Neue Offensive : Volvo: Den Abstand verringern

Lange Jahre war Volvo Pionier in Sachen Sicherheitstechnik. In letzter Zeit allerdings war es ruhig – eine Offensive soll das ändern

Stefan Robert Weissenborn

Volvo bedeutet: "Ich rolle". Auch wer die lateinische Übersetzung nicht parat hatte: Lange Zeit lang war Volvo nahezu gleichbedeutend mit "Volvo secure" – "Ich rolle sicher": Die Schweden setzten früh auf dickes Blech und gute Crashsicherheit. Schon 1959 brachte Volvo als erste Marke den Dreipunktgurt als Serienausstattung in allen Pkw-Modellen, auch in Sachen Kopfstützen und Seitenaufprallschutz war man Pionier. Was derzeit bei Volvo an Fahrassistenzsystemen zu haben ist, geht jedoch nicht über das Angebot der Konkurrenz hinaus. Da gilt es, Terrain gut zu machen. In den kommenden fünf Jahren wollen die Schweden neue Features zur Serienreife bringen. Welche das sein sollen, hat man jetzt schon einmal vorgestellt.

WAS HEUTE GEHT

Driver Alert Control (DAC): Kamera und Sensoren überwachen den Abstand zur Fahrbahnmarkierung. Wird ein Kontrollverlust erkannt – etwa unregelmäßige Lenkbewegungen – wird der Fahrer akustisch gewarnt. Hand in Hand arbeitet DAC mit Lane Departure Warning (LDW), das sich meldet, wenn die Spurmarkierung ohne ersichtlichen Grund gekreuzt wird. Beide Systeme greifen ab 65 km/h. Auch andere Hersteller, darunter Audi, Citroen, Mercedes und BMW, bieten Vergleichbares an.

Collision Warning with Autobrake (CWAB): Steht eine Kollision bevor, warnt das System optisch und akustisch und leitet schließlich eine Notbremsung ein. Gekoppelt ist das mit der Adaptive Cruise Control (ACC), einem Tempomat mit Abstandsradar, das die Distanz zum Vordermann konstant hält. Bei Lexus nennt sich die vergleichbare Lösung "Pre-Crash-Brake-Assist", bei Audi "Audi Braking Guard".

Blind Spot Information System (BLIS): Warnt den Fahrer vor Objekten im toten Winkel. Erkennt eine Kamera etwa ein überholendes Auto, leuchtet ein Lämpchen im Außenspiegel auf. Beim neuen A4 ist der „Audi Side Assist“ wachsam.

WAS MORGEN KOMMEN SOLL

City Safety: Typische Stadtunfälle bei niedriger Geschwindigkeit sollen mit dem System vermieden werden. Bremst ein voraus fahrendes Fahrzeug plötzlich ab, wird der Fahrer wie beim DAC gewarnt. Bleibt die Reaktion aus, wird auch hier automatisch voll abgebremst. Bei bis zu 15 km/h kann ein Unfall verhindert werden. Zwischen 15 und 30 km/h wird der Aufprall abgemildert. Anders als DAC arbeitet das System mit einem Laser, der nahe dem Innenspiegel in die Frontscheibe integriert ist und einen Bereich von bis zu sechs Metern Entfernung scannt. In Entwicklung ist ebenso ein System mit Weitwinkelmessung, das Menschen neben der Fahrbahn „sieht“. City Safety soll in zwei Jahren verfügbar sein. Eine vergleichbare Lösung (auf Basis einer Infrarotkamera) kommt bei Lexus bereits zum Einsatz.

Collision Avoiding by Auto Steering: Zusätzlich zu Warnsignalen bei ungewollter Überkreuzung der Fahrbahnmarkierung ist das System in der Lage, einem Hindernis automatisch auszuweichen. Ist das Auto auf Kollisionskurs, soll der Wagen durch automatische Lenkkorrekturen wieder in die richtige Spur gebracht werden.

Vehicle-to-Vehicle-Communication: Bei diesem System kommunizieren Autos untereinander über ein drahtloses Netzwerk. Ausgetauscht werden Informationen wie Geschwindigkeit, Beschleunigung, Lenkradwinkel und GPS-Koordinaten, die bis auf einen Meter genau sein sollen. Erfasst wird ein Umkreis von 600 Metern. Geplant ist, den Fahrer früher über rutschige Straßen oder Staus in Kenntnis zu setzen. Bei Kollisionsgefahr könnten so ein bis zwei Sekunden gewonnen werden. Problematisch ist die Entwicklung von Standards gemeinsam mit anderen Marken. Auch Mercedes, Ford, BMW und VW forschen in dem Bereich.

FAZIT

Hatte Volvo lange bei der Sicherheit einen Vorsprung vor den meisten Konkurrenten, so begnügt man sich heute mit der Aussage: „Wir können mithalten“. Allerdings soll sich das wieder ändern: Jedes neue Auto von Volvo werde bald das zu seiner Zeit sicherste sein, sagt Volvo Car Group-Kommunikationschef Olle Axelson. Allein ein Nachtsicht-Assistent ist nicht in Planung. Trotzdem kann man gespannt sein, ob sich die Systeme wie geplant realisieren lassen. Und: Auch die anderen werden nicht untätig sein.

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