Nutzfahrzeug : Fiorino Fein-Transporter

Fiats Kleinster ist ein Goldstück – zumindest dem Namen nach. Aber auch im City-Einsatz kann er Punkte sammeln.

Ingo von Dahlern

Fiorino heißt er – der Neueste der Nutzfahrzeugspezialisten von Fiat, ein Citytransporter im Kompaktformat. Neugierig, ob sein Name eine besondere Bedeutung hat, erlebten wir eine Überraschung. Denn Fiorino heißt Gulden, ist der Name für eine alte Goldmünze. Und plötzlich dämmerte es: Auch Dukaten sind alte Goldmünzen, und Scudi und Dublonen. Goldstücke sind also auch die anderen Fiat-Transporter, vom Ducato über den Scudo und Doblò bis hin zum neuen Fiorino.

Wertvoll sind die Transporter für Fiat allerdings nicht nur den Namen nach, sondern auch in der Realität. Denn ungeachtet vieler Probleme, die Fiat im letzten Jahrzehnt mit seinen Pkw hatte – die Nutzfahrzeuge gehörten zu den Bestsellern. Im vergangenen Jahr konnte man den Marktanteil auf dem schnell wachsenden europäischen Transportermarkt von 11,0 auf 11,7 Prozent steigern. Auch in Deutschland sind die Verkäufe gestiegen, von knapp 30000 im Jahr 2006 auf gut 35200 im vergangenen Jahr. Damit konnte Fiat seine Position als Nummer drei im Gesamtmarkt und Nummer eins unter den Importeuren weiter festigen.

Zum weiteren Wachstum soll auch der neue Fiorino beitragen. Ein bewährter Name, unter dem derzeit schon 21000 Fiorino der ersten Generation auf unseren Straßen rollen. Doch zwischen denen und dem Nachfolger liegen Welten. Denn der neue Fiorino erschließt ein völlig neues Marktsegment. Nachdem der neue Renault Kangoo und die ebenfalls neuen Peugeot Partner und Citroen Berlingo gegenüber der ersten Generation spürbar gewachsen sind und nun das Format des Fiat Doblò erreicht haben, klaffte plötzlich eine große Lücke bei den besonders kompakten Modellen. In genau die stößt der neue Fiorino – zusammen mit Citroen Nemo und Peugeot Bipper, denn die drei sind Schwestern (s. Kasten).

Dass der Fiorino ebenso wie Nemo und Bipper mit seinem wuchtigen vorderen Stoßfänger alles andere als eine Schönheit ist, steht auf einem eigenen Blatt. Aber mit seinen Dimensionen von 3,86 Meter in der Länge, 1,72 Meter in der Höhe und 1,71 Meter in der Breite setzt er bei einem Radstand von 2,51 Meter neue Maßstäbe. Und obwohl extrem kompakt, bietet er mit 2,5 Kubikmeter Ladevolumen und 535 kg Nutzlast überzeugende Werte. Wenn man sich dann noch für den voll versenkbaren Beifahrersitz entscheidet, wächst das Ladevolumen sogar auf 2,8 Kubikmeter und die Laderaumlänge auf 2,50 Meter. Sechs verschiedene Trennwände und Trenngitter erlauben es, Fahrerplatz und Laderaum optimal voneinander abzugrenzen. Und für noch längeres Ladegut bietet Fiat außerdem eine Dachreling an.

So lassen sich mit dem neuen Fiorino viele Transportaufgaben in der Stadt auch bei knappem Parkraum bewältigen. Dabei leisten die für beide Flanken verfügbaren seitlichen Schiebetüren einen wichtigen Beitrag zur bequemen Zugänglichkeit des 1,18 Meter hohen, 1,52 Meter breiten und zwischen den Radkästen 1.05 Meter messenden Laderaums mit seiner nur 53 Zentimeter hohen Ladekante. Vom Heck aus ist der Laderaum durch eine asymmetrische Heckflügeltür zugänglich, die sich bis zu 180 Grad öffnen lässt.

Der Fiorino bietet aber nicht nur viel Platz für Ladegut, Fahrer und Beifahrer, die dank des hohen Dachs großzügige Kopffreiheit genießen. Er fährt sich auch ausgesprochen bequem, wie erste Probekilometer bestätigten. Denn der kleine Fronttriebler, konstruktiv eng verwandt mit dem Grande Punto, ist mit seinem kleinen Wendekreis von nur 9,9 Meter ausgesprochen handlich und gibt sich beim Fahrkomfort – ebenso wie bei der Ausstattung übrigens – so wie ein Personenwagen.

Beim ersten Kennenlernen überzeugte der kleine 1,3-Liter-Turbodiesel mit 75 PS nicht nur durch kraftvollen Anzug, sondern auch durch erfreulich niedrige Arbeitsgeräusche – und vor allem durch seinen mit 4,5 Liter je 100 Kilometer sehr niedrigen Durchschnittsverbrauch. Alternativ gibt es einen 1,4-l-Benziner mit 73 PS, der 6,9 Liter verbraucht. Ein Pluspunkt für den neuen Fiorino ist auch sein Einstiegspreis. Denn der liegt für den Kastenwagen mit Benziner bei 9750 Euro (ohne Mehrwertsteuer) und den Diesel bei 10850 Euro.

Neben dem Kastenwagen bietet Fiat den neuen Fiorino auch als Kombi an. Und besonders gespannt sein darf man auf die im September erscheinende Pkw-Version. Denn mit der könnte sich dann auch der neue Fiorino unter jene kleinen Nutzfahrzeuge reihen, deren Pkw-Varianten als betont vernünftige und robuste Autos viel Platz mit hohem Komfort, ansprechenden Fahrleistungen und großer Variabilität bieten – zum attraktiven Preis. Fiat rechnet damit, dass künftig jeder fünfte Fiorino in dieser Version gekauft wird.

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