Oldtimer taugen nur bedingt als Wertanlage : Spaßrendite auf der Straße

Hohe Renditen aus Tagesgeldkonto und Co.? Das ist im Moment eher Wunschdenken. So niedrig, wie die Zinsen derzeit stehen, wandert der Blick gerne mal auf Sachwerte. Ein Oldtimer, der wäre doch was als Geldanlage! Aber stimmt das wirklich?

Lea Sibbel
Freiheitsgefühle: Der VW-Bus Typ 2 hat in den vergangenen Jahren an Wert gewonnen.
Freiheitsgefühle: Der VW-Bus Typ 2 hat in den vergangenen Jahren an Wert gewonnen.Foto: dpa

Wie fühlt sich eigentlich eine Aktie an? Und wie riecht ein Tagesgeldkonto? Eine Antwort darauf fällt schwer. Konventionelle Geldanlagen punkten eben selten mit Sinneseindrücken. Ganz anders ein Oldtimer: Seine Sitze riechen ledrig-gemütlich, der Blinker klackert nostalgisch, und dann dieser Sound beim Gasgeben. In Zeiten von Niedrigzinsen scheint der Oldtimer als Geldanlage verlockend. Aber er hat seine Tücken. Und längst nicht immer winken Renditen. „Sie haben im Mittel eine Wertsteigerung von etwa acht bis neun Prozent“, sagt Götz Knoop vom Deuvet - Bundesverband für Clubs klassischer Fahrzeuge. Das hört sich erst einmal gut an, verglichen mit dem derzeitigen Zinsstand bei Tagesgeldkonten und Co.

„Aber ein Auto kostet auch“, gibt Knoop zu bedenken. Zum einen wäre da die Unterbringung des Oldtimers. „Sie können den ja nicht unter einer Laterne stehen lassen“, sagt Marius Brune vom Marktbeobachter Classic-Data. Wer für das Fahrzeug einen kostengünstigen Oldtimer-Versicherungstarif abschließen möchte, muss sogar einen Garagenparkplatz nachweisen können, erklärt Stefan Röhrig, Leiter des Fachbereichs Historische Fahrzeuge im Verband der Automobilindustrie (VDA). Je nach Wohnort kommen für den Garagenplatz einige Hundert Euro im Jahr zusammen. „Jetzt kommen noch Versicherungen hinzu“, sagt Brune.

Pflege und Instandhaltung von Oldtimern geht ins Geld

Und die Instandhaltung verursacht ebenfalls Kosten: „Auch wenn Sie das Auto nie fahren, haben Sie Verschleiß“, erklärt Röhrig. Ölwechsel und der Austausch poröser Gummis - all das geht ebenfalls ins Geld. Insgesamt sind die Fixkosten für einen Oldtimer also hoch - und sie können schnell die mögliche Wertentwicklung ein- oder überholen. „Alle Fahrzeuge, die unter 50 000 Euro kosten, sind eigentlich kein Spekulationsobjekt“, fasst Röhrig deshalb zusammen. Kosten und Wertentwicklung treiben hier nämlich meist ein Nullsummenspiel. Je höherwertiger das Fahrzeug ist, desto weniger Geld geht proportional für die Fixkosten drauf - und je stärker machen sich die möglichen Wertzuwächse in absoluten Zahlen bemerkbar, erklärt Brune.

Die Ente ist ein Hoffnungsträger: Nach Einschätzung von Experten legt Citroëns 2CV 6 im Wert kräftig zu.
Die Ente ist ein Hoffnungsträger: Nach Einschätzung von Experten legt Citroëns 2CV 6 im Wert kräftig zu.Foto: dpa

Weil solche Zuwächse aber nie vorhersagbar sind und diese eben auch oft nicht die Kosten aufwiegen, rät Röhrig: „Wer sich einen Oldtimer zulegt, sollte mehr als diesen spekulativen Hintergrund haben.“ Freude am Auto ist hier maßgeblich. „Spaßrendite auf der Straße - das ist das entscheidende Kaufargument“, sagt Knoop. Oldtimer seien keine reinen Sammlerstücke. Und neben dem Spaß am Fahren ist ein weiterer Vorteil von Oldtimern - anders als vielleicht bei Aktien: In der Regel hat man keinen Totalverlust, sagt Brune.

Jüngere Oldtimer aus den 80er und 90er Jahren interessant

Wer sich für den Kauf eines älteren Wagens entscheidet, kann sich zum Beispiel mit dem Oldtimer Index vom VDA einen ersten Überblick über die Marktlage verschaffen. Gemessen an der Wertentwicklung von 1999 bis 2014 steht dort auf dem ersten Rang der Flügeltürer 300 SL Coupé von Mercedes aus den Jahren 1954 bis 1957. Auf Rang zwei steht der Citroën 2CV 6 (1969 bis 1976), auf Rang drei der VW-Bus Typ 2 (1967 bis 1972). Brune empfiehlt, sich jüngere Fahrzeuge aus den 80er und 90er Jahren anzugucken: „Die anderen Autos sind schon entdeckt, da wird sich nicht mehr viel tun.“ Die Wertentwicklung sei dort schon passiert. Als aktuelle Hoffnungsträger nennt er zum Beispiel das Mercedes 300 CE Coupé (1989 bis 1992), das 968er Coupé von Porsche (1991 bis 1995) und den Mini Cooper 1.3i (1996 bis 2000).

Das 968er Coupé von Porsche zählt zu den Modellen, bei dem der Experte Marius Brune von einer Wertsteigerung ausgeht.
Das 968er Coupé von Porsche zählt zu den Modellen, bei dem der Experte Marius Brune von einer Wertsteigerung ausgeht.Foto: dpa

Knoop empfiehlt generell deutsche Hersteller und Modelle, die sportlich unterwegs sind. Da habe man in der Regel auch kein Problem, passende Ersatzteile zu bekommen. Oldtimer von Marken, die nicht mehr existieren, sind auch aus diesem Grund schwierig für den Laien, warnt Röhrig. Denn es gebe meist keine größere Organisation mehr, die diese Fahrzeuge betreut. Wichtig sei, sich ein Modell auszusuchen, dass schon damals etwas Besonderes war - „nicht die Brot und Butter-Limousine“, sagt Brune.

Nachträgliche Veredelung ist teuer

Vorsicht gilt aber bei besonderen Farben: Die treffen den Geschmack heute oft nicht mehr. Ist ein Modell ins Auge gefasst, müssen zwei weitere Faktoren unbedingt geprüft werden, bevor man das Fahrzeug kauft: Zustand und Historie. Der Zustand bei Oldtimern wird in den Kategorien 1 bis 5 angegeben. Ein guter Zustand bedeutet, dass es sich um ein gepflegtes Fahrzeug mit leichten Gebrauchsspuren handelt. Eine geringere Kategorie als 2 sollte man in der Regel nicht wählen. „Es ist immer teurer, wenn Sie nachträglich versuchen, das Auto zu veredeln“, erläutert Röhrig.

Mit dem Kauf eines älteren Mini liegt man momentan nicht verkehrt.
Mit dem Kauf eines älteren Mini liegt man momentan nicht verkehrt.Foto: dpa

Zur Historie zählt etwa die Zahl der Vorbesitzer - je weniger, desto besser. Ist ein prominenter Vorbesitzer dabei, kann das dem Wert des Autos steigern: Ein bekanntes Beispiel dafür ist der VW-Golf, den früher der ehemalige Papst Benedikt XVI. fuhr. Daneben spielt für die Kaufentscheidung eine Rolle, ob Wartungshefte und Inspektionsunterlagen vorliegen, sagt Brune. Die Innenausstattung sollte original sein, fügt Knoop hinzu. Und: „Momentan fahren viele auf Erstlackierung ab.“

Die Laufleistung habe keine Aussagekraft: Bei den meisten alten Fahrzeugen lasse sich ohnehin nicht mehr verlässlich feststellen, es komme einzig auf den Zustand an. Um auf keinen Blender hereinzufallen, raten die Experten unisono, sich fachmännischen Rat einzuholen - und im Zweifel Geld für ein Gutachten in die Hand zu nehmen. So macht man immerhin keine großen Verluste, wenn die Gewinnchancen bei Oldtimern schon schwierig stehen. (dpa)

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