Neues vom Caravan Salon 2015 : Am besten mit Smartphone und Allrad

Die Campingbranche erholt sich zusehends. Der Caravan Salon in Düsseldorf zeigt einen klaren Trend zu kompakten Wohnmobilen und Camping-Bussen mit viel Hightech.

Gerhard Prien
Kompakt ist in auf dem Caravan Salon 2015. Der Hymer Van 314 zeigt den Trend zu eher kompakteren Reisemobilen. Dennoch hat er eine Heckgarage unterm Bett.
Kompakt ist in auf dem Caravan Salon 2015. Der Hymer Van 314 zeigt den Trend zu eher kompakteren Reisemobilen. Dennoch hat er eine...Foto: Hersteller

Seit 2014 geht es den Herstellern von Reisemobilen und Caravans wieder besser. Nach einigen Jahren mit Rückgängen im zweistelligen Prozentbereich in den wichtigsten Exportmärkten sorgt die heuer wieder anziehende Nachfrage für tiefes Durchatmen und erfreute Gesichter. Verständlich, dass sich die Branche jetzt erst mal mit größeren Investitionen in komplett neue Baureihen - noch - etwas zurückhält. Aktuell werden vornehmlich Baureihen gestrafft, schwach nachgefragte Modelle gestrichen und die verbleibenden im Detail verbessert.

Der Trend zum Kompakten

Bei den Marktanteilen liegen die Teilintegrierten und Camping-Busse nach wie vor ganz weit vorne in der Käufergunst. Ausgebaute Kastenwagen sind gefragt, nicht nur in Deutschland. Der VW T6 bringt durch den Modellwechsel frischen Wind in die Klasse der kleinen Campingbusse ohne Naßzelle.

Ähnlich gut wie die Camping-Busse verkaufen sich die Teilintegrierten, oft auch als Vans bezeichnet. Sie sprechen eine ähnliche Zielgruppe an, nämlich Reisende, die Wert auf ein halbwegs kompaktes Fahrzeug legen. Solche Wünsche erfüllt beispielsweise der neue Hymer Van 314. Das rund fünfeinhalb Meter lange Fahrzeug tritt mit Querbett im Heck und einer darunter liegenden Garage an. Einen halben Meter länger, aber recht schmal kommt beispielsweise der Compact von Adria daher.

Sechs statt neun Meter: Kastenwagen wie das Bürstner City Car sind einer der großen Trends auf dem Caravan Salon.
Sechs statt neun Meter: Kastenwagen wie das Bürstner City Car sind einer der großen Trends auf dem Caravan Salon.Foto: dpa

Damit trotz handlicher, kompakter Abmessungen auch mal vier Personen in einem Mobil übernachten können, greifen immer mehr Hersteller zu absenkbaren Hubbetten, die auf dem Caravan Salon immer häufiger anzutreffen sind. So können auch die Kinder oder - in vermutlich noch mehr Fällen - die Enkel mit auf Reisen gehen. Bei einigen Herstellern gehören absenkbare Bugbetten zur Serienausstattung, bei anderen muss der Kunde einen gewissen Aufpreis zahlen. Bei Bürstner, wo man einst die absenkbare Schlafstatt serienreif machte, gibt es das Hubbett - etwa im Bürstner Brevio - jetzt auch im Heck.

Bei der Ausstattung wird nicht geknausert

Der hart umkämpfte Markt bringt auch immer wieder Einstiegspreise mit sich, von denen die meisten Kunden mittlerweile wissen, dass es sich um reine Mondpreise handelt. Mit nützlichen Zusatzausstattungen oder Chassis-, Elektrik- oder Komfort-Paketen steigen die vermeintlichen Schnäppchen rasch um höhere vier-, wenn nicht gar fünfstellige Beträge. Da scheint es mutig, wenn nun einige Hersteller wie beispielsweise Hobby verstärkt auf faire Preise für Komplettausstattungen setzen, bei denen - etwa im Rahmen von Sonderserien - teilweise auch Markise und Navi mit an Bord sind. Dem Kunden soll der Kauf bei solchen All-inclusive-Angeboten schmackhaft gemacht werden.

Denn der Reisemobilist setzt ohnehin auf komplette Ausstattung. Das betrifft nicht nur die Unterhaltungstechnik, sondern auch die Ausstattung des Basisfahrzeugs mit Sicherheits- und Assistenzsystemen. Obendrein werden derzeit verstärkt digitale Bedienungshilfen angeboten, mit denen sich technische Komponenten wie Heizung, Klimaanlage oder Kühlschrank bequem per Smartphone oder Handy - auch aus der Distanz - steuern lassen. Ob das nun nützlich und sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Jedenfalls stellen die Hersteller von Jahr zu Jahr mehr Hightech auf dem Caravan Salon zur Schau.

Alles an Bord: Der Fendt Brillant 650 gehört eher zu den Luxusmodellen auf dem Caravan Salon. Modelle wie dieses zeigen eindrucksvoll, wie viel Wert Camping-Liebhaber auf die Ausstattung legen.
Alles an Bord: Der Fendt Brillant 650 gehört eher zu den Luxusmodellen auf dem Caravan Salon. Modelle wie dieses zeigen...Foto: dpa

Dabei sind die Reisemobilisten durchaus bereit Geld auszugeben - wenn sie es für sinnvoll halten. Das ist beispielsweise bei der Allrad-Technik der Fall. So hat Volkswagen etwa von seinem California beim Vorgänger-Modell T5 einen Anteil von mehr als 50 Prozent mit dem 4Motion-Antrieb ausgeliefert. Bezeichnend auch, dass einige Hersteller wie la Strada oder Hymer auch mit dem ab Werk nicht zu bekommenden Allradantrieb für den Fiat Ducato und seine Brüder von Citroën und Peugeot experimentieren oder Allrad gegen Aufpreis anbieten. Neuen Schub dürfte diesem Segment auch der neue Iveco Daily 4x4 geben.

Allrad wird immer beliebter

Überhaupt nimmt die Bedeutung des 4x4-Antriebs für Freizeit-Fahrzeuge ständig zu. Die Anteile sind zwar nicht überall so hoch wie bei VW, aber sie wachsen. Einerseits sucht der Reisemobilist eine Traktionshilfe, die ihm auch das Verlassen einer in der Nacht durch Starkregen völlig durchweichten Wiese ermöglicht, andererseits wollen auch immer mehr Camper ausgefahrene Wege verlassen und auch mal andere Kontinente bereisen. Etwa mit einem Expeditionsmobil. Das kann dann durchaus sechs-, im Extremfalle auch schon mal siebenstellige Euro-Beträge kosten. In gleicher Höhe bewegen sich die Kaufpreise der großen Luxus-Mobile, deren Abmessungen schon mal an einen Reisebus heranreichen.

Reisen - selbst mit Allrad - lässt sich aber auch für „Normalverdiener“ realisieren. Vom Trend zum Allradantrieb profitieren beispielsweise auch Anbieter wie Bimobil, Nordstar oder Tischer. Sie offerieren absetzbare Wohnkabinen für Pick-Ups und Pritschenwagen. Ihr großer Vorteil: Der Pick-Up kann im Alltag auch ohne die Wohn-Box genutzt werden und erspart so den Zweitwagen.

Der Caravan Salon in den Düsseldorfer Messehallen ist von Samstag, 29. August, bis Sonntag, 6. September 2015, jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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