Neue Pläne für Borgward auf dem Genfer Autosalon : Ein großer Name vor der Wiedergeburt

Nun wird es konkret: Auf dem Genfer Automobilsalon möchte der Enkel des Firmengründers, Christian Borgward, seine Pläne für das Comeback der legendären Marke Borgward vorstellen. Wir sind gespannt und blicken voller Vorfreude zurück auf die Geschichte des Bremer Autobauers.

Günther Fischer
Borgward Isabella war das wohl bekannteste Modell des Bremer Autobauers. Für ihre Zeit war die Schöne aus Bremen technisch und optisch eine Sensation.
Borgward Isabella war das wohl bekannteste Modell des Bremer Autobauers. Für ihre Zeit war die Schöne aus Bremen technisch und...Foto: dpa

Das Fräulein Isabella war schön, filigran und prima motorisiert. Damit war die Sportlimousine so ganz anders als alles, was die anderen deutschen Hersteller zu dieser Zeit anzubieten hatten. Opel und Ford ließ Borgward damals weit hinter sich, und der Slogan „Wagen aus Bremen – Wagen von Ruf“ begleitete den Aufstieg der Firma zum viertgrößten Autohersteller Deutschlands.

Aber erst einmal zurück auf Start. Anfang der zwanziger Jahre verdiente Borgward sein erstes Geld mit dem Bau von Kühlern und Kotflügeln. Nach diversen Firmengründungen und Umbenennungen rief der Ingenieur Carl Borgward 1928 in Bremen die Goliath-Werke Borgward & Co. ins Leben. Sie produzierten in großem Stil einen dreirädrigen Kleintransporter, der als „Blitzkarre“ weltberühmt wurde. Bis 1945 hatte er dann 27 verschiedene Modelle auf den Markt gebracht.

Lloyd wurde für Borgward zum Sprungbrett

Es war das Motorisierungsprogramm der Nationalsozialisten (der sogenannte „Schell-Plan“), der Borgward in den dunklen Jahren Deutschlands zunächst zum größten Lkw-Hersteller Deutschlands aufsteigen ließ. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Situation eine völlig andere: Das Land musste und wollte wieder motorisiert werden. Obwohl seine Werke in Bremen fast vollständig zerstört waren, wagte Carl Borgward nach drei Jahren Haft und einem Entnazifizierungsverfahren einen Neuanfang: Schon im Sommer 1950 lief der erste „Lloyd“ vom Band. Ein Auto mit Holzkarosserie, billig gebaut und deswegen preiswert zu haben – er wurde zum Erfolg. Obwohl er schnell den Spitznamen „Leukoplastbomber“ verpasst bekam und mit dem Spruch „Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd“ verspottet wurde.

Der Rhombus, Markenemblem von Borgward, soll in diesem Jahr wieder auferstehen. Auf dem Genfer Autosalon werden aber erst mal nur die Pläne vorgestellt. Zur IAA könnte es eine neue Isabella geben.
Der Rhombus, Markenemblem von Borgward, soll in diesem Jahr wieder auferstehen. Auf dem Genfer Autosalon werden aber erst mal nur...Foto: dpa

Dennoch: Der Lloyd passte in die Wirtschaftswunderzeit. Es ging bergauf, auch mit den Produktionszahlen. Weitere Wagen folgten: die „Hansa“-Modelle, der „Alexander“, als Krönung die „Isabella“ und später noch die „Arabella“ – übrigens der erste deutsche Pkw mit Luftfederung. Es ist aber vor allem die 1954 auf den Markt gekommene „Isabella“, welche die Fans bis heute begeistert. Die Linienführung mutete italienisch an, man bezeichnete sie als „formschön“ und „rassig“. Sie war das glatte Gegenteil der in dieser Zeit eher klobig auftretenden Konkurrenz, und mit 60 PS bereits kräftig motorisiert. Schon zur IAA 1955 wurde die Isabella TS vorgestellt, die mit 75 PS und 150 km/h Spitze locker die Überholspuren der deutschen Straßen beherrschte. 1957 folgte eine Coupé-Variante.

Sitzposition in der Borgward Isabella dem Chef angepasst

Allerdings, und das trug zum Abschwung der Marke bei, glänzten Borgwards Modelle zwar mit einer unglaublichen Liebe zum Detail, leider aber auch öfter mal mit eingebauten Schrullen. Bei der Borgward Isabella gab es zum Beispiel per Kurbel versenkbar Dreiecksfenster – in den Fünfzigern Luxus pur – sowie einstellbare Ventile, für die man noch nicht einmal den ganzen Zylinderkopfdeckel abnehmen musste. Das Öffnen kleiner abschraubbarer Deckel an der Seite reichte dafür völlig aus – ein Vorbild an Wartungs- und Reparaturfreundlichkeit. Die ersten Isabellas, die auf die Straße kamen, krankten aber noch an labilen Vorderachsen und einer Schaltung, die diesen Namen nicht wirklich verdiente. Kinderkrankheiten, die im Laufe der Jahre abgestellt wurden.

Schick der Fünfziger: Die Borgward Isabella konnte mit einigen innovativen Details glänzen, hatte aber auch so ihre Eigenheiten.
Schick der Fünfziger: Die Borgward Isabella konnte mit einigen innovativen Details glänzen, hatte aber auch so ihre Eigenheiten.Foto: dpa

Die Sitzposition des Fahrers war allein dem Chef der Firma angepasst. Nicht nur, dass dem einigermaßen beratungsresistenten Firmenchef die Zigarre stets im Gesicht klebte, er war auch von der Statur her von eher außergewöhnlichen Maßen. Das hatte zur Folge, dass alle Käufer der Borgward Isabella etwas sehr tief hinter dem Steuer saßen. Dafür aber erwies sich der Motor als ausgereift: Der seitengesteuerte 1,5-Liter-Vierzylinder mit Alukopf spulte nicht selten mehr als 300 000 Kilometer runter. Allein das Novotex-Stirnrad brach dann mal.

Nach den Werksferien liefen bei Borgward die Bänder nicht mehr an

Die Isabella wurde von 1954 bis zum Konkurs der Borgward-Werke im September 1961 gebaut und modellgepflegt: Der Borgward-Rhombus wurde kleiner, die hinteren Kotflügel maskuliner. Innen wurde der Bandtacho eingeführt, auch ein Nachfolgemodell mit einer Frua-Karosserie war schon geplant. Am Ende war Borgward sogar damit einverstanden, dass die Vordersitze um vier Zentimeter höher montiert wurden – damit auch Otto Normalfahrer hinter dem Steuer besser zurechtkam.

Doch es hat nichts mehr genutzt. Nach den Werksferien 1961 liefen die Bänder nicht mehr an. Über die Gründe wird bis heute gerätselt: Sturheit des Chefs? Umstrittenes Krisenmanagement? Intrigen der Konkurrenz im Gerangel um Kredite? Firmengründer Carl Borgward bekannte: „Fünf Minuten bevor ich Geld einnehme, gebe ich es aus.“ Fest steht nur: Im Zuge der Abwicklung konnten alle Gläubiger ausbezahlt und alle Kredite zurückgezahlt werden. Ein Konkurs wäre nicht nötig gewesen, es hat sich allenfalls um einen Liquiditätsengpass gehandelt. Vielleicht waren es tatsächlich nur die zu große Modellpalette und die Unlust des Firmenchefs an Finanzangelegenheiten, die die Firma in den Ruin führten. Am Ende verloren jedenfalls 23 000 Menschen ihren Arbeitsplatz, die Werke wurden verkauft und demontiert.

Carl Borgward überlebte den Konkurs seines Unternehmens nur um zwei Jahre – er starb 1963 im Alter von 73 Jahren. 2008 gründete sein Enkel Christian in der Schweiz die Borgward AG. Nun will der Enkel Nägel mit Köpfen machen und die Marke wieder zum Leben erwecken. „Der Relaunch von Borgward ist ein Kindheitstraum von mir, der nun Realität wird“, sagt der 48-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann. Seit zehn Jahren arbeitet er an dem Projekt, das Geld wird wohl von einem chinesischen Investor kommen. Nun, pünktlich zum 125. Geburtstag von Carl Borgward, soll es so weit sein. Auf dem Genfer Automobilsalon sollen in dieser Woche die Pläne für das Comeback von Borgward bekannt gegeben werden.

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