forschung, wie Madeleine Herdlitschka, Sprecherin für Umweltthemen im Konzern, erklärt.

2011 schickte Mercedes die B-Klasse F-Cell auf eine Weltumrundung, seit 2009 wird das Fahrzeug in einer Kleinserie produziert. Einige Hollywoodstars sind bereits mit dem Auto unterwegs. Beim Thema Markteinführungstermin hält sich das Unternehmen allerdings bedeckt, nachdem 2014 schon einmal als Zielmarke galt. „Vor 2020“ - nur so viel lässt sich Herdlitschka derzeit entlocken.

Energieaufwendige Herstellung

Bereits an Privatkunden verleast hat Honda ein Wasserstoffauto - allerdings nur in den USA und Japan. Der FCX Clarity war 2008 laut Hersteller das weltweit erste Brennstoffzellenauto, das in Serienproduktion ging. Hyundai produziert seit Ende 2012 mit dem ix35 FCEV ein Wasserstoffauto mit 100 kW/136 PS und einer Reichweite von knapp 600 Kilometern. Abgegeben wird das Auto bislang nur an kommerzielle Leasingnehmer in Korea. Bis 2015 sollen nach Auskunft von Sprecher Thomas Rauh jährlich 1000 Einheiten vom Band rollen. Anschließend sind 10 000 angepeilt.

Die Pläne der Autobauer legen nahe: Wasserstoff gilt als potenzielle Lösung der Mobilitätsprobleme von morgen, wenn das Erdöl zur Neige geht. Doch die Herstellung von Wasserstoff ist energieaufwendig. „Momentan wird Wasserstoff hauptsächlich aus Erdgas erzeugt“, schreibt Honda. Damit wäre die Mobilität der Wasserstoffautos doch nicht so blitzsauber, da bei der Produktion des Treibstoffs Schadstoffe anfallen.

50 Stationen reichen aus

Doch Wasserstoff kann per Elektrolyse auch aus Wasser hergestellt werden. Damit das sauber vonstatten geht, muss der dazu benötigte Strom regenerativ erzeugt werden. „Man könnte Wasserstoff gut in sonnenreichen Regionen über Solarpanel herstellen oder per Windkraft dort, wo es oft stürmt“, sagt VW-Sprecher Hartmuth Hoffmann. Die Wolfsburger betreiben eine Testflotte des Tiguan HyMotion in den USA und Deutschland. Mit der Serienproduktion eines eigenen Brennstoffzellenautos ist bei VW allerdings erst ab 2025 zu rechnen - mangels Infrastruktur: Es gibt hierzulande bisher nur um die 20 Wasserstofftankstellen.

Dieses Manko will die Clean Energy Partnership (CEP), ein Zusammenschluss von Unternehmen unter anderem aus der Energie-, Mineralöl- und Autobranche, beheben und in Deutschland bis 2015 das Versorgungsnetz auf 50 Zapfstationen ausbauen. Mercedes-Sprecherin Herdlitschka zufolge reicht das aus, „um jeden Ort in Deutschland mit einem Brennstoffzellenauto ohne große Umwege zu erreichen“. (dpa)

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