Neuer Honda Civic : Der will sich zeigen

Auffälliges Äußeres, viel Raum und komplett neue Motoren: Honda überrascht mit dem neuen Civic.

Schnell in der Kurve: Der Honda Civic.
Schnell in der Kurve: Der Honda Civic.Foto: Promo

Länger, breiter und dafür niedriger – so dimensioniert man Ambitionen. Die bereits zehnte Generation des Honda Civic will damit seinen Platz auf der Straße ganz neu vermessen: dynamisch, unverwechselbar und mit viel Raum für die ganze Familie. Und die Japaner, die im vergangenen Jahr in Deutschland ein Wachstum um 18 Prozent verzeichneten, können beim neuen Modell auf eine große Tradition vertrauen. Wer in über 40 Jahren seit dem Modellstart 1973 fast 19 Millionen Civics gebaut hat, kann nicht alles falsch gemacht haben. Wohl auch, weil Honda immer wieder neue Wege gegangen ist. Bei der neuen Generation, die jetzt auf den Markt kommt, etwa beim kompletten Verzicht auf den Saugmotor. Dafür gibt es nun als kleinstes Aggregat einen turbogeladenen Dreizylinder mit einem Liter Hubraum, ergänzt um einem Vierzylinder mit 1,5 Liter Hubraum – ebenfalls mit Turbo. Ende des Jahres soll ein Diesel folgen. Mehr Motoren gibt es nicht. Ende der Ansage.

Der neue Honda Civic.
Der neue Honda Civic.Foto: Promo

Honda hat vieles anders gemacht, und manches so gut, wie man es in dieser Klasse eher kaum erwarten würde. Da meint man sich in der Kompaktklasse fast auf Augenhöhe mit dem Volkswagen Golf zu sein. Der fällt einem des öfteren ein. Vor allem, was den Platz angeht. Der Civic ist mit 4,52 Meter um fast 13 Zentimeter länger geworden, (und damit 26 Zentimeter länger als der Golf) und auch drei Zentimeter breiter. Das merkt man im Innenraum deutlich. Weil der Tank – was eh eine eigenartige Lösung war – nun nicht mehr unter den Vordersitzen untergebracht ist, sitzt man in der ersten Reihe nun deutlich niedriger – und besser. Die zwei Zentimeter, die der neue Civic nun flacher ausfällt, gehen deswegen nicht zu Lasten der Kopffreiheit. Aber auch auf der hinteren Sitzbank haben die Passagiere noch genügend Kopffreiheit. Dahinter folgt ein Kofferraum mit 480 Liter Fassungsvermögen – was fast 100 Liter mehr sind beim Golf. Wenn die Rücksitze umgeklappt sind – was mit einem Handgriff möglich ist – dann hat man stramme 1300 Liter Kofferraum zur Verfügung. Eine pfiffige Idee ist die Kofferraumabdeckung, die nicht wie üblich an den Rücksitzen befestigt ist, sondern seitlich, und deshalb beim beladen nicht stört.

Und von hinten: Der neue Honda Civic.
Und von hinten: Der neue Honda Civic.Foto: Promo

Bloß nicht verstecken, das ist die Devise des Civic. Der will auffallen. Vorne eine kräftige Frontpartie, die mit seinem breiten Scheinwerfern und dem integrierten Griff wie ein breit lächelnder Mund wirkt, darunter die massiv-bratzigen Lufteinlässe, die zwar völlig sinnfrei sind, aber dem Civic einen sportlichen Touch verpassen sollen. Der etwas länger gewordenen, ausdrucksstark über den Reifen gekurvten Fronthaube folgt eine ausgeprägt-gefalzte Blechlinie. Die relativ groß dimensionierten Räder tragen zum sportlichen Ausdruck bei. Von hinten dominieren die extrem massiven Rücklichter, die ein Spoiler miteinander verbindet. Nicht zu vergessen auch hier die gefakten Lufteinlässe. Wer die 1,5 Liter-Version wählt, bekommt zwei mittig sitzende Auspuffrohre spendiert, die dem Civic noch ein wenig mehr aggressive Optik verleihen.

Der Honda Civic 2017.
Der Honda Civic 2017.Foto: Promo

Große Touchscreen-Displays - angenehm einfach zu bedienen

Drinnen aber geht es ganz anders zu. Das schwarz gehaltene Interieur ist sachlich schlicht, die Materialien sind gut verarbeitet. Über dem knuffig-kleinen Multifunktionslenkrad sitzt nun – auch das ein Wechsel im Ausdruck gegenüber des Vorgängers – eine elektronische Anzeige, die in einem großen Halbrund die Drehzahl anzeigt, darunter wird in großen Ziffern die Geschwindigkeit eingespielt. Die Vordersitze sind angenehm straff, die Rückbank dafür schaumstoffmäßig einfacher gehalten. Über der Mittelkonsole, die sehr viel Stauraum für Getränkebecher und anderen Kleinkram bietet, hängt das sieben Zoll große Touchscreen-Display. Das ist angenehm einfach zu bedienen, was den Ablenkungsfaktor reduziert. Wer will, kann über die entsprechenden Knöpfe am Multifunktionslenkrad die Funktionssymbole auch auf das große Anzeigeinstrument holen. Die Smartphone-Einbindung fällt dagegen etwas hausbacken aus. Zwar kann – gegen Aufpreis – das Smartphone in einer Mulde kabellos aufgeladen werden. Konnektivität aber ist nur mit einer zusätzlichen Kabelverbindung möglich.

Der Honda Civic in Weiß.
Der Honda Civic in Weiß.Foto: Promo

Was optisch von außen nahezu aggressiv daher kommt, wird hinterm Steuer zu einer gutmütigen Familienkutsche. Vor allem, wen man den Ein-Liter-Motor wählt. Der Dreizylinder bringt zwar dank des Turbos erstaunliche 129 PS ans Gaspedal, doch in Verbindung mit dem für 1300 Euro Aufpreis erhältlichen CVT-Automatikgetriebe wird der Civic nicht unbedingt zum Pistenstürmer – egal, ob man den Econ-Modus oder die Dynamic-Variante einstellt. Weil das CVT-Getriebe bestrebt ist, die Drehzahlen zwecks geringerem Verbrauch niedrig zu halten, gibt es ein deutliches Beschleunigungsdefizit. Da ist es ein Glück, das man mit den Schaltpaddeln am Lenkrad manuell runterschalten kann, um richtig Drehmoment an die Räder zu bringen. In diesem Fall meldet sich der Motor freilich hörbar zu Wort, und die Drehzahl geht munter in die Höhe. Wer so fährt, dürfte den angegebenen Verbrauch von 6,5 Liter wohl verpassen.

Der Honda Civic 2017.
Der Honda Civic 2017.Foto: Promo

Wer mehr will: Die volle Dosis Spritzigkeit gibt es dafür mit dem 1,5-Liter-Motor mit 182 PS. Damit wird der Civic zur heißen Schleuder, besonders in Verbindung mit dem serienmäßigen Sechs-Gang-Schaltgetriebe. Der Diesel soll erst Ende des Jahres kommen; ein Termin steht noch nicht fest.

Auf den Markt kommt erst einmal die Fließheck-Version des Civic. Die Stufenheck-Limousine gibt es ab Ende Mai. Eine Kombi-Version, so wird von Honda bestätigt, soll es erstaunlicherweise nicht geben.
Die Preise für den Civic S beginnen bei 19 990 Euro, wobei die Grundausstattung durchaus passabel zu nennen ist. Dafür gibt es etwa den aktiven Spurhalteassistenten, Fernlicht-Assistent, eine adaptive Geschwindigkeitsregler mit intelligentem Tempobegrenzer, ein Kollissionswarnsystem mit aktivem Bremseingriff und Fußgängererkennung und eine Verkehrszeichenerkennung. Der von uns gefahrene 1,0 VTEC Turbo Elegance mit VCT-Automaticgetriebe steht mit 26.470 Euro in der Liste. In diesem Paket enthalten ist dann auch ein Auspark-Assistent, eine Einparkhilfe vorne und hinten, sowie ein Toter-Winkel-Asisstent. Viel Auto fürs Geld also. Volkswagen muss nicht zittern, aber für manche Kunden wird der Civic durchaus eine Alternative zum Golf sein.

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