Auto : Offenes Rennen

Unterwegs im Alltag – heute treten das Golf Cabrio und der neue Opel Cascada gegeneinander an.

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Sie werden immer seltener, die Cabrios, die mit Einstiegspreisen um die 25 000 Euro halbwegs erschwinglich sind. Der kleine Daihatsu Copen – sang- und klanglos verschwunden. Der offene Nissan Micra – Geschichte ebenso wie Tigra, Ford Ka Streetcar oder Focus CC. Am Markt sind noch der Mini und der ergraute Peugeot 207 CC, aber auch dessen Abdankung scheint nur eine Frage der Zeit. Wem also ein Rolldach wie im offenen Fiat 500 oder im Citroen DS3 nicht reicht, der trifft auf eine Handvoll Kandidaten. Zwei davon haben wir uns angeschaut.

Interessant sind beide. Der VW, weil er noch vom alten Golf abstammt. Und der Opel, weil er im wahrsten Sinne eine neue Größe ins Spiel bringt. Obwohl der Cascada auf dem Astra basiert, erinnert seine Dimension eher an ein A5-Cabrio als an einen Kompaktklässler. Praktische Folge: Anders als im Golf kann man hier durchaus auch hinten Gäste zum Freiluft-Ausflug mitnehmen, ohne sich der vorsätzlichen Freiheitsberaubung strafbar zu machen. Dafür zieht es im Opel auf allen Plätzen deutlich heftiger – leider selbst dann, wenn nur zwei Leute unterwegs sind und das Windschott über der Rückbank eingehängt ist. Entsprechend verhält es sich auch mit der Geräuschkulisse: Nehmen wir ein gepflegtes Landstraßen-Cruising mit 100 km/h zum Maßstab, machen Musikhören und Gespräche mit dem Sitznachbarn im Golf wesentlich mehr Laune.

Die Sonne ins Auto zu lassen, ist mit beiden Probanden schon deshalb eine Freude, weil sich die einteilige Stoffkapuze jeweils schnell und sauber wegfaltet. Im Cascada geht das in beide Richtungen sogar bis Tempo 50 – bei unerwarteten Regenschauern ein Gewinn spätestens dann, wenn gerade keine Haltebucht oder Ampel in der Nähe sind. Den weitaus größeren Kofferraum bei geöffnetem Dach bietet der Rüsselsheimer, verschenkt einen Teil dieses Vorteils aber durch die schwer zu beladende Öffnung.

Gespannt waren wir, wie sich ein kleiner Benziner und ein kleiner Diesel im direkten Open-air-Vergleich schlagen würden. Das Ergebnis überrascht vor allem in seiner Eindeutigkeit: Viel spricht für den 1.6-TDI des Golf (105 PS); wenig für den 1.4 Turbo des Cascada (140 PS). Sieht man vom hörbaren Nageln im Leerlauf ab, erweist sich der Selbstzünder im VW als harmonischer – zumal in den unteren Drehzahl- und Geschwindigkeitsbereichen, in denen Cabrios nun mal vornehmlich bewegt werden. Trotz seiner „nur“ 105 PS ist der Diesel hier jederzeit und spontan in der Lage, ordentlich Schub zum Überholen oder fürs Kurvenwedeln zu liefern. Einzig bei Autobahnfahrten jenseits der 180 km/h macht der Cascada eine bessere Figur – einmal, weil dem Volkswagen die Puste ausgeht; dann, weil sich die dreilagige Akustikdämmung des Opel-Verdecks (290 Euro) bezahlt macht. Der Golf federt komfortabler – ordert man den Opel indes mit adaptivem Fahrwerk (980 Euro), lässt sich dies per „Tour“-Taste ausgleichen.

Der Blitz traf uns beim Tanken: Selbst mit vernünftiger Fahrweise gelang es nicht, den Verbrauch des Cascada unter neuneinhalb Liter zu drücken. Irgendwann empfanden wir den durchweg aktivierten „Eco“-Modus beinahe als Hohn – abgesehen davon, dass die Start-Stopp-Automatik öfters dazu führte, dass wir den Motor neu starten mussten. Der Golf TDI brauchte auf gleichen Strecken und bei gleicher Fahrweise 5,8 Liter – angesichts ähnlicher Kaufpreise von um die 27 000 Euro eine krasse Einladung zum Rechnen.

Die frischere, elegantere Optik bietet der Cascada; ein Muss sind dessen Ergonomiesitze für 685 Euro extra. Der Innenraum des Golf ist arg nüchtern, Funktionalität und Verarbeitung sind aber spürbar besser als im tastenübersäten Cascada.

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