Mini-SUVs aus den 80ern : Querfeldein mit Eljot, Niva und Iltis

Kleine SUVs sind in Mode? Auch unter den Youngtimern gibt es hochbeinige, kurze Autos – und die sind in der Regel nicht nur optisch Geländewagen. Und dazu meist sehr erschwinglich.

Patrick Broich
Ausdauernder Kraxler: Der Suzuki LH80, besser bekannt als Eljot, schlägt sich noch heute sehr gut in Gelände-Wettbewerben. Der ursprünglich für die australische Armee entwickelte Offroader verkaufte sich in den ersten drei Jahren nach der Einführung (1978) über 15.000 Mal. Foto: Patrick Broich
Ausdauernder Kraxler: Der Suzuki LH80, besser bekannt als Eljot, schlägt sich noch heute sehr gut in Gelände-Wettbewerben. Der...Foto: Patrick Broich

Kleine SUV sind der Trend der Saison? Übersicht haben, in enge Parklücken kommen – und wenn es richtig gut läuft, dann kann man sogar in unwegsamem Gelände mit dem Wagen punkten? Soso.
Richtig neu ist die Sache jedenfalls nicht. Schon vor Jahrzehnten haben die Hersteller kleine Kraxler entworfen, die oft genug Kreise um ihre größeren Geschwister fahren konnten. Sicher, der Mini-Geländewagen vor dreißig oder vierzig Jahren war in der Regel deutlich puristischer (man könnte auch sagen ruppiger) als sein heutiger Enkel. Aber Suzuki LJ80 oder VW Iltis haben treue Fans. Wer selbst schraubt, den stellt die simple Technik der Autos in der Regel vor keine großen Probleme – und als Youngtimer sind sie für Neueinsteiger äußerst erschwinglich, vom Kaufpreis wie auch vom Unterhalt.

Im Gelände macht dem Lada Niva kaum ein anderer Wagen etwas vor

Zumal man einen aus der Runde sogar noch als Neuwagen kaufen kann: Der legendäre Lada Niva ist inzwischen in „Taiga 4x4“ umgetauft worden, sieht aber im Wesentlichen immer noch so aus wie 1977. 3,72 Meter Außenlänge sind Kleinwagenlevel, das macht den Lada zum Helden in der City. 1,2 Tonnen beträgt das Leergewicht, so ist der Motor mit 83 PS aus 1,7 Litern Hubraum potent genug, um das leichte Gefährt ausreichend zügig voranzutreiben. Die Übersicht ist perfekt dank riesiger Glasflächen. Das entschädigt für die stramme Lenkung und den, sagen wir, nicht ganz optimalen Wendekreis.

Für wenig Geld durch die Botanik - der legendäre Lada Niva bietet echte Offroad-Qualitäten und gilt als Schnäppchen. Foto: dpa
Für wenig Geld durch die Botanik - der legendäre Lada Niva bietet echte Offroad-Qualitäten und gilt als Schnäppchen.Foto: dpa

Das leichte Heulen im Differenzial? Das muss so und fällt bei einem Neupreis von knapp 12.000 Euro nicht weiter ins Gewicht. Lada Deutschland preist den Oldie selbstbewusst als Hipster, eigentlich logisch in Zeiten von Vollbärten und Holzfällerhemden. Aber ein Niva, äh, Taiga 4x4, ist nicht retro, er war einfach immer schon da. Instrumente und Leuchten wurden zwar leicht modernisiert, dafür trägt er aber immer noch die Ur-Türgriffe aus dem Fiat-Regal. Und im Gelände macht dem Niva kaum ein anderer Wagen etwas vor: Wenn der Allradantrieb nicht mehr ausreicht, hilft noch ein mechanisch sperrbares Mitteldifferenzial weiter – kein Wunder, dass die russischen Wagen bis heute gern und völlig un-lifestylig von Förstern und anderen Waldmenschen gekauft werden.

Auf der Langstrecke sollte man beim Suzuki etwas härter im Nehmen sein

Ein bisschen mehr modischer Auftritt dürfte es dann aber doch sein? Da böte sich der Suzuki Vitara X-90 an. Der wurde nur ein gutes Jahr gebaut, von April 1996 bis Mai 1997 nämlich, und war ein früher Vorläufer der heutigen Mini-SUV. Er wurde gerne genommen in Neunziger-Trendfarben, den Spaßfaktor hatte er serienmäßig an Bord, mit zwei Türen und nur 3,71 Metern Länge. Vor allem deshalb, weil man beim Vitara das Dach herausnehmen kann, was sommers mit Freude zur Kenntnis genommen wird. Der Motor ist zwar nur solide Massenware und mit 97 PS lassen sich im Suzuki auch keine Rennen gewinnen. Aber dafür macht das Aggregat in der Regel auch keinen Ärger. Und Allrad hat der Vitara serienmäßig – in den Neunzigern erwartete man das noch von einem Auto, das aussieht wie ein Geländewagen. Gut schlägt sich der X-90 deshalb am Strand oder auf Feldwegen. Da braucht man auch keinen dicken Motor.

Robuster Allrad-Klassiker: Der Lada Niva wird seit 32 Jahren gebaut. Das aktuelle Modell Taiga 4x4 ist schon ab 9990 Euro zu haben. Foto: dpa
Robuster Allrad-Klassiker: Der Lada Niva wird seit 32 Jahren gebaut. Das aktuelle Modell Taiga 4x4 ist schon ab 9990 Euro zu...Foto: dpa

Für den harten Geländeeinsatz hatte Suzuki übrigens dazu noch ein Angebot, um das sich heute eine Fangemeinde schart. Den LJ80, gebaut von 1978 bis 1982, ein spartanisches Gefährt, mit Leiterrahmen, laut, kernig, rappelig und mit 40 PS selbst für damalige Verhältnisse nicht direkt übermotorisiert. Allerdings müssen sich die Pferde auch nur mit 800 Kilogramm Leergewicht auseinandersetzen, was den „Eljott“ zum ausdauernden Kletterer macht, der sich bis heute bei Gelände-Wettbewerben wacker schlägt. Auf der Langstrecke sollte man als Insasse allerdings etwas härter im Nehmen sein. Denn die Sitze sind sehr simpel, auch die Blattfedern verteilen heftige Schläge ins Kreuz. Dafür … wenn auf der Autobahn Stau ist, könnte man im LJ80 auch auf der Böschung nebenan weiterfahren.

Man muss dafür kein Vermögen ausgeben

Dort könnte einem dann ein Gleichgesinnter begegnen, der mit einem Produkt aus Wolfsburg unterwegs ist. Genauer, mit einem VW Iltis. Der wurde einst für die Bundeswehr entwickelt und legte 1980 einen Doppelsieg bei der Rallye Paris–Dakar hin – Geländegängigkeit und Haltbarkeit dürften dadurch hinreichend belegt sein. Das Modell ließ sich mit 75 Benziner- oder mit 70 Diesel-PS erwerben und ist dank Verdeckplane und tiefer Türausschnitte heutzutage vor allem als Spaßmobil für den Sommer geeignet. Man sollte sich allerdings mit der Farbe Olivgrün anfreunden können, wenn man einen Iltis ins Auge fasst. Zwar werden immer mal wieder auch andersfarbige Modelle gehandelt, doch das Militär als größter Neuwagenkunde war in Sachen Farbe leider wenig experimentierfreudig.

Jedenfalls: Knochiges Geländemobil für den ernsthaften Einsatz oder die Lifestyle-Variante mit dem langsam wiederkehrenden Charme der Neunziger, eins ist den kleinen Autos mit der großen Bodenfreiheit gemein – wer sie kaufen will, muss heute kein Vermögen ausgeben. Für 5000 Euro sollte sich von jedem Modell ein brauchbares Exemplar finden lassen. So ein Allrad-Youngtimer kann da durchaus ein Hobby werden.

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