Der Trabant in der ehemaligen DDR : Einmal Trabbi to go, bitte

In der DDR war ein Trabbi Luxus. Zehn Jahre Wartezeit waren die Regel, bevor das begehrte Automobil endlich abgeholt werden konnte. Aber selbst das war ein Erlebnis, wie unser Leser Horst Jungsbluth berichtet.

Ein Trabbi auf der Steubenparade in New York. In der DDR war das Auto zu Beginn sogar recht innovativ, später aber altmodisch, jedoch immer gefragt.
Ein Trabbi auf der Steubenparade in New York. In der DDR war das Auto zu Beginn sogar recht innovativ, später aber altmodisch,...Foto: dpa

In der Regel warteten DDR-Bürger zehn Jahre auf ihren fabrikneuen Trabant. Ein Freudentag, wenn der Wagen endlich abgeholt werden konnte. Unser Leser Horst Jungsbluth begleitete damals seine Verwandten. Ein Rückblick:

Meine Verwandtschaft lebte in Guben und bestand aus mehreren Familien, von denen ich zu DDR-Zeiten zwei regelmäßig besuchte. Alle Familienmitglieder meiner Mutter waren Vertriebene, die einst auf der Ostseite der Neisse lebten. Als ich an einem Freitagabend bei meinem Großcousin Wilfried und seiner Frau Heidi eintrat, schwebte die Hausfrau förmlich durch die Räume und Wilfried war die gute Laune in Person. Auf meine verdatterte Frage antworteten sie mir, dass ich schon sehen werde, sie hätten "nur" zehn Jahre darauf gewartet. Heidi, als Bestellerin war für den Samstag um acht Uhr in das Auslieferungslager Großräschen bestellt worden, nachdem sie einige Monat zuvor bereits nach Cottbus wegen des Kaufvertrages beordert wurde.

Mehr als drei Millionen Trabant wurden in Zwickau gebaut.
Mehr als drei Millionen Trabant wurden in Zwickau gebaut.Foto: picture-alliance/ dpa

Ich erbot mich, sie dort hinzufahren, was dankend angenommen wurde. Ich bestimmte Wilfried als Fahrer und der verstaute als erstes einen gefüllten Kanister im Kofferraum, weil die Autos nur mit ein paar Tropfen ausgestattet wurden. Einige wurden schon bei der unsinnigen Probefahrt auf dem Hof verbraucht, die einzige Tankstelle am Ort war Sonnabends oft geschlossen und die nächste an der Autobahn bei Freienhufen lag über 30 km entfernt. Am nächsten Morgen fuhren wir gegen 6:30 Uhr los und erreichten Großräschen gegen acht Uhr. Vom Bahnhof kamen ganze Familienverbände mit riesigen Taschen, da alle einen Benzinkanister bei sich führten. Als wir das Lager erreichten, schrieb sich Heidi als fünfte in eine Liste ein und wir setzten uns an einen der Tische.

Etwa 40 bis 50 "Anwärter" warteten hier auf das lang ersehnte Autoglück. Nachdem die ersten drei nach etwa einer Stunde abgefertigt waren, geschah infolge der ausgedehnten Frühstückspause über eine Stunde gar nichts. Gegen 10:30 Uhr konnten auch "wir unser" Auto in Empfang nehmen. Danach begann das ganze Theater der Warterei mit der Bezahlung des Kaufpreises und einem weiteren Anstehen bei der Versicherung wieder von vorne. Wir waren heilfroh, als wir nach 14 Uhr endlich vom Hof rollen konnten. Dort warteten übrigens Interessenten, die den gerade bezahlten Kaufpreis von 13.000 Mark locker um 2.000 Mark überboten. Meine Verwandten hätten damals diesen hart erkämpften Trabbi trotz etlicher Mängel für keinen Preis der Welt hergegeben. Sie waren schlicht selig!

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