Zum 60. Geburtstag der Citroën DS : Der Wagen aus dem Weltall

Vor 60 Jahren präsentierte Citroën den DS. Die „Göttin“ begeisterte durch eine bisher nicht gekannte Formensprache und Fahrkomfort, der damals beispiellos war – heute ist sie einer der populärsten Klassiker.

Kai Kolwitz
Paris, 1955 - eine Legende wird geboren. Die Citroën DS erblickt auf dem Pariser Autosalon das Licht der Welt. Sie kam wie ein Ufo, wie ein Auto von einem anderen Stern. Foto: Citroën
Paris, 1955 - eine Legende wird geboren. Die Citroën DS erblickt auf dem Pariser Autosalon das Licht der Welt. Sie kam wie ein...Foto: Citroën

Ein Raumschiff. Eine Erscheinung. Mindestens aber ein Gefährt aus der Zukunft. Wer verstehen will, wie der Citroën DS bei seiner Vorstellung auf die Menschen wirkt, der muss sich vorstellen, welche Angebote andere Hersteller Mitte der fünfziger Jahre ihren Kunden machen.

Gerade erst werden andernorts die letzten Vorkriegsentwürfe von der modischen Pontonlinie mit ihren barocken Rundungen ersetzt. Im Straßenbild sind geschwungene und vom Rest der Karosserie abgesetzte Kotflügel noch allgegenwärtig – und da bringt Citroën ein Auto, das komplett aus einem Guss ist: glatte Flächen, Bögen, die sich von Front bis Heck über das ganze Auto ziehen, ein Karosserieteil geht glatt ins andere über. Die Citroën DS ist ihrer Zeit optisch zehn Jahre voraus, mindestens. Eine Designikone ist sie in jedem Fall – und bis heute eine der größten Legenden der Marke.

Bei der Präsentation der Citroën DS mussten die Tore geschlossen werden

Der Name „DS“ ist ein Wortspiel. Gesprochen ergibt er „Déesse“, das französische Wort für „Göttin“. Das Publikum versteht bei der Präsentation, was gemeint ist: Als Citroën seine neue große Limousine im Oktober 1955 auf dem Pariser Autosalon erstmals zeigt, müssen die Tore wegen des großen Andrangs zeitweise geschlossen werden. Schon am ersten Abend hat der Hersteller 12 000 Bestellungen, bis Messeende sind 80 000 Kaufverträge unterzeichnet.

Die Citroën DS 1958 als Kombi. Die Break genannten DS mit langem Heck gehören zu den Seltenheiten in der Produktion. Foto: Citroën
Die Citroën DS 1958 als Kombi. Die Break genannten DS mit langem Heck gehören zu den Seltenheiten in der Produktion.Foto: Citroën

Und das, obwohl kaum jemand den Wagen auch ausprobieren konnte. Aber Citroën hat in den Fünfzigern eine Reputation als innovativer Hersteller. Schon der DS-Vorgänger Traction Avant war ein technischer Vorreiter gewesen, mit Frontantrieb und selbsttragender Karosserie. Vor einigen Jahren hat Citroën außerdem einen pfiffigen und preiswerten Kleinwagen namens 2CV präsentiert, der sich in Deutschland den Beinamen „Ente“ erwarb. Und für den Neuen hat man sich eine Menge vorgenommen.

Entwicklung der Citroën DS begann bereits vor dem Krieg

Schon im Jahr 1938 haben die Arbeiten an einem Nachfolger für den Traction Avant begonnen. Doch der Krieg und die Entwicklung des 2CV bremsen den großen Wagen viele Jahre aus. Den entscheidenden Schub in Sachen Innovation liefert dann ausgerechnet ein Unglücksfall: Im Jahr 1950 kommt der Citroën-Generaldirektor Pierre Boulanger bei einem Autounfall ums Leben. Er hatte stets konventionelle Lösungen angemahnt, sein Nachfolger lässt Konstrukteur André Lefebvre freie Hand.

Noch größere Raritäten sind die Cabrios. Ein gut erhaltenes Exemplar der Citroën DS als Cabrio bringt heute sechsstellige Summen. Foto: Citroën
Noch größere Raritäten sind die Cabrios. Ein gut erhaltenes Exemplar der Citroën DS als Cabrio bringt heute sechsstellige Summen.Foto: Citroën

Der bedankt sich mit zukunftsweisenden Ideen: Materialien wie Aluminium und Fiberglas sollen den Wagen leicht und damit wirtschaftlich machen, die flache Motorhaube für gute Aerodynamik sorgen. Die größte Innovation verbirgt sich aber unter dem Blech: die sogenannte Hydropneumatik. Die Federung des Wagens geschieht in Kugeln, in denen sich ein Gas und eine Hydraulikflüssigkeit ausbalancieren. Die DS wird dadurch zu einer Sänfte, die schwerelos über Hindernisse und Schlaglöcher zu schweben scheint. Noch viele Jahre später kann kein anderer Hersteller mit diesem Komfort mithalten. Mercedes und Rolls Royce erwerben Lizenzen.

Boxermotor konnte nicht realisiert werden

Dazu Halbautomatik, eine Servolenkung und eine Hochdruckbremse. Auch so etwas ist in dieser Zeit alles andere als Standard. Nur eins stört die pure Harmonie: die Vierzylindermotoren, die man modifiziert vom Vorgänger übernommen hat. Sie sind rau und brummig, aber ein Reihensechszylinder hätte nicht unter die flache Haube gepasst. Und den eigentlich geplanten Boxermotor konnten Citroëns Ingenieure nicht in gewünschter Qualität realisieren. Angesichts der Form und des Fahrkomforts würde man das bodenständige Geräusch des Antriebs nicht erwarten, ein wenig holt es den DS akustisch zurück in die Zeit seiner Entstehung – und das sind nun einmal die Fünfziger.

Die Mehrfahrgelegenheit - Carsharing in Berlin


Carsharing gilt als Verkehrskonzept der Zukunft, in Berlin wächst das Angebot rasant. Die einen macht die neue Ich-Mobilität glücklich, andere reich, manche wütend. Begegnungen mit Pionieren und Kritikern - und eine Datenanalyse mit vielen interaktiven Grafiken.

Mehrfahrgelegenheit –
ein Projekt von MEHR BERLIN

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben