Opel : Mantas Erbe

Als Opel noch mit Autos Schlagzeilen machte: Vor 20 Jahren erregte der Calibra Aufsehen.

Wie schön. So sah es aus, das aerodynamischste Serienauto der Welt. Damals.
Wie schön. So sah es aus, das aerodynamischste Serienauto der Welt. Damals.Foto: promo

Vor 20 Jahren erlebte die Republik einen ziemlich glücklichen Sommer: Die Wiedervereinigung stand vor der Tür, der Fußball-WM-Titel löste Euphorie aus – und in Rüsselsheim lief ein rassiges Sportcoupé vom Band. Als Calibra wurde der 2+2-Sitzer auf der IAA 1989 vorgestellt, im Juni 1990 stand das Händlerdebüt an. Ein Blick zurück auf eine Erfolgsgeschichte im Zeichen des Opel-Blitzes.

Den trugen die ersten Modelle noch selbstbewusst auf der über den Vier- und Sechszylinder-Motoren tief nach vorne gezogenen Motorhaube. Leistungswerte zwischen 115 PS und 204 PS sorgten im Laufe der Produktionsjahre bis 1997 für durchaus standesgemäßen Schub des schicken Rüsselsheimers. Der war auf Basis des Opel Vectra A entstanden, um der drohenden Coupé-Übermacht aus Japan etwas entgegenzusetzen und das erfolgreiche Erbe des Manta weiterzutragen. Allerdings ohne dessen damals bereits durch zahlreiche Witze ramponiertes Image. Gleichwohl war der Calibra ein auffallender, flacher und schnittiger Keil. Das sorgte für einen energischen Auftritt, war aber nicht Selbstzweck. Vielmehr diente das dynamische Design vor allem dem möglichst geringen Luftwiderstand. Und der war ohne Frage herausragend, lag doch der cW-Wert bei nur 0,26. Das machte den Calibra zum Aerodynamik-Weltmeister unter den Serienfahrzeugen. Dass der Weltmeister dann auch auf Leichtmetallfelgen rollte und von Haus aus über Sportsitze und getönte Scheiben verfügte, versteht sich von selbst.

Nicht ganz so selbstverständlich war hingegen der gleich im Debütjahr erhältliche Allradantrieb, der sich ebenfalls am Vectra orientierte und die Hinterräder nur bei Bedarf in die Antriebspflicht nahm. Zwei Jahre später sorgte zudem der Calibra Turbo 4x4 als neues Spitzenmodell für schlaflose Nächte bei den Fans. Immerhin lieferten die zwei Liter Hubraum des Sechzehnventilers dank Turbolader und Ladeluftkühler 204 PS Leistung. Laut Datenblatt war eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h und eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 6,8 Sekunden im stolzen Preis von 49 880 DM inbegriffen. Für die frühen 90er Jahre waren das alles andere als durchschnittliche Werte – der Kunde bekam eben was geboten für sein Geld. Übrigens nicht nur in den Top-Versionen, sondern auch bei den Einsteigermodellen. Mit einem Wort: Der Calibra war ein rundum gelungener Opel. Heute werden für sehr gut erhaltene Fahrzeuge schon mal 5000 Euro oder 6000 Euro verlangt, was zeigt, dass das schnittige Fahrzeug allmählich in den Klassikerolymp einrollt.

Im Laufe der Zeit erfuhr der Calibra eher dezente Designänderungen, während antriebsseitig 1993 ein V6-Benziner mit 170 PS aus 2,5 Litern Hubraum ins Programm gehievt wurde. Am unverwechselbaren Auftritt des rassigen Rüsselsheimers änderte das freilich alles nichts – und so waren auch die letzten Exemplare, die im Frühjahr 1997 unter dem Namen „Last Edition“ ausgeliefert wurden, eindeutig als Calibra erkennbar. Die limitierte Finalserie war mit ihren knapp 1000 Exemplaren der angemessene Schlusspunkt einer Erfolgsgeschichte, die noch immer nicht so recht zu Ende scheint. Immerhin sind von den bis zum Sommer 1997 gebauten 239 639 Exemplaren noch etliche auf den Straßen unterwegs.

Und längst hat sich auch eine rührige Fanszene gebildet, die dem eigenständigen Calibra – der bis heute keinen wirklichen Nachfolger hat – die Treue hält. wa

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