Opel Astra : Diesem Kombi gibt man gerne einen Tritt

Der Opel Astra ist schon das „Auto des Jahres 2016“ – jetzt legt die Marke mit dem neuen Kombi noch einmal richtig gut nach.

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Der bringt was weg. Mit dem rundherum gut gelungenen Astra Kombi, dessen Heck nicht mehr so pummelig daherkommt und insgesamt deutlich beim Gewicht abgespeckt hat, wird Opel bei seiner Kundschaft punkten – auch mit vielen nützlichen Extras.
Der bringt was weg. Mit dem rundherum gut gelungenen Astra Kombi, dessen Heck nicht mehr so pummelig daherkommt und insgesamt...Foto: Promo

Gratulation, Opel! Der neue Astra ist Europas „Auto des Jahres 2016“ geworden, gewählt von einer Fachjury aus 22 Ländern. Und am 9. April startet mit dem Astra Sports Tourer das wichtigste Modell von Opel: Sechs von zehn Käufern entscheiden sich laut Opel für den Kompakten mit dem großen Heckteil.

Bis zur B-Säule ist der Sports Tourer identisch mit der Schrägheckversion, die übrigens sehr gut beim Kunden ankommt. Optisch hat der neue Kombi gegenüber dem etwas pummeligen Vorgänger stark gewonnen. Er setzt auf eine sportlich wirkende Dachlinie und einen langen Überhang. Das Ergebnis ist der aerodynamisch beste Kompaktkombi mit dem niedrigsten cw-Wert von 0,272. Das pfiffige C-Säulen-Design der Schrägheckversion muss beim Kombi zwar einem konventionellen dritten Seitenfenster weichen, dennoch ist auch hier Opels Designern ein Aha-Effekt gelungen: Wie beim frechen Kleinwagen Adam trägt der Sports Tourer eine Chromspange, die an das Gelenk historischer Kaleschen erinnert. Witzig gemacht.

Wichtiger jedoch ist die Tatsache, dass der neue Sports Tourer bei fast gleicher Länge gegenüber dem Vorgänger 80 Liter mehr Kofferraum bietet. Zum Vergleich: Der gegenüber dem Insignia um 21 Zentimeter kürzere Kompaktklasse-Astra kann mit einem Volumen von 540 bis 1630 Liter sogar einen um 100 Liter größeren Laderaum vorweisen als der schon etwas angejahrte Mittelklasse-Opel. Allerdings schlägt er den Platzhirsch nicht ganz. Der gegenüber dem Astra um 14 Zentimeter kürzere VW Golf Variant kann mit einem Volumen von 605 bis 1620 Liter locker dagegen halten.

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Der neue Opel Astra ist Auto des Jahres 2016
Der neue Opel Astra ist Auto des Jahres 2016

Das sieht man zwar nicht, aber man spürt beim Fahren, wo Opels kompakter Kombi richtig punkten kann. Dank neuer Leichtbau-Plattform wiegt er, je nach Variante, bis zu 180 Kilogramm weniger als der Vorgänger. In die praktische Gestaltung des Hecks haben die Opel-Techniker viel Hirnschmalz investiert. Gerade keine Hand frei? Brauchen Sie auch nicht. Dank sensorgesteuerter Heckklappe genügt ein „Fußtritt“ unter die Stoßstange, damit sich die Klappe selbst öffnet. Mit einem weiteren „Tritt“ schließt sie automatisch. Das bietet kein anderer in diesem Segment. Dieser Luxus muss allerdings, je nach Ausstattungsversion, mit 750 bis 885 Euro teuer bezahlt werden. Außerdem lässt sich der Öffnungsgrad der großen Klappe festlegen, zum Beispiel in niedrigen Garagen. Eine Opel-Spezialität ist das FlexFold-System. Durch Druck auf eine der Tasten an den Kofferraumflanken lösen sich die Rückenlehnen per Federkraft und klappen im Verhältnis 40/20/40 nach vorne. Das kostet 250 Euro extra.

Motoren einer neuen Generation

Genug geladen. Jetzt geht es ans Fahren. Opel macht es nicht wie andere Hersteller, deren Kombi-Versionen einen längeren Radstand aufweisen: Auch beim Sports Tourer stehen die Achsen 2,62 Meter auseinander. Der neue Astra ist – sowohl als Limousine als auch als Kombi – der erste Opel, welcher ausschließlich mit Motoren einer komplett neuen Generation fährt. Alle Triebwerke verfügen serienmäßig über eine spritsparende Start-Stopp-Automatik. Das Motorenangebot ist identisch mit dem der Limousine. Das heißt, fünf Benziner decken ein Leistungsband zwischen 100 und 200 PS ab, und die vier Diesel leisten zwischen 95 und 160 PS.

Der neue Astra ist Europas „Auto des Jahres 2016“ geworden.
Der neue Astra ist Europas „Auto des Jahres 2016“ geworden.Foto: Promo

Wir sind mit dem neuen 160 PS starken Biturbo-Diesel in der höchsten Ausstattungsversion Innovation unterwegs. Bei dem spielt die Musik auch vorn sehr gut. Dieser kräftige Vierzylinder passt optimal zum Opel-Kombi. Bereits ab 1250 Touren stemmt der Vierzylinder 320 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, ab 1500 Touren sind es dann schon 350 Newtonmeter. Damit ist Opels neuer Kombi für alle Lebenslagen mehr als ausreichend motorisiert. In nur 8,9 Sekunden erreicht er aus dem Stand Tempo 100, und erst bei 220 km/h ist Schluss. Fast schon gierig reagiert er auf Gaspedalbefehle, dreht für einen Diesel sauber und locker hoch, lässt sich jedoch auch sehr schaltfaul fahren. Wenn man ihm etwas vorwerfen kann, dann ist es die Geräuschentwicklung. Ein Leisetreter ist er nicht. Dafür auch kein Säufer. Bei unserer ersten teils flotten Ausfahrt in sehr hügeligem Gelände im Hinterland von Porto flossen pro 100 Kilometer nur 5,2 Liter Diesel durch die Einspritzdüsen – lediglich ein Liter mehr, als Opel beim Normverbrauch angibt. Das ist gut so, denn der Tank fasst aus Gewichtsgründen nur 48 Liter.

Obwohl Opel aus Kostengründen auf eine aufwendige Mehrlenker-Hinterachse wie bei anderen Herstellern verzichtet, macht die weiterentwickelte Verbundlenkerkonstruktion mit dem quer angeordneten Wattgestänge zur Verbesserung von Handlichkeit und Fahrsicherheit ihre Arbeit ausgesprochen gut. So lenkt Opels Kombi, bei unserer ersten Testfahrt allerdings mit nur zwei Personen besetzt, dank steiferer Karosserie und neuer, sehr präziser elektromechanischer Lenkung sehr behände ein, hält sicher die Spur und erweist sich im normalen Alltag als „idiotensicheres“ Auto. Die Federung könnte allerdings etwas geschmeidiger arbeiten.

Preis zeugt vom neuen Selbstbewusstsein Opels

In der ersten Reihe offeriert der Sports Tourer Business-Komfort und sprengt damit dieses Segment. Allerdings nur gegen 685 Euro Aufpreis für beide Ergonomiesitze mit ausziehbarer Schenkelauflage, die das Gütesiegel Aktion Gesunder Rücken tragen. Es gibt kaum Besseres in dieser Klasse. Selbst stundenlange Fahrten arten nicht in Rückenstressanfällen aus. Wer bereit ist, 2300 Euro lockerzumachen, bekommt sie in feinem Leder mit Kühlventilation, Massagefunktion, Fondheizung für die Sitze und Lenkradheizung. In dieser Klasse ist das einmalig, allerdings ist auch der Preis happig. Und in der zweiten Reihe? Obwohl der Sports Tourer zweieinhalb Zentimeter flacher ist als der Vorgänger, bietet er 2,6 Zentimeter mehr Kopffreiheit auf den Rücksitzen. Und 2,8 Zentimeter mehr Beinfreiheit.

In der ersten Reihe offeriert der Sports Tourer Business-Komfort.
In der ersten Reihe offeriert der Sports Tourer Business-Komfort.Foto: Promo

Das Beste kommt zum Schluss: Das in dieser Klasse einmalige IntelliLux LED Matrix Licht, das die Nacht zum Tage macht. Dank 16 individuell gesteuerter LED-Elemente kann ständig mit Fernlicht gefahren werden, ohne dass vor einem fahrende Autos oder der Gegenverkehr geblendet werden. Dafür sind freilich weitere 1450 Euro fällig.

Apropos Preise. 1000 Euro Aufpreis gegenüber der Limousine verlangt Opel für den Sports Tourer. Los geht es mit einem 100 PS starken, 1,4 Liter großen Benziner, Fünfgang-Handschaltung und serienmäßiger Klimaanlage ab 18 260 Euro. Der neue Dreizylinder-Turbo mit 105 kostet gleich 1 100 Euro mehr. Am Ende des Benziner-Sortiments wartet der Sports Tourer mit 200 PS, den es ab 26 910 Euro gibt. Bei den Selbstzündern beginnt es ab 21 260 Euro für den 95-PS-Diesel. Am oberen Ende steht der 136-PS-Diesel mit Sechsstufenautomatik für 29 355 Euro. Der 160-PS-Biturbo ist 245 Euro billiger, weil er merkwürdigerweise nur mit einer Sechsgang-Handschaltung lieferbar ist. Wann für ihn eine Automatik verfügbar sein wird, wollte uns Opel nicht verraten.

Bei den Einstiegspreisen bleibt es jedoch selten, denn für die meisten schönen und auch praktischen Dinge muss man extra zahlen. Das von uns gefahrene Modell Astra Sport Tourer 1.6 BiTurbo CTDI Innovation ist mit den vielen Extras an Bord schon über 35 000 Euro teuer. Dieser Preis zeugt vom neuen Selbstbewusstsein der Marke, die seit Anfang des Jahres schon 20 Prozent mehr Autos als im Vorjahr verkauft hat. Ohne Frage wird der Sports Tourer den Erfolg der Schrägheckversion noch toppen.

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