Off-Road : Nissan X-Trail: Nicht ganz der Alte

Optisch hat der neue Nissan X-Trail von seinem Vorgänger viel übernommen. Aber seine inneren Werte wurden aufgebessert

Ingo von Dahlern
Nissan X-Trail Foto: Nissan
Nissan X-Trail -Foto: Nissan

Da steht er also, der neue Nissan X-Trail. Die erste Begegnung verblüfft ein wenig. Denn er kommt uns ziemlich bekannt vor: die gewohnte Front, die betont kantige Karosserie – Überraschendes oder Neues will uns auf den ersten Blick beim besten Willen nicht auffallen. Aber das war ja auch genau das Ziel der Ingenieure von Nissan, als sie daran gingen, die zweite Generation des ersten kompakten SUV des japanischen Renault-Partners zu entwickeln.

Auch das erstaunt im ersten Moment. Aber bei Nissan beruft man sich auf Kundenbefragungen, die klar gezeigt haben sollen, dass Käufer des ersten X-Trail mit diesem Fahrzeug und seinem Konzept so zufrieden waren, dass sie grundlegende Änderungen für überflüssig hielten. Und da die erste Generation des Offroaders mit einer Produktionszahl von mehr als 800.000 Exemplaren durchaus als Erfolgsmodell gelten kann, entschied man sich bei der Entwicklung der zweiten Generation, das Konzept nicht anzutasten und konsequent auf Evolution zu setzen. Also ein neues Auto auf die Räder zu stellen, ohne dass man ihm dies sofort ansieht – auf die Gefahr hin, dass Käufer des X-Trail nun damit leben müssen, dass ihr brandneues Baby von Nichtexperten auch mit einem Gebrauchten verwechselt werden könnte. Und falls durch die behutsame Erneuerung trotz aller Neuigkeitsschwüre doch noch das eine oder andere im Vorgänger verbaute Teil weiterleben darf, dann freut das sicherlich die Controller bei Nissan.

Ein echter Geländewagen

Nissan Qashqai Foto: Nissan
Nissan Qashqai -Foto: Nissan

Optisch bedeutet das Bleiben beim Bewährten: Während die meisten Konkurrenten längst mehr oder weniger sanft gerundet antreten, hat der neue X-Trail wie gewohnt eine fast horizontale Motorhaube, nahezu senkrechte Seitenfenster und ein bis zum Heck auf gleicher Höhe durchgehendes Dach, das in eine steile Heckklappe übergeht – eine klassische Geländewagen-Silhouette also. Und die ist nicht nur Optik, sondern steht exakt für das, was unter dieser Karosserie steckt: denn der X-Trail ist, wie er bei ersten Probekilometern auf tief verschlammten Pisten eindrucksvoll bestätigte, mit seinem neuen elektromagnetisch gesteuerten Allradsystem mit Geländeuntersetzung sowie abschaltbarem ESP, Berganfahr- und Bergabfahrassistenten ein echter Geländewagen. Einer allerdings, der sich auf ausgebauten Straßen ebenso wohlfühlt und das mit weiter verbessertem ausgeprägtem Personenwagen-Fahrkomfort bewies. Und wem die Optik zu offroadig ist, für den gibt es ja auch noch ein zweites Angebot: Auf derselben Plattform wie der X-Trail steht der sportlich elegante Crossover Nissan Qashqai, der eher eine Limousine mit ein paar Offroad-Elementen ist.

Der X-Trail wiederum ist trotz seiner bewährten Optik rundum neu – und dabei in allen Dimensionen ein wenig gewachsen. Vor allem in der Länge. Denn hier hat er 17,5 Zentimeter zugelegt und misst nun stolze 4,63 Meter. Das verspricht noch mehr Platz als bisher und der Kofferraum fasst statt 410 nun 603 Liter – das sind fast 50 Prozent Zuwachs. Maximal stehen im Heck bei umgeklappter Rückbank, die erstmals im Verhältnis 20:40:20 geteilt ist, nun 1773 Liter Stauraum zur Verfügung. Und erstmals gibt es unter einem Zwischenboden ein spezielles Schubfach, in dem sich Kleinteile geschützt vor neugierigen Blicken unterbringen lassen.

Hochwertiger und seriöser

Nissan X-Trail Foto: Nissan
Nissan X-Trail -Foto: Nissan

Verschwunden ist dagegen das große Ablagefach innen hinterm Lenkrad. Denn beim völlig neu gestalteten Armaturenbrett sind die bei der ersten Generation zentral angeordneten Instrumente nun zur Fahrerseite gerutscht. Das schafft in der Mitte Platz für ein höher und damit besser im Blickfeld des Fahrers liegendes großes Farbdisplay für die Rückfahrkamera und das dreidimensionale Birdview-DVD-Navigationssystem. Zugleich fällt auf, dass Oberflächen und Materialien im immer zweifarbigen Innenraum einen sichtbaren Qualitätssprung gemacht haben. So wirkt das neue Auto insgesamt hochwertiger und seriöser. Verzichtet hat man allerdings auf eine Velours-Auskleidung des Kofferraums. Aber nicht aus Geiz: Viele X-Trail-Benutzer transportieren sehr oft Ladegut, durch das ein zu edles Material zu leicht verschmutzen würde.

Nissan X-Trail Foto: Nissan
Der neue Nissan X-Trail. -Foto: Nissan

Außerdem bietet Nissan statt bisher drei nun vier Motoren für den X-Trail an – zwei Benziner wie gewohnt und erstmals auch zwei moderne Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung und Partikelfilter vom Allianz-Partner Renault, die mit ihren zwei Ausgleichswellen verblüffend kultiviert und leise arbeiten. Aus zwei Litern Hubraum entwickeln sie 150 und 173 PS, mit Drehmomenten von 320 und 360 Newtonmetern bereits bei 2000 Umdrehungen pro Minute sorgen sie für einen kraftvollen Antritt, der die beiden Diesel sogar zu den flottesten X-Trail-Varianten macht: Glatt elf und glatt zehn Sekunden vergehen im Spurt, bis Tempo 100 erreicht ist, als Höchstgeschwindigkeit sorgen 188 und 200 Stundenkilometer dafür, dass der Offroader auch auf der Autobahn kein Verkehrshindernis wird. Als Verbrauch gibt Nissan für die Diesel 7,1 und 7,4 Liter je 100 Kilometer an. Das entspricht 190 und 200 Gramm CO2 pro Kilometer – trotzdem sehr sparsam für ihre Klasse. Und ebenfalls neu ist, dass es für den kleineren Diesel neben dem serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebe nun auch eine Automatik gibt, die ebenfalls mit sechs Stufen arbeitet und auf der Probefahrt gut mit dem Motor harmonierte. In der Klasse des X-Trail ist diese Kombination bislang selten – und trägt ihren Teil dazu bei, dass man beim Fahren schnell erkennt, was alles neu ist am X-Trail.

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