Auto : Neue Kombi-Nation

Renault stellt den Clio Grandtour vor – und bringt das Internet geschickt in die Klasse der Kompaktwagen.

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Hinten sieht man am gleich, ob ein neuer Kombi das Zeug dazu hat, ein Erfolg zu werden. Nun: Der Clio hat. Die Ladekante ist angenehm niedrig; der Kofferraum äußerst geräumig. Es gibt keine hereinragenden Radkästen, die das Beladen mit sperrigen Gegenständen behindern. Die Seitenwände sind nahezu glatt. Das gilt auch für die zweidrittel-teilbare Rückbank – die legt sich schön flach nieder und erzeugt eine planebene Fläche. Viele Kleinwagen produzieren beim Umlegen der Sitze eine Stufe, der Clio nicht: ein Kollateralnutzen des doppelten Kofferraum-Bodens, in dem sich Krimskrams verstecken lässt.

Mit 443 Litern Ladevolumen braucht sich der Grandtour, wie die Franzosen ihre Kombis nennen, in der Kompaktklasse nicht zu verstecken. Allerdings: Derlei Großzügigkeit geht auf Kosten mitreisender Fondpassgiere. Deren Knie scheuern schon heftig an einem durchschnittlich weit nach hinten gezogenen Fahrersitz. Wer darin Platz nimmt, hat dagegen beste Karten. Er schaut auf einen ebenso mutig wie geschickt gestylten Armaturenträger: farbige Inlays, Chromrähmchen und schwarzer Klavierlack ergeben ein sehr harmonische Bild. Renault hat nur die nötigsten Schalter und Knöpfe verbaut. Eine Wohltat. Gut bedienen lässt sich der Clio nämlich trotzdem – der Verdienst eines brandneuen Systems namens R-Link. Die alles-aus-einer-Hand-Lösung ist per mitgelieferter SIM-Karte ans Internet angebunden und führt Bordcomputer, Telefon, Musik und TomTom-Navi auf einem Touchscreen zusammen – und das konsequenter, als es die Konkurrenz tut. Die Anzeigen lassen sich individuell konfigurieren; Mails im Stand lesen und schreiben. Zudem bietet Renault einen eigenen App-Store an. Die bislang cleverste Anwendung bekommt automatisch geliefert, wer die 590 Euro Aufpreis zum bekannten MediaNav investiert: Ein Spar-Trainer, der endlich mal ohne übergagtes Tamagotchi-Gehabe auskommt So erfährt der Kostenbewusste exakt, wieviel Liter bei einer Tour zu Ikea durchgelaufen sind oder wieviele „Frei-Kilometer“ man sich durch zurückhaltendes Fahren erworben hat. Das Fahrverhalten wird permanent analysiert und fließt in eine Prozentzahl, die verrät, wieviel Spar-Potenzial noch im Fahrstil steckt – wenn die Tipps befolgt werden, die R-Link natürlich auch in petto hat.

Wem das zu pädagogisch ist, kommt aber auch so mit den kleineren Motoren Renaults leicht an die Fünf-Liter-Marke. Auf unserer Probierfahrt hat sich der „Energy dCi“ mit 90 PS eine Empfehlung verdient. Dessen gleichmäßige Kraftentfaltung und der ruhige Lauf machen selbst Anspruchsvolle froh. Für die teigige Handschaltung mit nur fünf Gängen gilt das leider ebenso wenig wie für das leicht poltrige Fahrwerk. Die positive Gesamtbilanz bleibt davon unberüht: Der Clio ist schnittig gezeichnet, packt für einen Kompakten richtig was weg, und gute Ideen für die Generation Smartphone liefert er auch. Marktstart ist am 6.April. Eric Metzler

Der Clio Grandtour kostet ab 13 800 Euro; der gelobte dCi 90 ab 19 100 Euro.

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