Oldies im Porträt: Porsche 924 : Der schwäbische Volkswagen

Eigentlich sollte der 924 gar kein Porsche werden. Das Modell wurde Anfang der 1970er Jahre ursprünglich für Volkswagen entwickelt. Doch in Wolfsburg waren Sportwagen bald nicht mehr gefragt. Gebaut wurde das Coupé trotzdem.

Er ist ein Porsche, der eigentlich gar keiner sein sollte. Der Porsche 924 sollte eigentlich der Nachfolger des Volkswagen-Porsche 914 werden. Durch einen Zufall wurde er ein echter Zuffenhausener und für die Sportwagenschmiede sogar ein wirtschaftlicher Erfolg.Weitere Bilder anzeigen
18.04.2012 09:30Er ist ein Porsche, der eigentlich gar keiner sein sollte. Der Porsche 924 sollte eigentlich der Nachfolger des Volkswagen-Porsche...

EA 425 - unter diesem unscheinbaren Namen begann 1970 in Stuttgart ein neues Fahrzeugprojekt. Die Ingenieure der Sportwagenschmiede Porsche sollten einen Nachfolger für den VW-Porsche 914 konstruieren. Ziel war die Konzeption eines neuen Coupés, dessen Herstellungs-, Wartungs- und Ersatzteilkosten durch die Verwendung von VW-Serienmotoren und -teilen deutlich unterhalb des Porsche 911 lagen. Doch nach einem Chefwechsel in Wolfsburg verlor VW das Interesse an Sportwagen. Weil das Auto aber schon fast serienreif war, übernahm Porsche den 924 kurzerhand selbst.

Mit diesem Schritt brachen die Ingenieure mit einigen Traditionen des Sportwagenherstellers, zum Beispiel beim Motor: Der saß nun nicht mehr wie bei allen anderen Porsche-Modellen im Heck, sondern wurde unter der langgestreckten Fronthaube platziert. Außerdem wurde der Vierzylinder nicht mit Luft, sondern mit Wasser gekühlt.

Antrieb von Audi

Für den neuen Porsche wurde kein neuer Motor konstruiert. Das 2,0 Liter große Aggregat stammte aus Ingolstadt und tat unter anderem im Audi 100 seine Dienste. Durch eine Benzineinspritzung und eine spezielle Doppelrohrabgasanlage konnte die Leistung auf 92 kW/125 PS gesteigert werden. Damit erreichte der 924 eine Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h - ein für damalige Verhältnisse aufregender Wert.

Doch nicht nur der Motor, sondern auch andere Teile stammten aus dem Volkswagen-Konzern. Die Konstruktion der Vorderachse ähnelte der im VW Golf, die Art der Hinterachsaufhängung stammte vom VW Käfer. Und die Sitze mit integrierten Kopfstützen wurden aus dem Porsche 911 übernommen. Mit diesem Prinzip wiesen die Konstrukteure den Weg zur heute von vielen Autoherstellern praktizierten Plattform-Bauweise.

Eine weitere Besonderheit: Das Getriebe des 924 wurde an der Hinterachse montiert. Diese Transaxle-Bauweise sorgt für eine gleichmäßige Gewichtsverteilung. Anders als beim heckangetriebenen 911 konnten somit auch ungeübte Fahrer den 924 zügig und doch sicher durch enge Kurven steuern.

Gepäck unter der Glashaube

Beim Karosseriedesign setzten die Entwickler auf eine gute Aerodynamik. Dank flacher Fronthaube und einklappbarer Scheinwerfer bliebt der Luftwiderstand gering: Mit einem Cw-Wert von 0,36 setzte der 924 damals Maßstäbe. Der positive Effekt war ein auch für heutige Verhältnisse moderater Normverbrauch von 7,7 Litern Superbenzin.

Die Reaktion auf den Spott der übrigen Porsche-Besitzer: Der 924 Carrera GT mit 210 PS Leistung.
Die Reaktion auf den Spott der übrigen Porsche-Besitzer: Der 924 Carrera GT mit 210 PS Leistung.Foto: Hersteller

Für einen Sportwagen war der 924 durchaus familientauglich. Der kleine Porsche bot ausreichend Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Kurze Strecken konnten auch Erwachsene hinten in den kleinen Sitzmulden überstehen. Das Reisegepäck ließ sich in dem bis zu 370 Liter großen Kofferraum unter der gläsernen Heckklappe verstauen.

Die Verwendung von Fahrzeugteilen aus dem VW-Konzern machte den 924 günstiger als andere Porsche-Modelle: Beim Marktstart im Frühjahr 1976 wurde das Auto zu einem Grundpreis von 23.240 D-Mark angeboten.
Damit war der 924 für weit mehr Menschen erschwinglich als der große Bruder 911, der zu der Zeit etwas mehr als 32.000 D-Mark kostete.

Spot spornte Ingenieure an

Das Konzept von Porsche ging auf: Die Nachfrage nach dem neuen Einstiegsmodell war groß. Nach nur kurzer Zeit liefen im Audi-Werk in Neckarsulm, wo der 924 produziert wurde, 80 Fahrzeuge pro Tag vom Band. Ende 1976 entfielen 48 Prozent des Porsche-Fahrzeugumsatzes auf das neue Einsteigermodell. Und nach etwas mehr als zwei Jahren Produktionszeit wurde im April 1978 der 50.000. Porsche 924 montiert.

Dennoch musste der 924 mit einem Makel fertig werden. Denn auch wenn er sich gut verkaufte, richtig ernst genommen wurde der kleine Porsche nicht. Eingefleischte Fans der Marke verpassten dem Coupé Spitznamen wie Hausfrauen-Porsche oder Maurer-Porsche.

Dieses Imageproblem dürfte die Ingenieure bei Porsche angespornt haben, den 924 weiterzuentwickeln. 1979 bestückten sie den Motor mit einem Turbolader und steigerten die Leistung so auf 125 kW/170 PS. Damit konnte der Wagen in 7,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und eine Spitzengeschwindigkeit von 225 km/h erreichen. Es folgten 1981 der 924 Carrera GT mit 154 kW/210 PS und 1985 der 924 S. In dieser Version kam ein von Porsche konstruiertes Leichtmetalltriebwerk mit 2,5 Litern Hubraum und 110 kW/150 PS zum Einsatz, das 215 km/h Höchstgeschwindigkeit ermöglichte.

Eingestellt wurde der kleine Porsche im Jahr 1988. Gebaut wurden bis zum Produktionsende insgesamt 150.684 Einheiten. Heute bietet der 924 deshalb eine günstige Möglichkeit, einen Porsche zu fahren. Die hohen Stückzahlen sorgen für ein moderates Preisniveau auf dem Youngtimermarkt. Exemplare der ersten sechs Baujahre können inzwischen mit einem Oldtimer-Kennzeichen zugelassen werden. (dpa)

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