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Mobil : Nur die Ruhe

07.07.2012 00:00 Uhrvon

Sonst probieren wir Autos aus, ohne darin zu schlafen. Anders in den beiden ersten Ferienwochen: Unterwegs mit dem Mercedes Viano „Marco Polo“.

So eins zwei fix kann das gehen. Reisemobil? Reisemobil. Bayerischer Wald? Bayerischer Wald. Für gewöhnlich flutscht das nicht so. Es kann schon mal dauern, bis sich Vater (46) und Sohn (11) darauf verständigen, was sie mit der gemeinsamen Zeit zu tun gedenken. Aber in diesem Falle ist der Plan schnell geschmiedet und der Carrier der Wahl bestimmt: Ein Mercedes namens Marco Polo bringt uns durch die ersten zwei Wochen der Sommerferien. Der Umrüster Westfalia hat den Viano campinggerecht aufgemöbelt, damit sich alle, die 50 000 Euro aufwärts anlegen, trotzdem was sparen. Den Flug, das Hotel, und wie wir jetzt wissen, viel Stress. Kein Katalog, kein Hotelportal, keine Sicherheitsschleuse, kein fremdes Handtuch auf der Liege – im Reisemobil zählt allein die Gewissheit, jederzeit, in jeder Stadt, auf jeder Wiese anhalten zu können, um etwas zu sehen, zu riechen oder zu fühlen.

Das nämlich haben die „kleinen“ Reisemobile den „großen“ Wohnmobilen voraus. Sie verzichten auf Dusche und Klo; sind dafür überschaubar und wendig. Im Grunde fahren sie sich nach einer kleinen Eingewöhnung wie ein Pkw. Gut, wir hätten uns im Marco Polo eine Rückfahrkamera gewünscht. Schließlich versperren Gepäck und zwei Fahrräder die Sicht nach hinten. Aber man freundet sich schnell mit den großen Rückspiegeln an und fasst den Entschluss, auf unnötige Wendemanöver zu verzichten. Auf dem Campingplatz ist auch gar kein Rangieren nötig. Die Parzellen auf der Schnitzmühle sind großzügig bemessen – und trotz ihres guten Rufs ist die Anlage nicht ausgebucht. Ende Juni hat ja außer den Berliner noch kaum einer Ferien. Wir haben also die freie Wahl, nehmen ein Plätzchen nahe des Schwarzen Regens, auf dem wir am nächsten Tag mit dem Kanu viel Spaß haben werden.

Der kurzgeschorene Rasen hat leichtes Gefälle – wir greifen in die riesige Schublade unter der Sitzbank. Neben Stromkabel, einer Rolle mit flachgepresstem Schlauch und einer am Wassertank anschließbaren Brause lagern gelbe Keile. Luis legt sie auf einer Seite vor die Räder, macht kurz Winke-Winke und dirigiert Papa zentimeterweise in die Waage. Passt. Ein anderes Bordwerkzeug kennen wir schon von der Abfahrt: Mit einem kleinen Schlüssel gibt der Heckträger unsere beiden Fahrräder frei – eine Übung, die wohl auch deshalb so kinderleicht geht, weil wir uns für das Original-Zubehör entschieden haben. Mit dem lässt sich der Kofferraum selbst dann öffnen, wenn beide Räder drauf stehen – wäre auch zu nervig, wenn für jede Zwischenübernachtung eine Rad-Montage fällig würde.

Unter der Heckklappe können einsachtzig Meter große Leute stehen, ohne den Kopf einzuziehen. Ein Glück – der Stehplatz am Heck wird nämlich bald zu einer Art Stammplatz. Weil man den Verschluss der unter einem Drehschrank versteckten Gasflasche öffnet. Weil der Karton des Risiko-Strategiespiels genau auf das oberste Brett des Staufachs passt. Und weil man morgens die Taschen und Tüten hervorholt, die man am Abend hineingestopft hat, um Platz für den eigentlichen Sinn dieser Tour zu schaffen: Für die Nacht im zweistöckigen Schlaf-Wagen. Unten, so hat es der Sohn bestimmt, schläft der Vater. Die Rückbank wird in Gleitschienen nach vorne geschoben, die Lehnen der Rückbank senken sich in die Horizontale. So ergibt sich eine Liegefläche, deren Breite für Einen kommod, für Zwei aber bescheiden ist. Die flach gelegten Sitzpolster lassen sich elektronisch auf- oder abpumpen; dennoch empfiehlt sich eine dicke Unterlage, um Härten und Ritzen zu eliminieren.

Oben ist der Komfort offensichtlich hervorragend – wohl deshalb kann Luis es vor der zweiten Nacht kaum erwarten, die Taste mit dem Pfeil nach oben zu drücken, um das elektrohydraulische Dach in die Wolken zu schicken. Das Prinzip ist ebenso simpel wie genial: Der Dachhimmel ist eine auf Stahlnetz gelagerte Matratze. Über die Vordersessel klettert man hoch, freut sich über zwei Schwanenhals-Lämpchen und schiebt die Füße gen Heck dahin, wo sich das Dach anders als über dem Cockpit nur um dreißig Zentimeter gehoben hat. Die Seitenwände des keilförmigen Schlafgemachs sind aus Zelt-Stoff und verfügen über zwei „Fenster“ – rausschauen kann man zwar nicht, aber frische Luft kommt durch die Fliegengitter genauso hinein wie durchs integrierte Schiebedach. Ohnehin haben wir Glück: Es ist weder zu schwül noch zu kalt; kein Bedarf für Standheizung und Stand-Klima. An den Strom der Schnitzmühle haben wir den Viano trotzdem angeschlossen: Nintendo ud iphone freuen sich über die 220-Volt-Dose im Wagen.

Zum Frühstück auf den mitgebrachten Gartenmöbeln (für draußen bietet nur VW integrierte) nutzen wir allen Luxus des Reisemobils: Zwei Besteckschubladen, zwei Geschirrschränke mit Rollos. Der leise Kühlschrank fasst viel mehr Vorräte, als wir auf den ersten Blick annahmen – und die beiden Gasplatten reichen für Kaffee und Kakao am Morgen genauso wie für die Nudeln am Abend. Das Spülbecken daneben ist nicht riesig, die Armatur hat ausreichend Druck. Der Wassertank fasst mehr als 100 Liter – für unser „Camping light“ mehr als genug.

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