Nord gegen Süd : BMW 1er und Volvo C30 im Vergleich

Sportlich fahren, ohne zu verarmen: Der Volvo C30 2.0 D tritt in unserem Vergleich gegen den BMW 118d an.

Ingo Reuss
Volvo C30
Volvo C30. -Foto: Volvo

Mit dem C30 begibt sich Volvo erstmals ins gut bestellte Segment der Premium-Kompaktwagen. Mit abgeflachter Dachlinie und gläserner Heckklappe wirkt der C30 fast wie ein Coupé. Auch sonst lässt sich der Fronttriebler in seinen Eigenschaften schwer festlegen. Der Konkurrent von BMW dagegen, der heckgetriebene 118d, ist auf Sportlichkeit getrimmt und nach seiner Überarbeitung im gesamten Segment ein ernst zu nehmender Herausforderer.

BMW 1er
BMW 1er. -Foto: BMW

DIE MOTOREN. Gegen etablierte Wettbewerber anzutreten, ist nie leicht. Seit Ende 2006 wagen es die Schweden in der Kompaktklasse mit dem C30. In unserem Vergleich trifft der C30 mit dem 2,0-l-Dieselmotor und Genen der Ford-Muttergesellschaft auf den BMW 118d. Der im Volvo eingebaute Common-Rail-Vierzylinder mobilisiert stramme 100 kW/136 PS, das sind allerdings noch 5 kW/7 PS weniger als beim 118d. Das Hubraum-Manko steht nur in der Modellbezeichnung, unter der Haube arbeitet ein 2,0-Liter-Aggregat, das sich nach der kürzlichen Überarbeitung nicht verstecken muss. Im Gegenteil, der Motor im 118d kann vieles besser als die Konkurrenz. Nachdem die Münchner bei den ab Ende März ausgelieferten Fahrzeugen Leistung und Drehmoment um zehn beziehungsweise fünfzehn Prozent gesteigert haben, findet der C30 2.0 D in dieser Disziplin nur schwer Anschluss; in der Elastizität liegt er vorn.

DER VERBRAUCH. BMW hat den Einser jüngst überarbeitet und den Verbrauch des 118d um rund einen Liter gesenkt, im EU-Gesamtzyklus liegt er so bei sehr niedrigen 4,7 Litern auf 100 Kilometer (C30 2.0 D: 5,7 l/100 km). Im Test unterbietet er den C30 2.0 D, der 6,9 l/100 km verbraucht hat, um 0,9 Liter auf dieser Distanz. BMW hat jüngst die Common- Rail-Einspritzung und Turboaufladung verbessert, außerdem den Partikelfilter motornah angeordnet. Treibstoff sparen kann der Fahrer über die Start-Stopp- Funktion, die Bremsenergie-Regeneration und die Schaltpunktanzeige.

BMW 1er
BMW 1er. -Foto: BMW

DAS FAHRGEFÜHL. Mehr noch als in den Leistungsdaten sind die beiden Kontrahenten unterschiedlich im Charakter. Der C30 arbeitet vor allem nach dem Kaltstart akustisch vernehmlich, braucht beim Anfahren einen Moment zum Atemholen und dreht dann dank des maximalen Drehmoments von 320 Newtonmetern (BMW 118d: 300 Nm) kräftig auf. Im Fahrverhalten, vor allem bei der Bewältigung kurvenreicher Strecken, kann der C30 nicht mit der Dynamik und Agilität des Einser-BMWs glänzen. Vielmehr bleibt er der Kühle aus dem Norden, dessen elektrohydraulische Lenkung nicht auf Direktheit und Sportlichkeit getrimmt ist. Trotzdem ist der C30 nicht unhandlich und bleibt bis in den Grenzbereich, zum Beispiel bei provozierten Lastwechselmanövern, sicher und kalkulierbar. Das Fahrwerk filtert einiges an Bodenunebenheiten weg, mit längeren, gröberen Wellen kommt es nicht so gut zurecht. Die sehr gut ausbalancierte Gewichtsverteilung, der Heckantrieb und die Doppelquerlenker-Hinterachse sorgen im kleinen BMW für ausgezeichnetes Handling. Präzise und zielgenau arbeitet die hydraulische Lenkung. Die kräftig verzögernden Bremsen überzeugen bei hoher Belastung durch Standfestigkeit

DER KOMFORT. Der Längsmotor im Einser und das knapp geschnittene Blechkleid engen den Platz im Innenraum doch ein. Keine Frage, das kompakte Auto polarisiert, der Kunde muss sich darauf einstellen, dass er einen sportlichen 2+2-Sitzer erwirbt. Im C30 finden die Insassen mehr Raum. Im Fond finden sich zwei bequeme Einzelsitze, die allerdings schwer erreichbar sind. Der viertürige Einser (erst Ende Mai kam der Zweitürer) erleichtert den Zugang nach hinten, aber dort herrscht eben Enge. Beim Kofferraum-Volumen kann der BMW mit 330 Litern punkten, in den Volvo passen nur 278 Liter.

DER QUALITÄTSEINDRUCK. Mit Blick auf die Verarbeitung kann der C30 im Premium-Segment mithalten. Armaturen und Bedienelemente sind ohne Tadel. An das etwas umständliche Navi (Mehrpreis) muss man sich gewöhnen. Mit dem coolen nordischen Ambiente freunden sich die meisten schnell an. Der Einser hat bei der Modellpflege eindeutig gewonnen, das gilt für Materialien und Verarbeitungsqualität gleichermaßen.

DIE PREISE. Volvo gibt den Preis des C30 2.0 D Momentum mit 26 750 Euro an. BMW verlangt für den 118d nach der gründlichen Überarbeitung und Aufwertung 25 300 Euro. Allerdings muss die umfangreiche Serienausstattung des Volvos berücksichtigt werden. Sie umfasst unter anderem Zweizonen-Klimaautomatik, Tempomat und CD-Radio.

Volvo C30
Volvo C30. -Foto: Volvo

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