Lexus LS 400 gestern und heute : Das Eine-Million-Auto

Lexus hat sich immer schon schwer getan in Deutschland. Dabei stand der LS 400 den Konkurrenten von BMW, Mercedes und Co technisch in nichts nach. Nur am Image haperte es lange Zeit. Doch die selbstbewusste Designsprache des neuen Lexus NX 200 und der Vorsprung in der Hybrid-Technik gibt neuen Aufwind.

von
1 Million zu eins: Der Lexus LS 400, Baujahr 1993, und das aktuelle Modell, Baujahr 2015.
1 Million zu eins: Der Lexus LS 400, Baujahr 1993, und das aktuelle Modell, Baujahr 2015.Foto: Rainer Ruthe

Das passiert selbst einem gestandenen Motorjournalisten, der in seinem langen Berufsleben schon Ferrari, Lamborghini oder Bentley gefahren hat, wahrscheinlich nur ein Mal im Leben: Ein Auto fahren zu können, das mehr als eine Million Kilometer auf dem Tacho hat. Exakt sind es 1.080.080 Kilometer, die ein holländischer Futtermittel-Verteter in gut 20 Jahren zusammengefahren hat, bis Lexus Deutschland das Auto kaufte. Das besitzt noch den Ur-Motor und das erste Automatikgetriebe. Es handelt sich um einen Lexus LS 400, Baujahr 1993 in Metallicbraun, der damaligen Modefarbe.

Vier-Liter-V8 mit zwei oben liegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder, mit serienmäßiger Vierstufenautomatik. 245 PS und 350 Newtonmeter bei 4400 Touren. Spitze 250 km/h, und in nur 8,5 Sekunden ist das 1780 Kilogramm schwere Schiff auf Tempo 100. Erstaunliche Werte für damalige Verhältnisse wie vor allem der extrem geringe Luftwiderstandsbeiwert von 0,29. Erstaunlich auch der hohe Preis von umgerechnet 62.633,26 Euro. Dennoch wurden 1990, im ersten Jahr von Lexus in Deutschland, 192 Stück vom LS 400 verkauft. Die ersten Autos wurden übrigens beim Kunden zu Hause ausgeliefert, weil die Autohäuser noch nicht fertig waren.

Seidenweiches Oldi-Schiff

Fast ehrfürchtig erfolgt der Schlüsseldreh, und unmerklich springt der V8 an. Im damaligen Werbefilm stand auf der Motorhaube des LS 400 eine Pyramide aus Champagnergläsern. Der edle Saft schwappte nicht über, als der Motor lief. Und auch heute noch, nach 22 Jahren und über einer Million Kilometern, ist der seidenweiche V8 ein Gedicht. Die Viergangautomatik schaltet weich und unmerklich. Gegenüber den flach klingenden, künstlich aufgepeppten Downsizing-Turbos eine akustische Wohltat. Der Lexus „schwebt“ über die Straßen im Rheingau;  kein Wunder, hat er doch eine Luftfederung an Bord. Damals schon! Auf einen kurzen Nenner gebracht: Der Oldie fährt sich absolut neuzeitlich! Das hätte man beim Einsteigen so nicht erwartet. Den beigefarbenen Ledersitzen sieht man die Laufleistung an, man versinkt etwas in ihnen, aber durchgesessen sind sie keinesfalls.

Sicherheitslenkrad und Fahrerairbag gehören zur Serienausstattung. Optional war eine Freisprecheinrichtung mit integriertem Mobiltelefon verfügbar, damals eine Rarität. Das gilt auch für das Kombi-Instrument mit der damals neuzeitlichen Elektrolumineszenz-Beleuchtung, auch Optitron genannt. Das macht auch heute noch was her. Selten war damals selbst ein CD-Wechsler, wie ihn der LS 400 im Kofferraum besitzt. Der Blechkasten sieht aus wie die Blackbox eines Jets.

Schade, dass die mobile Zeitreise recht kurz ausfällt. Der Schatz muss wieder auf den Hof.

Die Suche nach Erfolgsrezepten

Lexus war in Europa auf dem Vormarsch. Nur in Deutschland, dem Land von Audi, BMW und Mercedes, tat man sich schwer. Technisch gut, aber recht blass im Auftritt. Nur wenige wussten mit der Firma Lexus etwas anzufangen. Doch der Edelableger von Toyota, der in den USA mehr Autos als Volkswagen verkauft und dort bei den Verkaufszahlen auf Augenhöhe mit BMW und Mercedes ist, machte weiter. In besten Zeiten verkaufte Lexus jährlich 5000 Autos in Deutschland. Man suchte nach eigenen Wegen, um den Deutschen auch in Deutschland auf Augenhöhe zu begegnen. Der große Erfolg des Toyota Prius brachte Lexus auf die Idee, den Hybridantrieb mit sportlichen Fahrleistungen zu  kombinieren: "Verbrauch wie ein Vierzylinder, Kraft wie ein Achtzylinder" lautete die Devise.

Sicherheitslenkrad und Fahrer-Airbag gehörten zur Serienausstattung. Optional gab es eine Freisprecheinrichtung mit integriertem Mobiltelefon, das Kombi-Instrument mit Elektrolumineszenz-Beleuchtung und einen CD-Wechsler - für damalige Zeit alles äußerst selten!
Sicherheitslenkrad und Fahrer-Airbag gehörten zur Serienausstattung. Optional gab es eine Freisprecheinrichtung mit integriertem...Foto: Rainer Ruthe

Mit Hybriden im Premiumsegment hat man sich zumindest ein Alleinstellungsmerkmal gesichert. Auf dem deutschen und dem europäischen Markt liegt der Hybridanteil von Lexus bei 98 Prozent. Weltweit sind es 27 Prozent. Lexus ging sogar soweit, mit dem Audi-A3-Gegner  Lexus CT 200h einen Kompakten anzubieten, der nur mit Hybridantrieb lieferbar ist.

Der Hybrid-Weg zahlt sich aus

Allerdings verkauften sich Lexus-Modelle in den vergangenen Jahren immer schlechter. Gerade noch 1328 waren es 2014. Statt über 40 gibt es nur noch 16 bundesdeutsche Lexus-Foren. So nennt Toyotas Edelsparte hierzulande ihre Autohäuser. Doch nun scheint es gerade im 25. Jahr von Lexus in Deutschland wieder bergauf zu gehen: Im ersten Quartal 2015 gab es ein Verkaufsplus von 36 Prozent. Das liegt vor allem am neuen SUV NX 200, das mit bewusst polarisierendem Design Toyotas Edelmarke wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt hat. Der modische Crossover scheint gerade wegen seiner schrillen Form mit Ecken, Kanten und Falzen als echte Alternative zu den etablierten Deutschen anzukommen. Neben dem obligatorischen Hybriden gibt es seit einem Monat nun auch den NX 200t mit dem ersten Turbobenziner der Marke, der aus zwei Liter Hubraum immerhin 238 PS auf die Kurbelwelle wuchtet. Und Ende des Jahres startet der bisherige Verkaufsrenner RX 300H in der neuesten Generation als RX 450H mit dem neuen polarisierenden Design, einem Hybridantrieb mit 299 PS Systemleistung (V6-Benziner und E-Maschine) und einem Verbrauch von nur sechs Litern. Das ist der niedrigste Verbrauch aller Benziner-SUV. CO2-Effizienzklasse? A+. Da muss die Konkurrenz erst mal nachziehen, und da zahlt sich eben aus, dass man bei Lexus stur seinen Hybrid-Weg verfolgt hat.  

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben