VW Käfer, SL, Samba-Bus und Heckflosse : Wenn die Oldtimer-Liebe zugeschlagen hat

Ein VW-Käfer mit Faltdach weckte vor vielen Jahren Jann Kleemeyers Leidenschaft für gepflegte alte Autos. Inzwischen umfasst seine Privatsammlung ein Dutzend Oldtimer vom R4 bis zum Mercedes.

Sammler-Traum: Der Fiat 1200 TV Cabrio von 1957.
Sammler-Traum: Der Fiat 1200 TV Cabrio von 1957.Foto: dpa

Jann Kleemeyer kann es kaum erwarten, dass die Bremer Oldtimermesse am 31. Januar startet. Der 46-Jährige will dort zwei seiner automobilen Schätze präsentieren. Die Organisatoren kennen ihn als einen der Ersten, der kommt und einen der Letzten, der geht. "Das ist gerade wie Vorfreude auf Weihnachten." Seine Sammlung umfasst inzwischen ein Dutzend Oldtimer vom VW-Käfer bis zum Mercedes SL und passt schon lange nicht mehr in die Garagen auf seinem Grundstück. "Es ist der reine Spaß, die Freude am schönen Design und am Geruch der alten Fahrzeuge", beschreibt der Unternehmer seine Liebe zur historischen Technik und öffnet das Tor zu seiner kleinen Auto-Wunderwelt.

"Schuld hat eigentlich meine Frau"

Der älteste Wagen der Sammlung reckt Neugierigen stolz und makellos seinen Kühler mit dem roten Fiat-Emblem auf der Haube entgegen. Ein 1200 TV Transformabile aus dem Jahr 1957. Daneben ein roter Fiat Ghia 1500 GT von 1965, von dem insgesamt nur knapp 850 Stück gebaut wurden, wie Kleemeyer erzählt. Ein restaurierter VW-Bus Samba, eine 300 SL Replika und ein VW-Käfer, der fast genau den Geburtstag des Sammlers im April 1967 als Erstzulassung hat, vervollständigen den Teil der Sammlung, die Kleemeyer Zuhause hat.

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"Schuld hat eigentlich meine Frau", sagt der groß gewachsene Sammler fast wie zur Entschuldigung und lächelt. Seine Leidenschaft für alte Autos habe mit dem Kauf eines Faltdach-Käfers direkt nach dem Abitur begonnen - der Wagen war damals bereits 24 Jahre alt. Eine Sammlung war nie geplant. Seine damalige Freundin und heutige Frau fand ebenfalls Geschmack an Oldtimern. "Du kaufst, ich fahre", beschreibt Petra Kleemeyer die Arbeitsteilung.

Raritäten in der Scheune

Wenn der 46-Jährige ein neues altes Auto in seine Sammlung aufnehmen will, muss schon aus Platzgründen auch mal eins verkauft werden. Doch das ist nicht einfach, weil in mehreren Fällen ein Veto aus der Familie dagegen steht. So gilt es als abgemacht, dass der Lieblingswagen von Tochter Caya, der 67er Käfer, in der Garage bleibt.

Rarität: Der Siata Turin 1300 auf Fiat-Basis von 1962 wurde nur insgesamt 100 Mal gebaut.
Rarität: Der Siata Turin 1300 auf Fiat-Basis von 1962 wurde nur insgesamt 100 Mal gebaut.Foto: dpa

Nach einer kurzen Fahrt durch Bremen öffnet Kleemeyer das Tor einer Scheune. Im Halbdunkel, unter Staubschutzplanen verborgen, stehen hier so ungleiche Gesellen wie ein froschgrüner Renault R4 Safari von 1976 ("Der hat noch die original schlechten Schweißnähte und Lacknasen.") und ein Mercedes von 1965 mit der charakteristischen Heckflosse einträchtig nebeneinander. Auch der R4 ist nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes mit nur noch 2100 Exemplaren (2013) in Deutschland eine Rarität.

Im Schnitt 16 800 Euro für Oldtimer

Vorsichtig zieht Kleemeyer die Folie über einen seltenen Italiener. Zum Vorschein kommt eine zeitlose Karosserie mit Doppelscheinwerfern, die auch heute noch "bella figura" macht. Den seltenen Siata Fiat von 1962 werde er auf der Messe zeigen und vielleicht verkaufen. "Wenn mir jemand den Preis bietet, den ich mir vorstelle." Der 46-Jährige ist kein typischer Vertreter der Oldtimer-Szene. Er restauriert nicht selbst und nimmt nur gern an Rallyes teil, wenn das Vergnügen im Vordergrund steht "Wir wollen nur den Spaß an der Freude", ist sich das Paar einig. "Ich habe keinen Plan, ich lasse mich ein bisschen treiben und bevorzuge keine bestimmte Marke." Seine Vorliebe für seltene Italiener aber ist zu erkennen.

Das Interesse an alten Autos sei in den vergangenen Jahren in Deutschland gewachsen, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift "Oldtimer Markt", Peter Steinfurth. "Die meisten Leute erfüllen sich damit einen Jugendtraum." Nach einer Umfrage sind Interessierte bereit, für einem Oldtimer im Durchschnitt gut 16 800 Euro auszugeben. Die Zahl belege, dass es nicht um ein Millionärshobby gehe, sagt Steinfurth.

Laut Statistik des Kraftfahrtbundesamtes gab es 2013 in Deutschland rund 421 000 Autos, die mindestens 30 Jahre alt waren und damit als Oldtimer gelten. Das macht etwa ein Prozent aller Autos aus. 13,5 Prozent der Wagen sind zwischen 15 und 29 Jahre alt und gelten als Youngtimer. (dpa)

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