Neuer Jaguar XE : Erfinderisch in die Mitte

Jaguar bringt mit dem XE britischen Stil ins Mittelklassesegment. Die Limousine soll den deutschen Platzhirschen einheizen - mit alter Klasse und einem besonderen Trumpf.

David Digili
Selbstbewusster Engländer: Der neue Jaguar XE.
Selbstbewusster Engländer: Der neue Jaguar XE.Foto: Promo

Sie strotzt vor Selbstbewusstsein, diese Raubkatze. Elegante, schlanke, sportliche Formen, ein aggressiver Blick, ein kraftvoller Antritt - angriffslustig ist sie und soll die Großen jagen. Die Zielsetzung war klar, als Jaguar vergangene Woche in London mit großem Tam Tam den neuen XE vorstellt. Aber Aufmerksamkeit will, muss eben trommeln. Und die Mittelklasselimousine hat eine schwere Aufgabe vor sich: Im umkämpften Markt der deutschen Platzhirsche soll sich der feine Brite behaupten. Er soll sich der E-Klasse von Mercedes, dem Audi A6 und dem Platzhirsch, dem Fünfer von BMW, stellen. Noch vor wenigen Jahren wäre ein solches Unterfangen einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen.

Kaum zu glauben, dass es Zeiten gab, in denen Autos der britischen Traditionsmarke noch als „verkappter Ford“ belächelt wurden - Jaguar, einst geschätzt und geliebt für rassige Sportwagen und edle Limousinen, hatte schwer unter der Eingliederung in den US-Konzern zu leiden. Design- und Autoikonen wie der E-Type standen jahrzehntelang für Fahrspaß und Klasse von der Insel, die unheilige Allianz 1989 zwängte dann - nach wirtschaftlich guten 90er Jahren - Ford-Motoren in wenig schicke Fabrikate, ein völlig missratenes Formel-1-Engagement um die Jahrtausendwende tat sein Übriges zur finanziellen Schieflage. Erst mit dem Kauf der Marken Jaguar und Landrover durch den indischen Industriegiganten Tata im Jahr 2007 entwickelte das einst so angriffslustige Raubtier neuen Biss, erfreut Kunden und Experten seitdem mit Qualität, mit Innovationen - und Autos, die mehr als nur eine Alternative zum deutschen Luxus-Establishment sein sollen.

Eleganz im Innenraum: Der Jaguar XE zeigt sich auch innen von seiner besten Seite.
Eleganz im Innenraum: Der Jaguar XE zeigt sich auch innen von seiner besten Seite.Foto: Promo

Premiere der "Ingenium"-Motoren

„Wir vergessen nie, dass wir einen Jaguar kreieren“, sagt Chefdesigner Ian Callum nun. „Das bedeutet, er muss genauso aufregend anzusehen und zu fahren sein, wie auch günstig zu unterhalten und praktisch zu nutzen.“ Das ist ein Spagat, der nur schwer zu meistern ist. Dass es geht haben die Briten allerdings durchaus schon gezeigt. Mit der Oberklasse-Limousine XJ etwa oder dem breit aufgestellten XF, den es sogar als Kombi gibt.

Um 36 500 Euro soll der XE bei seiner Markteinführung 2015 wohl kosten - und wie in besten Jaguar-Zeiten auf neueste Technik setzen: Die stolze 4,67 Meter lange Karosserie ist segmentweit das erste Modell, das fast komplett aus Aluminium besteht - zu 75 Prozent, wie das Unternehmen betont. Unter der Haube aber wartet die Hauptattraktion: Im XE feiert die „Ingenium“-Motorenfamilie ihre Premiere - die Aggregate sollen Höchstleistung bringen, dennoch aber jede technische Möglichkeit zur Verringerung des Verbrauchs nutzen. So sollen in der für einen späteren Zeitpunkt angekündigten Sportversion Geschwindigkeiten von über 300 Stundenkilometen möglich sein - bei gleichzeitig niedrigen CO2-Emissionen.

Antrittsstark: Die Benziner-Topversion bietet 340 PS und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in doch zügigen 5,1 Sekunden.
Antrittsstark: Die Benziner-Topversion bietet 340 PS und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in doch zügigen 5,1 Sekunden.Foto: Promo

Günstiger Einstiegspreis - für Jaguar-Verhältnisse

Das ist aber noch Zukunftsmusik. Vorerst gibt es einen 163-PS-Diesel als Einstiegsmodell, die Benziner-Topversion bietet 340 PS und eine Beschleunigung von 0 auf 100 in doch zügigen 5,1 Sekunden. Zugpferd der Marketingkampagne zudem: Der relativ günstige Einstiegspreis von weniger als 40 000 Euro. Der liegt zwar noch immer knapp über denen der Konkurrenz, doch Motorleistung, Aluminiumkarosserie und hochwertig verarbeiteter Innenraum mit viel Leder sollen die Ausgabe für den angriffslustigen Briten rechtfertigen. Selbstbewusst eben. Und: Hey, es ist eben ein Jaguar!

Auf dem Pariser Automobilsalon (4. bis 19. Oktober) feiert der XE seine Publikumspremiere. „Ingenium“ heißt aus dem Lateinischen übersetzt übrigens „schöpferische Begabung“ oder auch „Erfindungsgabe“ als Synonym. Sie strotzt wirklich vor Selbstbewusstsein, diese Raubkatze.

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