50. Geburtstag des Ford Mustang : Ewig junges Wildpferd

Günstig, hochwertig, unwiderstehlich: Im April 1964 eröffnete der Ford Mustang Autofahrern neue Sphären - erst in den USA, dann weltweit. Die Faszination des legendären Pony Cars wirkt noch heute nach - der Einfluss auf den Automarkt war revolutionär.

David-Emanuel Digili
Rarität: Der Ford Mustang 1964 1/2 vom Berliner Augenarzt Dr. Hans-Jürgen Neeße ist eine Rarität - besonders als Cabrio.
Rarität: Der Ford Mustang 1964 1/2 vom Berliner Augenarzt Dr. Hans-Jürgen Neeße ist eine Rarität - besonders als Cabrio.Foto: Hans-Jürgen Neeße

Und plötzlich war er da, der Evergreen, dieser Inbegriff des American Way of Life, dieser erste alltagstaugliche Sportwagen - und das erste Wildpferd für die Straße. In diesen Tagen, am 17. April 1964, kam der Ford Mustang in die Autogalerien der USA - noch heute ist die Faszination dieses Wagens mit dem dynamischen Pferd am Kühlergrill ungebrochen.

"Natürlich hat auch der Name einen beträchtlichen Teil zum Image beigetragen", sagt Dr. Hans-Jürgen Neeße. Der Berliner Augenarzt ist schon seit Jahren begeisterter Anhänger der Legende um die Ikone aus Detroit, sitzt selbst am Steuer eines royalblauen Mustang 1964 - das Cabrio gehört zu den seltensten Modellen des Mustang, eine Rarität aus dem ersten Produktionsjahr mit Acht-Zylinder-Motor, oft gesucht, selten gefunden.

Der erste echte Medienstar

"Vor drei Jahren habe ich das Auto über das Internet in Braunschweig gefunden", erzählt Neeße. "Es ist ja leider eher selten, dass man so ein Modell auf der Straße sieht." Der hervorragende Zustand der Seltenheit überrascht nur auf den ersten Blick, bis Neeße den Hintergrund erklärt: "Ich bin erst der dritte Besitzer in 50 Jahren, auf dem Tacho stehen gerade einmal 80 000 Meilen." Edle Ledersitze im Interieur werten die Kunststoffarmaturen auf, das Klappverdeck - elektrisch - ist der besondere Bonus.

Auch nach nun einem halben Jahrhundert bezeichnet die Ausstattung den Grundgedanken, der die Ford-Entwicklungsabteilung antrieb: Ein Sportwagen für die Massen wurde gesucht, günstig und doch hochwertig. Die Alternative zu teuren PS-Protzen wie der Chevrolet Corvette also. Und der erste echte Medienstar unter den Autos: Die Werbekampagne, mit der quer durch die Vereinigten Staaten über Wochen und Monate die bahnbrechende Schöpfung angekündigt wurde, suchte ihresgleichen und ist fast schon als Blaupause für Aktionen auch im Jahr 2014 zu betrachten.

Ewig junges Wildpferd
Der Verkaufsschlager und sein Macher: Henry Ford II. mit einem Ford Mustang auf der New Yorker Weltausstellung 1964.Weitere Bilder anzeigen
1 von 16Foto: Promo
30.04.2014 13:17Der Verkaufsschlager und sein Macher: Henry Ford II. mit einem Ford Mustang auf der New Yorker Weltausstellung 1964.

Ganzseitige Werbeanzeigen, groß angelegte Testtermine für die Presse, Fernsehspots, dass dann auch noch ein Modell im James-Bond-Film "Goldfinger" auftauchte und wenige Jahre später Hollywood-Legende Steve McQueen in „Bullitt“ in einem dunkelgrünen Mustang auf den Straßen San Franciscos Verbrecher jagte, ist heute nicht nur in Cineastenkreisen Kult. 1966 ließ Ford einen Mustang auf dem Dach des New Yorker Empire State Buildings ausstellen - der Wagen wurde dazu in seinen Einzelteilen mit den Aufzügen des Wolkenkratzers transportiert und auf dem Dach dann montiert.

"Der Mustang ist neben der Corvette einfach der amerikanische Sportwagen, das Vorbild für alle anderen, die dann nachgekommen sind in der Klasse der 'Pony Cars', ob Dodge oder Chrysler," sagt Neeße. „Ein Wagen mit hohem Spaßfaktor, ausreichend PS – und vor allem auch: Wertstabilität.“ Tatsächlich initiierte Ford mit seinem Verkaufsschlager eine ganze Fahrzeugklasse, in Anlehnung an das unverwechselbare Logo des Ford eben die "Pony Cars": Kleine, schnelle, sportliche Coupés mit langgezogener Motorhaube und kurzem Heck.

Alle Erwartungen übertroffen

Dabei waren die ersten Modelle nicht mehr als abgewandelte Versionen des Ford Falcon, facegeliftet und aufgebrezelt für eine jüngere Kundschaft, maßgeschneidert für die 60er. Dementsprechend entwickelten sich auch in den USA die Verkaufszahlen: „100 000 Stück pro Jahr“ lautete die anfängliche Vorgabe aus Detroit – sie wurde bereits drei Monate nach Markteinführung übertroffen.

Über 400 000 Autos konnten im ersten vollen Jahr abgesetzt werden, das Rekordjahr 1966 sah sogar den Verkauf von gut 607 000 Wagen. "In den 50ern konnten wir einfach alles verkaufen, so groß war die Nachfrage", erinnerte sich der langjährige Ford-Manager Don Frye vor Jahren. "Dies änderte sich aber in den 60ern, die Gesellschaft änderte sich, und unsere Modelle waren einfach zu konservativ." 

Der Verkaufsschlager und sein Macher: Henry Ford II. mit einem Ford Mustang auf der New Yorker Weltausstellung 1964.
Der Verkaufsschlager und sein Macher: Henry Ford II. mit einem Ford Mustang auf der New Yorker Weltausstellung 1964.Foto: Promo

Zusammen mit Lee Iacocca, einem weiteren Konzern-Manager, gilt Frye als treibende Kraft hinter der Konzeption des Mustang, beide mussten viel Überzeugungsarbeit leisten - sie sollte sich auszahlen. Kein späteres Modell des Mustang ist wieder in solche Sphären vorgedrungen, den Charme der ersten Modelle sucht man bei den wuchtigen Nachfolgern gerade aus den 90ern und der letzten Jahre vergeblich. In der Nacht vor Verkaufsstart des Original-Mustang sollen viele Interessierte in ihren alten Autos vor Ford-Autohäusern campiert haben, um ja nicht zu spät zu kommen.

"Gerade auch die Möglichkeit, den Wagen selbst mit der umfangreichen Auswahl an Ersatzteilen nachzurüsten oder selbst zu reparieren, selbst zu gestalten, war etwas ganz Neues", sagt auch Neeße. Für Käufer gab es damals einen ganzen Katalog, in dem alle verfügbaren Teile zum Reparieren oder Auf- und Nachrüsten aufgelistet waren. "Auch heute noch ist es relativ leicht, an Teile zu kommen. Beispielsweise habe ich sofort von Trommelbremsen auf Scheibenbremsen umgerüstet - die Basisvariante des Mustang sah Trommelbremsen vor, optional konnte man umrüsten, und das war auch nötig, die waren nämlich richtig schlecht, für die Motorleistung damals völlig unterdimensioniert." In Fan-Kreisen werden Ersatzteile hoch gehandelt. „In den USA herrscht ein sehr lebhafter Markt, der auch schwer erhältliche Stücke nachproduzieren lässt.“

16 000 Mark für den Evergreen

Über die Herkunft des unverwechselbaren Namens indes ranken sich noch heute Legenden. Die "P51 Mustang"-Kampfflieger der US-Armee aus dem Zweiten Weltkrieg seien die Inspiration gewesen, sagen die einen. Andere erzählen vom damaligen Ford-Marktforscher Robert Eggart, der durch einen Buchtitel zum Modellnamen angeregt wurde und sich durch überwältigende Umfrageergebnisse in seiner Idee bestätigt fühlte. Firmenchef Henry Ford II. favorisierte angeblich "Ford Thunderbird II". 

Ikone: Das Ford-Mustang-Logo. Dabei stand der Modellname gar nicht von Beginn an fest, erst spät entschied sich die Detroiter Konzernzentrale für das Wildpferd.
Ikone: Das Ford-Mustang-Logo. Dabei stand der Modellname gar nicht von Beginn an fest, erst spät entschied sich die Detroiter...Foto: Hans-Jürgen Neeße

Für den deutschen Markt musste dazu noch einmal umgedacht werden: Der Name "Mustang" war bereits an den Lastwagenhersteller Krupp und an den Motorradbauer Kreidler vergeben, vom Einführungsjahr bis 1979 stand der Ford als "T5" bei den Händlern. Zwar sollen beide Firmen zur Kooperation bereit gewesen sein, doch die aufgerufenen Preise für die Namensrechte sollen der Ford-Führungsetage zu hoch gewesen sein. Knapp 16 000 Mark kostete anfangs der Sportler von über dem großen Teich. Heute liegen Schmuckstücke wie Neeßes 1964 1/2 bei 35 000 Euro, Tendenz steigend.

Plötzlich war er also da, der Evergreen. Und ist bis heute geblieben.

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