Nissan Note vorgestellt : Auch für Stadtflüchter

Der Nissan Note hat Potenzial, die größeren Kompaktmodelle zu ärgern. Für Sparfüchse haben die Japaner jetzt auch einen Dreizylinder im Angebot.

von
Auch mit dem Dreizylinder ist der Nissan Note eine Alternative. Ich Sachen Raumangebot stellt er so manchen Kompaktklässler in den Schatten.
Auch mit dem Dreizylinder ist der Nissan Note eine Alternative. Ich Sachen Raumangebot stellt er so manchen Kompaktklässler in den...Foto: Hersteller

Ein neues Modell scheint in diesen für Autobauer eher schlechten Zeiten allein nicht mehr auszureichen, um neue Kunden zu begeistern. Da müssen schon ein paar Ausrufungszeichen her, Dinge, die so kein anderer besitzt. Und so hat Nissan aus dem unscheinbaren Minivan Note in der zweiten Generation einen attraktiven Zwitter aus Minivan und Kleinwagen gezaubert, der nun VW Polo und Ford Fiesta das Leben schwermachen soll. Der neue Nissan Note ist ein Raumwunder: 15 Zentimeter kürzer als ein VW Golf, bietet er nicht nur einen größeren Kofferraum als dieser, sondern im Fond sogar eine Kniefreiheit wie in der Oberklasse. Und wer 500 Euro extra investiert, kann die Rückbank längs verschieben und mit einem variablen Ladeboden flexibel sein. Das bieten nur wenige in dieser Klasse. Die Türen öffnen im 90-Grad-Winkel, bequem steigt man ein und stellt fest, dass das Auto nun ganz wohnlich eingerichtet ist. Gut, den Klopftest besteht der im englischen Sunderland gebaute Japaner nicht, doch das hohl klingende Hartplastik ist gut verarbeitet. Das gilt auch für die straffen Sitze, die für Große allerdings noch etwas mehr Beinauflage bieten könnten.

Also fahren wir los. Dafür haben wir das extra jetzt erst verfügbare Einsteigermodell mit Dreizylinder-Benziner gewählt, das mit gut 80 Prozent Anteil zum meistverkauften Note werden soll. 80 PS bei 6000 Touren und 110 Newtonmeter für 1,1 Tonnen Gewicht lassen nicht viel Gutes ahnen. Doch es geht besser als erwartet.

Parken aus der Vogelperspektive

Mit typischem Dreizylinder-Schnarren, aber dank einer Ausgleichswelle fast frei von Vibrationen, schiebt der Drilling den Nissan Note an. Fröhlich dreht der Motor hoch und wird erst jenseits der 5000 Umdrehungen etwas aufdringlich. Doch in diese Regionen muss man ihn gar nicht jagen. Für Tempo 60 in der Stadt reichen 1800 Umdrehungen pro Minute im fünften Gang. Weil das Maschinchen so elastisch ist, muss die Hand auch selten zum exakt geführten Fünfganggetriebe greifen. Das serienmäßige Start-Stopp-System funktioniert einwandfrei. Der neue Note weist eine in dieser Klasse einmalige Technik auf: Vier rund um das Auto verteilte Kameras sorgen im Navidisplay für eine 360-Grad-Draufsicht wie aus der Vogelperspektive. Das hilft bei komplizierten Parkmanövern. Und eine im Heck angebrachte Weitwinkelkamera, die sich selbst per Wasserstrahl und Druckluft vom Schmutz befreit, dient nicht nur als Rückfahrhilfe. Auch die toten Winkel werden damit überwacht, und beim Spurhalten hilft sie auch. Das System ist mit 1200 Euro Aufpreis fair eingepreist.

Beim Preis gehen die Japaner ambitioniert vor.
Beim Preis gehen die Japaner ambitioniert vor.Foto: Hersteller

Ein angenehmes Stadtauto also, in dem man eine ordentliche Übersicht hat (heutzutage auch etwas Besonderes), und mehr als nur Wochenendeinkäufe erledigen kann. Nur ein Stadtauto? Also rauf auf die Autobahn. Tapfer und auch recht zügig beschleunigt der kleine Motor den großen Note bis 160 km/h. Dann wird es jedoch zäh, bis die Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h erreicht ist. Hier übertönen die Windgeräusche sogar den Motorsound. Tempo 140 auf der Autobahn erweist sich als angenehm. Also durchaus auch ein Reiseauto für vier Leute plus Gepäck. Klar, der kleine Dreizylinder ist kein Antrieb für Adrenalinschübe, aber dafür einer, der in die Zeit passt: 5,9 Liter Super im Schnitt statt der vom Werk versprochenen 4,7 Liter gehen in Ordnung. Deutlich über sechs Liter werden es bei flotter Fahrt auf der Autobahn; um die fünf Liter bei gelassener Fahrt im Eco-Modus.

Ambitionierte Preise

Doch vor dem Sparen kommt das Zahlen. 15 990 Euro kostet die empfehlenswerte, gut ausgestattete Version Note Acenta 1.1 mit 80 PS. Mit dem Sicherheitspaket (1200 Euro), Alurädern (350 Euro) und Metalliclack (480 Euro) summiert sich das Ganze auf stramme 18 020 Euro. Zum Vergleich: Nissan Deutschland bietet den viel größeren Nissan Qashqai mit 117 PS starkem Benziner derzeit für 17890 Euro an.

Schlechte Nachricht für die Anhänger automatischer Gangwechsel beim Nissan Note: Ein Automatikgetriebe in Gestalt einer gewöhnungsbedürftigen stufenlosen Automatik kostet quasi 4800 Euro Aufpreis! Denn den Schaltautomat liefert Nissan für den neuen Note nur mit dem 98-PS-Kompressor-Dreizylinder-Benziner. Und den auch erst in der zweiten Ausstattungsstufe Acenta. Für mindestens 18 790 Euro; mit ein paar nützlichen Extras ist die 20 000-Euro-Schwelle für diesen Kleinwagen schnell überschritten.

So ambitioniert wie die Preise sind auch die Ziele von Nissan: Bis 2016 wollen die Japaner sowohl in Europa als auch in Deutschland die Nummer eins unter den asiatischen Importeuren werden. Dazu müssen sie jedoch erst den weltgrößten Autokonzern Toyota und die ehrgeizigen und aufstrebenden Koreaner überholen. 15 neue Nissan-Modelle sollen es bis 2016 richten. Darunter im nächsten Jahr so wichtige Autos wie der neue Qashqai und ein neuer Golf-Gegner in der Kompaktklasse. Aber auch einen Nachfolger des verblichenen Primera soll es geben. Nur bei den Preisen sollten sie ihre Ambitionen, mit Blick auf die Konkurrenz, noch einmal überprüfen.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben