Im Blick zurück: Das Peugeot 504 Coupé : Diese Siebziger!

Das 504 Coupé ist ein Hingucker und fährt knackig. Pininfarina hat den Franzosen schlicht ein außergewöhnlichen Auto gezeichnet. Doch so ein Peugeot ist schwer zu ergattern – vor allem als Sechszylinder.

Patrick Broich
Werbefoto aus den siebziger Jahren: Mit dem Peugeot 504 Coupé fuhr die Marke in der automobilen Oberklasse.
Werbefoto aus den siebziger Jahren: Mit dem Peugeot 504 Coupé fuhr die Marke in der automobilen Oberklasse.Foto: Hersteller

Das 1969 vorgestellte 504 Coupé war der Beau der siebziger Jahre für die Marke Peugeot und ihre Fans. Erst Anfang der Achtziger nahmen die Franzosen den bei Pininfarina entworfenen und montierten Zweitürer vom Markt. Heute ist er eine Rarität, vor allem in der vornehmen V6-Version. Mit einer Länge von nur 4,36 Metern unterbietet das Coupé seinen Sechzigerjahre-Vorgänger 404 um fast 14 Zentimeter und macht heutigen Oldie-Interessenten Freude, wenn sie mit dem hübschen Franzosen in der City unterwegs sind.

Und das nicht nur, weil der kurze Hecktriebler so simpel einzuparken ist; er fährt einfach modern und knackig – also gar nicht so, wie sich unbedarfte Oldtimer-Einsteiger vielleicht das Fahrgefühl eines Siebziger-Autos vorstellen. Das von 504-Experte Michael Bunse zur Verfügung gestellte Probeexemplar gehört der letzten Serie mit den markanten, breiten Kunststoffstoßstangen an. Wer Chrom-Zierrat als Schutz vor Blechkontakt mit fremden Verkehrsteilnehmern bevorzugt, sollte vorwiegend nach Offerten vor 1980 schauen. Interessenten mit V6-Faible müssen allerdings intensiv suchen.

Gewisse Extras mit sechs Töpfen

Viel Auswahl gibt es nicht, die Zahl der in Deutschland zugelassenen Sechszylinder-Coupés ist eher zwei- als dreistellig. Die meisten der weniger als 6000 ausgelieferten Franzosen mit dem feineren der beiden lieferbaren Triebwerke (die Basis hatte zwei Liter und vier Zylinder) gingen ins Herkunftsland. Reiselustige dürften an der Atlantikküste das eine oder andere Schnäppchen ergattern können. Auch wenn der Vierzylinder einen soliden Antrieb darstellt – das gewisse Etwas kommt mit sechs Töpfen.

Auch als Cabrio ist der Peugeot 504 eine Schönheit. Davon gibt es deutlich mehr auf dem Markt.
Auch als Cabrio ist der Peugeot 504 eine Schönheit. Davon gibt es deutlich mehr auf dem Markt.Foto: Hersteller

Bei dem charakteristischen Sechsender handelt es sich um eine Kooperationsentwicklung zwischen Peugeot, Renault und Volvo. Ursprünglich war das Aggregat als Achtzylinder konzipiert, wurde aufgrund der sich verschärfenden Energiekrise in den Siebzigern letztlich aber doch als Sechszylinder realisiert. Dennoch behielten die Techniker das eigentlich für den V8 ideale 90-Grad-Layout der Zylinderwinkel bei, was dem 2,7-Liter-Motor einen markanten Sound verleiht. Zwar fühlt sich das 106 kW/144 PS starke Aggregat durchaus geschmeidig an, allerdings kann der hier als Einspritzer antretende Zweiventiler (bis 1978 Vergaser mit 136 PS) eine gewisse Rauheit nicht verbergen.

Scheibenbremsen zeigen Sicherheitsanspruch

Charmant röhrend erklimmt die Nadel des Drehzahlmessers die Höhen der Skala. Dabei hängt die Maschine locker am Gas und versetzt das französische Coupé nachdrücklich in Fahrt. Es braucht nicht einmal hohe Touren, um hurtig von der Stelle zu kommen – schon aus dem Keller geht es kraftvoll nach vorn. Dabei erscheint die Werksangabe von 10,2 Sekunden bis 100 km/h gefühlt eher pessimistisch. Schaltfans dürften sich mit der leichtgängig bedienbaren Fünfgang-Box wohlfühlen, mehr Komfort spendet die optionale Dreigang-Automatik.

Das Exemplar für die Probefahrt: Ein Peugeot 504 Coupé mit V6-Motor. Fast schon eine Seltenheit.
Das Exemplar für die Probefahrt: Ein Peugeot 504 Coupé mit V6-Motor. Fast schon eine Seltenheit.Foto: Patrick Broich

Zu den Luxusartikeln des Zweitürers gehörten damals alleine elektrische Fensterheber, Servolenkung und TRX-Reifen (ab 78). Eine Klimaanlage sah die deutsche Preisliste nicht vor. Scheibenbremsen rundherum zeigten, welchen Sicherheitsanspruch Peugeot erhob. Das war auch das Mindeste angesichts eines happigen Kurses von 38 740 Mark im Sommer 1981. Für das Geld konnte man damals schon fast Mercedes 280 CE fahren – zwar ohne elektrische Fensterheber, dafür aber mit satten 185 PS.

Dagegen waren die Fahrer des 504 Coupé Individualisten mit Leib und Seele. Individualist unter Oldtimer-Fahrern ist man mit dem raren Franzosen auch heute noch, kaum mehr als 15 Angebote finden sich im Netz. Und die günstigste Möglichkeit, ein H-Kennzeichen zu tragen, ist der schicke Pininfarina-Vertreter rund 30 Jahre nach Bauende auch nicht: Für ein gutes Exemplar rufen Verkäufer bis zu 15 000 Euro auf, man bekommt allerdings auch im vierstelligen Bereich solide Ware. Eine gute Geldanlage für einen Augenschmaus mit Spaßfaktor, auch wenn sich der Wertzuwachs im Schnitt mit drei Prozent im Rahmen hält.

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