Neuwagen : Immer durstiger als im Prospekt

Autokäufer können sich nicht blind auf die Herstellerangaben zu den Umwelteigenschaften von Neuwagen verlassen. Daran stößt sich der Verkehrsclub Deutschland und kritisiert Herstellerangaben.

Autokäufer können sich nicht blind auf die Herstellerangaben zu den Umwelteigenschaften von Neuwagen verlassen. Daran stößt sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Es ist immer wichtig, dass man die Angaben nochmal verifiziert“, so Gerd Lottsiepen. Dem VCD-Sprecher stößt vor allem auf, dass sich die Angaben der Autobauer zum Verbrauch in der Praxis kaum jemals erreichen lassen. Erfahrungsgemäß lägen sie zehn bis 20 Prozent unter den im Alltagsbetrieb üblichen Werten – bei schneller Fahrweise oder Dauerbetrieb der Klimaanlage und anderen Leistungsfressern wird die Differenz sogar noch größer.

Hintergrund für die Abweichungen ist, dass zur Ermittlung des Durchschnittsverbrauchs der sogenannte Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ) zugrunde gelegt wird – eine festgelegte simulierte Fahrstrecke, anhand der auf dem Prüfstand die Verbrauchswerte ermittelt werden. Die Rahmenbedingungen dieses genormten Messverfahrens haben jedoch mit denen der alltäglichen Fahrpraxis von Verbrauchern kaum etwas gemein.

Hohe Autobahngeschwindigkeiten werden etwa ebenso wenig berücksichtigt wie Kaltstarts sowie zugeschaltete Klimaanlagen und andere Stromverbraucher. Dennoch arbeitet auch der VCD mit den Herstellerangaben – zum Beispiel für die Erstellung seiner Umweltliste, die in dieser Woche präsentiert wurde. „Es sind die einzigen Daten, die miteinander vergleichbar sind“, so Lottsiepen. Im Vergleich der Werte verschiedener Autos sagten sie schon etwas darüber aus, welches Auto sparsamer und damit umweltfreundlicher sei. Autokäufer müssten eben bei der Auswahl den höheren Praxisverbrauch im Hinterkopf behalten. Im jüngst vorgestellten VCD-Ranking belegen die beiden Hybridfahrzeuge Toyota Prius und Honda Civic Hybrid die Spitzenpositionen (Tagesspiegel berichtete).

Auf der Hut sein müssen Autokäufer auch bei weiteren Herstellerangaben zur vermeintlichen Umweltfreundlichkeit eines Autos. Lottsiepen verweist auf die Ausstattung von Dieselmodellen mit Rußpartikelfiltern und das Beispiel Smart: Der Kleinwagen des Daimler-Konzerns mit cdi-Diesel landete ursprünglich auf Platz drei der Umweltliste, wurde aber nachträglich vom VCD disqualifiziert. Hintergrund ist, dass Daimler zunächst zugesichert hatte, den Smart-Diesel nur noch mit geschlossenem Partikelfilter auszuliefern. Nach Drucklegung der Liste teilte der Konzern jedoch mit, dass es mit dem System technische Probleme gebe und die Diesel daher wie bisher mit offenem Filter verkauft werden – die jedoch weitaus weniger Rußpartikel filtern. Der VCD spricht daher von einer gefährlichen „Mogelpackung“, die nicht mehr dem technischen Stand entspricht. Verbraucher sollten sich keine solchen „Restbestände“ andrehen lassen, so Lottsiepen. Wer einen Smart Diesel haben wolle, sollte auf die Version mit Vollfilter warten. dpa

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