Auto : Noch ist die Messe nicht gelesen

Auch auf dem Pariser Autosalon sind Elektrostudien in Mode. Kaufen aber sollen die Kunde erst mal die konventionellen Neuheiten: Ein Überblick

Doppelter Einsatz. Das linke Foto zeigt das offizielle Ankündigungsbild von VW, das rechte den Auftritt in Paris am vergangenen Donnerstag. Beide belegen: Der Passat wirkt durch den breit gezogenen Grill und die deutlichen Sicken in der Seitenlinie schlanker – obwohl die Maße fast unverändert bleiben.
Doppelter Einsatz. Das linke Foto zeigt das offizielle Ankündigungsbild von VW, das rechte den Auftritt in Paris am vergangenen...Foto: dpa-tmn

Die Elektro-Revolution geht weiter: Über keine andere Technologie wird auf dem Pariser Autosalon (noch bis 17. Oktober) so viel gesprochen wie den Batterieantrieb. Die ersten der mit Spannung erwarteten Elektroautos sind im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Dennoch ist der Weg bis zum Systemwechsel noch weit: „Auch hier in Paris zeigen die Hersteller vor allem grüne Träume und saubere Visionen“, erklärt der Analyst Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics aus Limburg. Die Realität bei den Händlern sieht anders aus.

Geschickt wissen die Aussteller die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen. Denn zwischen all den visionären Strom-Studien und elektrischen Prototypen stehen jede Menge interessanter Neuheiten, die zwar Benzin und Diesel tanken, aber vergleichsweise sparsam sind. „Diese Fahrzeuge sind zwar noch nach alter Väter Sitte konstruiert“, sagt Margetts, „doch sie haben einen entscheidenden Vorteil: Man kann schon in den nächsten Wochen zum Händler gehen und sie kaufen.“

Die mit Abstand wichtigste Neuheit aus deutscher Sicht ist die siebte Auflage des VW Passat, der ab November erhältlich sein wird. Optisch wurden Limousine und Kombi nur dezent weiterentwickelt, technisch dagegen gründlich verändert. Unter anderem soll die neue Generation um bis zu 20 Prozent sparsamer sein. Allerdings ist dem VW-Bestseller die Konkurrenz dicht auf den Fersen: Ford bereitet mit der Vorschau auf die sportliche Modellvariante ST den Generationswechsel beim Focus vor. Und bei Opel wächst die Astra-Familie: Der Sports Tourer genannte Kombi ist fertig, der für das Coupé wegweisende GTC läuft nur noch pro Forma als Studie. „Das Coupé für fünf Personen wird man so schon im nächsten Jahr auf der Straße sehen“, verspricht Designchef Mark Adams.

Zwei Klassen darüber angesiedelt und stilistisch deutlich mutiger ist der neue CLS, mit dem Mercedes in Paris „Schöngeister“ ansprechen will. Er buhlt aber nicht allein um die Gunst der Besserverdiener: Nur einen Stand weiter gibt ein ausgesprochen realistisches Coupé-Konzept bereits einen konkreten Ausblick auf die nächste Generation des 6er BMW. Die Franzosen nutzen ihr Heimspiel vor allem für die Premiere bodenständiger und familienfreundlicher Autos. Im Fokus stehen der neue Citroen C4 und sein edler Ableger DS4, der Passat-Konkurrent Peugeot 508 und der Latitude, mit dem sich Renault in der gehobenen Mittelklasse zurückmeldet. Hinzu kommen das kleine SUV Range Rover Evoque aus England und einige asiatische Premieren: Dazu zählen der winzige Hyundai-Van ix20, der Touran-Konkurrent Toyota Verso-S, die Mittelklassenlimousine Kia Optima oder der Honda Jazz Hybrid, der als erster Kleinwagen mit kombiniertem Antriebssystem antritt.

Eher an Träumer richtet sich das Programm bei Audi: Die Bayern zeigen einen e-Tron Spyder mit Diesel-Hybrid und als Reminiszenz an den ersten Quattro von 1980 einen kraftstrotzenden Sportwagen mit Allradantrieb, der auf 300 kW/408 PS und über 300 km/h kommt. So unterschiedlich die beiden Konzepte auch sind, haben sie doch eines gemeinsam: Die Chancen auf eine Serienfertigung sind denkbar gering.

Das gilt auch für viele andere Studien, mit denen die Hersteller die PS-Fantasien anregen. Weder der elektrisch angetriebene Renault Dezir noch der Jaguar C-X75, den zwei Gasturbinen mit Strom versorgen, wird es auf die Straße schaffen. Auch nicht der elektrische Kleinwagen Kia Pop oder der Seat IBE. Nur beim Lamborghini „Sesto Elemento“ sieht das anders aus: Der 999 Kilogramm leichte Karbonrenner mit 419 kW/570 PS ist zwar weit entfernt von einer Serienfertigung, räumt Markenchef Stephan Winkelmann ein. Doch weil die gut betuchten Lamborghini-Kunden begeisterungsfähig seien, denkt er laut über eine Kleinserie nach.

Bei den Elektrofahrzeugen haben vor allem ein paar Studien aus eher ungewohnten Segmenten gute Marktchancen: Mini und Smart zum Beispiel zeigen in Paris batteriebetriebene Roller, die zwar ein futuristisches Design haben, aber reif für den Alltagseinsatz wirken. „Für diese Fahrzeuggattung gelten andere Ansprüche an Reichweite und Fahrleistung als bei Autos. Dort könnte die elektrische Revolution deshalb am schnellsten klappen“, glaubt Marktbeobachter Margetts. tmn

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