Neue Mobilitätsanbieter treffen Taxi-Gewerbe : Alles Uber oder was?

Uber und die Taxi-Verbände streiten sich auf einer Mobilitätskonferenz. Eigentlich schade, denn es gibt Wichtigeres. Ein Kommentar.

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Gastgeber Jens Wohltorf (l.), Geschäftsführer von Blacklane, zusammen mit dem Präsidenten des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbandes, Michael Müller (m.) und Uber-Deutschland-Chef Fabien Nestmann.
Gastgeber Jens Wohltorf (l.), Geschäftsführer von Blacklane, zusammen mit dem Präsidenten des Deutschen Taxi- und...Foto: dpa

Da ist Bewegung drin im Bereich der urbanen Mobilität. So viel wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Smartphone als Allzweckwaffe des digitalen Zeitalters hat so einige Revolutionen ausgelöst. In der Wirtschaft hat es einst mächtige Handygiganten wie Nokia zu Fall gebracht. Es hat aus Computer-Produzenten gigantische Konzerne entstehen lassen, die Produktpräsentationen zu weltumspannenden Messen der Hightech-Religion werden lassen. Und das Smartphone verändert derzeit unsere Mobilität, wie es zuvor wohl nur das Pferd und später das Auto vermocht haben.

Gute Gründe für eine Konferenz mit dem Titel "Mobilität im Wandel", die in dieser Woche in Berlin stattfand. Am Potsdamer Platz trafen sich zahlreiche und vor allem die namhaftesten aller Start-ups aus der Branche zum Dialog mit der klassischen Mobilitätswirtschaft. Dazu gehören Taxi-Unternehmen ebenso wie etwa Vertreter des öffentlichen Personennahverkehrs oder Mietwagen-Lobbyisten. Geladen hatte mit Blacklane das vielleicht erfolgreichste Berliner Start-up aus der Branche.

Uber produziert Schlagzeilen

Eigentlich die perfekten Zutaten für einen sinnvollen und längst überfälligen Dialog zwischen Offline- und Online-Sparte des Mobilitätssektors. Wenn, ja wenn da nicht Uber wäre. Kaum ein Tag ist in den letzten Wochen vergangen, an dem nicht neue Schlagzeilen über den US-Konzern die Zeitungen und Nachrichtenportale füllten. Uber wird verboten, Uber macht dennoch weiter, Uber erringt Teilerfolg und so weiter und so fort.
Alleine die Anwesenheit des Deutschland-Chefs, Sprechers und derzeitigen Alleinunterhalters Fabien Nestmann hatte neben zahlreichen Pressevertretern sogar Funk und Fernsehen zu der Konferenz gelotst. Alle wollten sehen, wie sich der dauergrinsende Nestmann der geballten Macht der Taxi-Branche stellt. Spektakel war angesagt, und das zieht immer in den Medien.

Leider hat dieser Konflikt jedes Panel und fast jeden Vortrag überschattet, der im Rahmen dieser ungemein sinnvollen Veranstaltung gehalten wurde. Dabei hätte es viel Wichtigeres gegeben als den Konflikt zwischen Uber und den Taxi-Verbänden. Für das Establishment des Mobilitätssektors war es ein Leichtes, immer wieder auf den ausgemachten Bösewicht zu zeigen und Uber kriminelles Handeln vorzuwerfen. Da muss man sich nicht mit den zahlreichen anderen Angeboten beschäftigen, die nachhaltiger, sinnvoller und weitaus wichtiger sind als das von Google unterstützte kalifornische Unternehmen. Keine Frage, Uber kommt derzeit eine bedeutende Rolle zu. Allerdings nicht auf dem Markt. Denn niemand weiß so recht, wie viele Fahrten zum Beispiel in Berlin tatsächlich über Uber abgewickelt werden, wie viele Fahrer auf der Straße sind und welche Umsätze gemacht werden.

Das verrät uns das in den Niederlanden ansässige Unternehmen nicht und es keimt doch manchmal der Verdacht auf, dass sich da einer wichtiger macht, als er tatsächlich ist. Aber an Uber brechen sich derzeit die Wellen der Empörung, und so macht der Dienst den Weg frei für eine überfällige Reform vieler Regularien, die nicht selten einen besitzstandswahrenden Charakter haben. Das ist im Grunde das Bedeutsamste an Uber, denn in deren Fahrwasser können sich andere Start-ups freischwimmen, die es sonst ihrerseits mit der Macht der Etablierten zu tun bekommen hätten. Gerade Jens Wohltorf, Gastgeber und Geschäftsführer von Blacklane, kann davon ein Lied singen.

Uber, die große Unbekannte

Aber wer weiß, ob die Strategie von Uber langfristig wirklich aufgeht? Gesetze bewusst brechen, eindeutige Rechtslagen negieren, um den rechtlichen Rahmen im eigenen Sinne zu verändern, ist eine Möglichkeit, die es nur dann gibt, wenn milliardenschwere Konzerne den Rücken stärken. Jedes kleine Start-up hätten die Verbände auf rechtlichem Wege wohl sofort hinweggefegt. Vielleicht wird sich aber in fünf Jahren kaum noch jemand an Uber erinnern. Entweder weil sie sich Recht und Gesetz am Ende beugen müssen und somit ein Unternehmen wie jedes andere werden. Oder weil die Taktik, zumindest hierzulande, nicht aufgeht und Uber einfach verschwindet. Vielleicht überrollt Uber am Ende auch tatsächlich den gesamten Markt und die schlimmsten Befürchtungen werden wahr, wir werden es sehen.

Für die Konferenz, bei der auch ausgesprochen erfolgreiche und wirtschaftlich nachhaltige Unternehmen wie etwa Moovel, Carpooling.com, MyTaxi oder eben Blacklane Gelegenheit hatten, sich zu zeigen und in den Dialog zu treten, war der Streit zwischen Uber und den Taxen Fluch und Segen zugleich. Wohl kaum hätte die Veranstaltung ohne die Streithähne so viel Aufmerksamkeit bekommen. Aber der Konflikt überschattete gleichzeitig fast jeden sinnvollen Dialog. So bleibt zu wünschen, dass die Veranstaltung nicht die letzte ihrer Art war und beim nächsten Mal die aufgebrachten Taxi-Leute ebenso zu Hause bleiben wie Uber. Dann können die Vernünftigen, auch Vertreter der Taxi-Verbände, darüber diskutieren, wie unsere Mobilität der Zukunft aussehen kann. Das mag langweiliger sein und bringt sicher weniger Schlagzeilen. Angebracht und wichtig wäre es allemal.

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