Auto : Nimm zwei

Im Fünfer Hybrid spannt BMW einen Sechszylinder mit einem E-Motor zusammen.

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BMWs neuer Fünfer Hybrid will gestreichelt werden. Sonst spielt er nicht mit. Dann irritiert er Neulinge erst am Startknopf und später am Gaspedal. Läuft er nun oder nicht? Das ist die Frage nach dem Betätigen des Startknopfs. Kein leises Motorbrummen. Also noch einmal den Startknopf drücken. Der Motor springt an. Doch das ist falsch! Beim ersten Betätigen des Startknopfes signalisiert das Display nämlich in kleiner blauer Schrift „ready“. Ich bin bereit.

Drückt man nun das Gaspedal ganz liebvoll, rollt der Fünfer Hybrid elektrisch los. Theoretisch bis zu vier Kilometer. Aber nur theoretisch, denn er besitzt keinen EV-Modus wie zum Beispiel der Audi A6 Hybrid oder der Toyota Prius, wo das Auto sozusagen zwangsweise elektrisch fahren muss, bis die Batterie fast leer ist. Gibt man nur eine Winzigkeit mehr Gas oder steigt die Straße ganz sanft an, schaltet sich beim BMW sofort der Benziner zu. Immerhin beeindruckt das harmonische Zusammenspiel aller Komponenten. Eine perfekte Ingenieursleistung.

Bei Vollgas arbeiten der 306-PS-Benziner und der 54-PS-Elektromotor zusammen. Der E-Motor sitzt an Stelle des hydraulischen Drehmomentwandlers in der serienmäßigen vorzüglichen ZF-Achtgangautomatik. Das Motoren-Team beschleunigt die fast zwei Tonnen schwere Limousine in Sportwagen-Manier innerhalb von 5,9 Sekunden auf Tempo 100 – jedenfalls im „Boost-Modus“. Das ist nur ein Zehntel weniger, als der 535i mit 306 PS benötigt – aber der Benziner muss ja auch nicht den 140 Kilogramm schweren Lithium-Eisenphosphat-Akkupack hinter der Rückbank mitschleppen. Überdies ist er einige Tausende Euro billiger ist (siehe Kasten).

Wer die Freude am Fahren in diesem Hybriden öfter ausnutzt, darf sich über Verbrauchswerte im zweistelligen Bereich nicht wundern. Nein, diesen Hybriden sollte man – eben artgerecht – nur mit mildem Drang bewegen. Dann hat man viel Freude am Sparen, jedoch weniger am Fahren. Lukrativ ist der „Fahrerlebnisschalter“ (der heißt wirklich so!), mit dem wählt man den Eco- Pro-Modus für einen verbrauchsgünstigen Fahrstil. Wer mag, kann sich dann an einer Weltneuheit erfreuen: dem „intelligenten Energiemanagement mit vorausschauender Analyse der Fahrsituation“. Übersetzt bedeutet dies, dass dank serienmäßigem Navigationssystem Professional bei eingegebenem Ziel der Hybrid quasi die Fahrtstrecke voraussehen und entsprechend reagieren kann. Ermittelt das Navi, dass nach einem Anstieg in soundso viel Kilometern eine längere Abfahrt kommt, kann die Elektronik die gespeicherte elektrische Energie am Berg voll nutzen. Im Eco-Pro-Modus kann der Active-Hybrid 5 im Schubbetrieb sogar „segeln“.

Wie bitte? Damit bezeichnen die Techniker die Fähigkeit dieses Hybriden, bis Tempo 160 den Verbrenner automatisch abkoppeln zu können, so dass das Auto ohne Motorbremse fast lautlos und lokal emissionsfrei dahinrollen kann – bis sich der Sechszylinder ganz sanft wieder zuschaltet, wenn der Rollwiderstand das Auto zu stark verlangsamt hat. Dies regelt alles die feinfühlige Elektronik; ganz diskret. Auf diese Weise fährt man sparsam, aber in diesem Fünfer mit seinem tollen Fahrwerk eben auch spaßarm.

Und dann stellt man sich schon die Frage, wozu man diese 340 PS Systemleistung braucht?! Auf die Frage an einen Entwickler, warum es der – zugegeben famose – Reihensechszylinder mit 306 PS sein muss, der mit dem 54 PS starken E-Motor zusammenspielt, folgt eine verblüffende Antwort: In den USA, Japan und China favorisiere man eben eher Sechs- als Vierzylindermotoren. Und in diese Länder wandere ohnehin zwei Drittel aller Active-Hybrid 5.

Nächstes Jahr soll der Dreier ebenfalls diese Technik erhalten. Damit wäre er für den Alltag fast übermotorisiert, zu teuer und für die meisten uninteressant. Vielleicht komme dann ein volkstümlicherer Vierzylinder-Hybrid? Auf diese Frage folgt keine Antwort. Oder ist gerade das die Antwort?

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