Auto : Ohne SUV kein Fordkommen mehr

Jetzt haben auch die Kölner ein Straßenauto mit Allrad und Geländeoptik: Heute kommt der neue Kuga zu den Händlern

„Kuga ist Kuga, Kuga ist sexy – fertig“, meint Jürgen Stackmann, Marketing-Direktor bei Ford Deutschland. Das klingt markig, bedeutet aber auch noch etwas anderes: Viel Auswahl haben die Käufer von Fords kommendem Crossover zumindest zum Marktstart am heutigen Samstag noch nicht. Denn der Kuga trägt zwar serienmäßig Features wie Doppelendrohr am Auspuff und Motor-Startknopf. Aber es gibt nur zwei Ausstattungsvarianten. Und der erste Crossover, den die Kölner auf die Beine stellen, kommt mit nur einer Motorisierung zu den Händlern – dem 2,0 Liter Duratorq-Turbodiesel mit 136 PS. Fast scheint es, als hätte es der Hersteller ein wenig eilig gehabt, das boomende Segment der kompakten SUV endlich auch mit einem eigenen Modell zu bestücken.

Wer einen Benziner bevorzugt, muss sich noch bis zur Jahreswende gedulden. Dann will Ford zunächst den 2,5 Liter Turbo-Otto mit 200 PS nachlegen, der bereits den Focus ST auf Touren bringt. Bis dahin sieht der Hersteller die mangelnde Alternative in Sachen Motorisierung gelassen: 90 Prozent der Kunden würden sich im Segment für einen Selbstzünder mit einer Leistung zwischen 120 und 150 PS entscheiden, heißt es. Angesichts der momentanen Dieselpreise könnte sich diese Zahl zwar noch einmal ändern. Aber sei es, wie es sei: Viel meckern lässt sich nicht am Kuga, wenn man den Selbstzünder akzeptiert.

Und das kommt nicht von ungefähr: Der Wagen basiert auf der bewährten Plattform von Focus und C-Max. So kann man dem Neuen PKW-haftes Fahrverhalten bescheinigen, obwohl er ja beides können soll: auf der Straße zurechtkommen und eben auch jenseits des Asphalts. Das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung hat man bei Ford letztendlich aber doch auf Ersteres gelegt. „Wir wollten keinen Off-Roader machen“, betont Kuga-Chefingenieur Klaus Peter Tamm. Schließlich werden auch SUV fast ausschließlich zwischen Schildern und Ampeln gefahren. Bei Ford wurde deshalb nie an ein Untersetzungsgetriebe für Disziplinen im Unterholz gedacht und der Basis-Kuga kommt sogar mit reinem Frontantrieb daher. Dem ebenfalls erhältlichen Allradantrieb wurde dafür Intelligenz eingehaucht: Je nach Beschaffenheit des Untergrunds verteilt die Haldex-Kupplung das Drehmoment variabel. Zehn Prozent der Kraft gehen immer an die Hinterachse, maximal 50 werden es, wenn es die Situation verlangt.

Und das bedeutet auch auf Asphalt einen Beitrag zur Fahrstabilität: Selbst durch enge Kurven und bei Nässe steuert sich der Wagen souverän. Von der leicht synthetischen Lenkung würde man sich zwar etwas mehr Gefühl wünschen, direkt reagiert sie dennoch. Wer es sportlicher mag, schaltet in den Sport-Modus und geht sich windende Landstraßen agiler an. Die wegen des höheren Fahrzeugschwerpunktes unvermeidlichen Wankbewegungen wurden auf ein Minimum reduziert. Dazu streckten die Entwickler den Radstand gegenüber dem Focus um einige Zentimeter auf 2,69 Meter und verbreiterten zusätzlich die Spur.

Die knorpelige 6-Gang-Handschaltung und der mangelnde Seitenhalt der Vordersitze schmälern den Fahrspaß allerdings. Der Motor dagegen erfreut mit Lauffreudigkeit und dieselimmanenter Durchzugskraft von 320 Newtonmetern Drehmoment. Ein wahres Muskelpaket ist der Kuga aber nicht, auch wenn das das optische Auftreten der Karosse vermuten ließe. Bestandteile der bulligen Optik des 4,44 Meter langen Kompakten sind die beiden in den Unterfahrschutz gefassten Endrohre, die ansteigende Gürtellinie und die ausgestellten Radkästen.

Der Innenraum zeichnet sich derweil durch aufgeräumtes Ford-Ambiente aus. Die Instrumente stammen vom Focus. Sie sitzen am rechten Platz und sind gut ablesbar. Geschmackssache ist der serienmäßige Startknopf für den Motor. Der wirkt unterhalb des Schalters für die Warnblinkanlage in der Mitte des Instrumententrägers etwas verloren. Die Verarbeitung ist erwartungsgemäß gut, was von der Rundumsicht nicht behauptet werden kann. Gerade der Blick durch den getönten Rückspiegel ist recht düster und zudem eingeschränkt durch die bulligen C-Säulen. Eine Rückfahrkamera ist zunächst nicht verfügbar. Einmal in Parklücken angekommen entschädigt jedoch die zweigeteilte Heckklappe. Ist nur der wenig ausschwenkende obere Teil geöffnet, lässt sich auch in der Enge bequem einladen. Die Innenraumvariabilität beschränkt sich jedoch auf die eines normalen Kombis: Zwar lässt sich die Rückbank teilen und schnell umlegen und erweitert den Gepäckraum damit von schwachen 410 auf maximal 1405 Liter. Verschieben lässt sie sich – anders als etwa beim Hauptkonkurrenten VW Tiguan – aber nicht.

Dafür hat der Neue aber beim Verbrauch nach Ford-Angaben sowohl Vorsprung vor der Konkurrenz aus Wolfsburg als auch vor Toyota Rav4 und Nissan Qashqai: 6,4 Liter Diesel genehmigt sich der Allradler auf 100 gefahrene Kilometer im Schnitt, was einen Ausstoß von 169 Gramm Kohlendioxid bedeutet. Und damit wäre der Kuga ja in der Tat sexy.

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